Instagram, Influencer und Sinnverlust

Die Online-Präsenz des deutschlandfunk hat unter dem Titel “Selbstversuch bei Instagram – einflussreich in 30 Tagen einen interessanten Beitrag im Portfolio, der sich mit Publikation, Reichweite und Einfluß bei Instagram beschäftigt.

Das ist insgesamt lesens- und hörenswert – und ein guter Ausdruck für das, was mit vielen dieser Netzwerke derzeit “schief” ist: Als ich 2003 bei Fotolog und 2005 bei Flickr “angefangen” habe, waren das noch im Wesentlichen Communities von Leuten, die irgendwie an Fotos interessiert waren. Zu dieser Zeit standen die Bilder und die Kommunikation entlang der Bilder im Mittelpunkt. All das geht dort immer noch – aber parallel dazu wird das Rauschen durch all jene zunehmend massiver, die diese Netzwerke nur als einen weiteren Kanal für gänzlich andere Zwecke nutzen. Naive Annahme: Damit geht Sinn, Möglichkeit, Authentizität verloren. Welchen Wert hat ein Netzwerk wie Instagram (das eigentlich vom Unmittelbaren, von sofort veröffentlichten Momentaufnahmen lebt), wenn es mit sorgfältig arrangierten, vorbereiteten und digital nachbearbeiteten Bildern geflutet wird? Welchen Sinn hat ein soziales Netzwerk, das eigentlich von der Möglichkeit unmittelbarer und schneller Kommunikation zwischen verschiedenen Beteiligten lebt, wenn es zu einem reinen “write-only”-System wird, in dem “Influencer” nurmehr Reichweite und Einfluß optimieren wollen? Welchen Sinn hat ein Kommunikationssystem, wenn einzelne Beteiligte nurmehr Kontakte um der großen Zahlen wegen “sammeln”?

Vielleicht ist das nicht schlimm. Vielleicht kann und muß es ein “nicht nur, sondern auch” sein, insbesondere nachdem wir immer schneller immer mehr Möglichkeiten verfügbar haben, dafür aber faktisch kein Geld bezahlen wollen. Ich für meinen Teil wünsche mir immer noch einen “Instagram Pro” – Account, der es mir erlaubt, Influencer, Promis, Werbung und vergleichbare für mich gänzlich unwesentliche Randerscheinungen auszublenden und mir einfach nur die Beiträge der Leute in meiner Kontaktliste in chronologischer Reihenfolge zu zeigen. Dafür würde ich sogar Geld zahlen, wie ich es für Flickr Pro immer noch tue.