Kommissar for Präsident!

Etwas eigenartig mutete es schon an, was nach Gerüchten nunmehr zur Nachricht wurde: die Linke wird Peter Sodann als Kandidaten für die nächste Wahl zum Amt des Bundespräsidenten im März 2009 ins Rennen schicken. Nun kann man trefflich darüber diskutieren, ob und wie ein ehemaliger Schauspieler / TV-Kommissar für dieses höchste Staats-Amt eignet – Chancen wird er vermutlich eingedenk der Mehrheitenverteilung in der Bundesversammlung vermutlich ohnehin keine haben. Nichtsdestotrotz fallen zwei Dinge auf:

Zum einen: Daß Argument politischer Unerfahrenheit mag sicher nicht von der Hand zu weisen sein, muß aber auch nicht notwendigerweise ein Nachteil sein, da sich der Bundespräsident de facto ohnehin nicht allzu sehr in die “Tagespolitik” einmischen soll. Darüber hinaus ist zu vermuten, daß Sodann, der auch zu DDR-Zeiten in Folge ‘staatsfeindlicher Hetze’ aus politischen Gründen inhaftiert war, nicht notwendigerweise zu der Art politischer Verklärtheit gegenüber dem DDR-Regime neigt, die der Linkspartei im Allgemeinen und ihren Wählern im Osten des Landes im Speziellen gern vorgeworfen wird (siehe Portrait auf sueddeutsche.de):


Er lernte Werkzeugmacher, studierte Theater, und als er sich mit seinem Studentenkabarett über den Mauerbau mokierte, landete er für neun Monate im Gefängnis. Später stellte sich heraus, dass 80 Stasi-Spitzel ihn belauerten. Das hielt ihn nicht davon ab, einem von ihnen die Totenrede zu halten.

Zum anderen zeigt sich Sodann im Interview mit dem Deutschlandfunk als Mensch mit differenzierenderen Gedanken und Ideen, die man sich im politischen Alltag doch gelegentlich wünschen würde:

[…]
Schütte: Das heißt, sind Sie Sozialist oder Demokrat?

Sodann: Ich bin ein demokratischer Sozialist, und da hätten wir es wieder. Wieso ist ein Sozialist überhaupt kein Demokrat? Das ist doch eine Fangfrage. Ein Sozialist ist auch schon ein Demokrat. Das muss ich sagen. Und warum ist daran eigentlich was Schlechtes? Das ist eine Idee. Eine Idee kann man verfolgen. Die kann man verfolgen, indem man sie ächtet, oder man kann sie verfolgen, indem man sie liebt. Eine solche Idee liebe ich, dass alle Menschen gleich sind. Ich bin nicht weit weg von der Bibel. Sie wissen, dass ich mich zu DDR-Zeiten noch “betender Kommunist” genannt habe, weil ich mich von den anderen unterscheiden wollte, und da habe ich eben gebetet mit meinem Freund zusammen, Alfred Matusche, der ein großer Dichter war. Und dabei soll es bleiben!
[…]

An sich kann man darauf warten, daß Statements wie diese im üblichen partei-orientierten Gezänke des politischen Betriebes in Deutschland zerlegt werden und das Differenzierende irgendwo zwischen “Schwarz” und “Weiß” herunterfällt, genau so wie man natürlich immer sowohl im Hinblick auf die konkrete Partei als auch auf die diskutierten Inhalte geteilter Meinung sein kann. Aber vielleicht schafft “Präsidentenkandidat Ehrlicher” auf die Weise zumindest in der Tat ein kleines Stück politische Leistung – den einen oder anderen zum Nachdenken zu bringen über Meinungen, Ideen, Gedanken und politische Konzepte. Zu hoffen wär’s…

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