Statische Websites. Back to the roots?

Der Schockwellenreiter (der schon seit Ewigkeiten in meiner Blogroll liegt) hat vor einiger Zeit einen Artikel ins Rennen geworfen unter dem Titel Markdown, statische Seiten und die »digitale Teilhabe«, der bei mir erst später gewirkt hat. Erste Reaktion waren bei mir eher ein ungläubiges Kopfschütteln – was für ein Quatsch. Nach etwas Reflektion hat sich die Meinung etwas gemildert und gewandelt.

Nach wie vor bin ich extrem skeptisch, ob die propagierte Idee des “Schrittes zurück” zu statischen Webpages wirklich wünschenswert ist. Das, was ehedem unter Web 2.0 durch das virtuelle Dorf getrieben wurde und Softwaresysteme wie WordPress und Hosting-Angebote wie wordpress.com, Tumblr, Medium oder im weiteren Sinne auch Facebook und Twitter nach sich gezogen hat, war ja nicht ausnahmslos schlecht. Ich erinnere mich an die Anfangszeiten dieses Blogs, erst mit plain Perl, dann mit blosxom, später dann irgendwann mit WordPress. Damals gab es Kommentare, damals gab es Trackback-Pings und Aggregatoren, die RSS-Feeds von anderen Blogs eingebunden und angezeigt haben. Damals waren “statische Websites” die Vergangenheit und gab es plötzlich Möglichkeiten, unglaublich einfach in diesem Rahmen zu publizieren und vor allem auch Artikel zu vernetzen und entlang von Publiziertem zu kommunizieren und zu diskutieren. Nach wie vor behaupte ich, daß diese Entwicklung in einem ersten massiven Schritt erheblich dafür gesorgt hat, daß Menschen und Inhalte ins Web gekommen sind, die zuvor an HTML-Files und dem FTP-Client zum Upload auf den Web-Server garantiert gescheitert wären oder kapituliert und es bleiben gelassen hätten.

Davon indes ist nicht mehr allzu viel übrig. Trackback-Pings habe ich seit Jahren nicht mehr empfangen, sinnvolle Kommentare auch nicht erhalten, auch weil ich seit Jahren nur sehr lückenhaft hier schreibe. Kommunikation und vorgelagert auch Veröffentlichung haben sich in Richtung benannter Plattformen verlagert, wo einige der alten Unebenheiten scheinbar “beseitigt” und bei näherem Hinschauen ersetzt wurden durch walled gardens, die nur noch sehr eingeschränkt mit dem Rest des WWW oder gar des größeren Internet mit seinen sämtlichen Diensten kommunizieren, viele davon in der Größe der Nutzerschaft ein- bzw. weit überholt haben.

Mit Blick darauf ebenso auf den Umstand, daß Gesetzgebungen Betrieb und Veröffentlichung von Artikeln außerhalb der großen Plattformen nicht wirklich vereinfachen, stellt sich an manchen Punkten eher die Frage, ob es überhaupt noch ansatzweise lohnt, so etwas wie eine eigene Website oder ein Weblog selbst betreiben zu wollen. Wenn man Letzteres richtig machen möchte, ist der Aufwand nicht unerheblich und die Komplexität vergleichsweise hoch – für viele Features, die nicht oder kaum noch genutzt werden.

An diesem Punkt haben mich die Artikel auf Schockwellenreiter und der dort verlinkte Eintrag bei Armin Hanisch dann doch dazu motiviert, dem Thema offener gegenüberzustehen. Bearbeitung von Artikeln in Markdown ist ein Feature, das ich mir für WordPress schon länger wünsche, wofür ich aber keine brauchbare Implementation finden konnte. Und bei näherer Betrachtung: Ja, vielleicht ist der Prozess, statische Sites offline zu erzeugen und auf den Server zu synchronisieren, doch gar nicht so abwegig. Er nimmt eben Komplexität weg. Keine Datenbank mehr. Kein PHP. Keine komplexen Backups der gesamten Struktur, kein Risiko, daß beim nächsten Update einer der Komponenten relevante Teile umfallen. Und notfalls die Chance, die ganze Chose über den Raspberry Pi hinter dem heimischen DSL-Router zugänglich gemacht zu bekommen. Dazu weniger Angreifbarkeit, weil auf dem Server kein dynamischer Code mehr läuft, und gleichermaßen auch im Blick auf Themes, Styling und dergleichen vielleicht mehr einfach erreichbare Möglichkeiten, weil die Strukturen weniger komplex sind als Templating und Styling in WordPress oder einem full-blown CMS.

Kurz und gut: Ich werde es versuchen und berichten. Momentane Kandidaten sind Pelican (weil mir von den verfügbaren Implementationen alles in Python per se erstmal sympathisch ist) und hugo (das gewisse Verbreitung zu genießen scheint und auf den ersten und auch den zweiten Blick sehr ausgereift ist). Ergebnisse: We’ll see. Vor allem möchte ich wissen, was im Vergleich zu einem Blog in WordPress fehlt. Und ich möchte herausfinden, wie sich der Workflow, Markdown-Files in einem Text-Editor der Wahl zu bearbeiten, dann irgendwo in einem git-Repo zu halten und bedarfsweise (wie eben Software auch) zu “bauen” und auf einen Server zu schieben, auch unter etwas intensiverer Nutzung im Vergleich zu einem web-basierten Editor für eine Blog- oder CMS-Umgebung mit all den zugehörigen Tools und Möglichkeiten einordnet. Interessant wird es allemal…

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