unGEZügelter Unsinn

Daß ich zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk so meine spezielle Meinung habe, dürfte jenen (drei… 🙂 ) Menschen, die diese Seite gelegentlich lesen, nicht entgangen sein. Der momentane Fetisch besteht für mich darin, morgens zum Frühstück MDR Info (einen jener Radio-Sender, die stundenlang dasselbe Programm wiederholen, aber zumindest früh ganz gut informieren…) zu hören. Dabei bleibt es nicht aus, daß man auch die regelmäßigen Hinweise auf das abendliche Fernseh-Programm mitbekommt, und noch ein klareres Bild von der Situation zu sehen beginnt, ohne sich selbst in Gefahr für Leib, Leben und seelische Gesundheit zu begeben. Einige Erkenntnisse, die man dort gewinnen kann:

  • Wird ein wirklich sehenswerter Film oder Beitrag angekündigt, bei dem man ein Mindestmaß an Tiefe vermuten mag, dann kann man vorher wetten, daß dieser entweder für arte oder 3sat angekündigt wird. Schlecht für jenen, der mit Zimmerantenne unterwegs ist.
  • Auf ARD und ZDF kann man “richtige” (Kino-)Filme getrost vergessen. Hier dominieren lahme Eigenproduktionen (im Falle von ZDF ganz offensichtlich mit einer Hand voll omnipräsenten Akteuren besetzt, die immer nur die Rollen tauschen – was übrigens verwirren kann, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Krimis dasselbe Gesicht erst den Kommissar und dann den Mörder gibt…). Dabei dominieren entweder “kurzweilige Beziehungsgeschichten” (oh mein Gott!!!) oder, im Falle des Zweiten, mehr oder weniger sehenswerte Krimis. Hier scheint die Fantasie der Drehbuchautoren zwar grundsätzlich auf “Mord” als mögliches, verfilmbares Verbrechen beschränkt zu sein, aber dafür wird dieser dann auch ganz gern in allen Facetten, Formen und Stilrichtungen verfilmt, was Killerspiele eigentlich fast überflüssig werden läßt. Spätestens wenn dann ein Privatdetektiv, der mindestens schon in den Siebzigern ist, durch das Programm “hetzt” (oder stolpert…), mit seinem Alfa durch Frankfurt bügelt und immer noch das sportlich-jugendliche Sex-Symbol zu mimen glaubt, weiß man nicht, ob man lachen oder heulen soll.
  • Das MDR, regionalbedingt mein “Heimats-Drittes”, hat schlicht und ergreifend nicht das Format von anderen Dritten. Punkt. Zwar hat’s auch hier gelegentlich sehenswerte Reportagen (erstaunlicherweise insbesondere am frühen Sonntagmorgen), aber das Wochenprogramm zwischen Volksmusik und eigenartigen Mitmach-Showformaten ist eher, nun, fragwürdig.

Fazit dieser verworrenen Ausführungen: Warum muß das so sein? Ich bin nach wie vor ein Freund von öffentlich-rechtlichem Fernsehen, aber angesichts dieser Zustände frage ich mich immer wieder, wofür ich eigentlich Gebühren zahle. Es zahlen alle, solidarisch, aber das Programm wird (der Einschaltquoten wegen) auf eine (existente?) Mehrheit abgestimmt? Das kann’s doch wohl nicht sein… Wo bleiben die Sendungen, die die Fans dunklerer oder extremerer Musik ansprechen? Wo ist das Format für den professionellen oder hobbymäßigen Technik-Freunden, als Alternative zur Inflation an gesichtslosen Fernseh-Köchen? Wo sind wieder einmal bessere Comedy-Sendungen wie SketchUp (mögen sie in Frieden ruhen), die hinausreichen über pures Standup-Geblödel?

Ach, was soll’s… Ich schalte lieber aus.