into the twilight

Müde ist er geworden, nach all den Jahren, irgendwo zwischen den Welten und der Leere, zwischen friedlichen Gefilden und Orten so kalt, so qualvoll, daß die Bilder reichen würden, die Albträume von Generationen bis ans Ende aller Zeit zu füllen.

Zeit, innezuhalten… nur wo? Die Stadt ist nicht besser als alle anderen, an jenen grellen, sonnigen Nachmittagen, an denen Myriaden von Lebenden ziel- und orientierungslos durch die Straßen taumeln, verloren inmitten all der sterilen Künstlichkeit, ihrer Menschlichkeit längst beraubt, leere Hüllen mit leeren Augen auf ihrem steinigen Weg durch Raum und Zeit angefüllt mit Nichts, das aus den Fenstern, von den Plakaten, aus den Lautsprechern schreit, ohne Umweg über Ohren und Augen direkt in den Kopf dringt, jede Einsicht in, nun, irgendetwas im Keime abtötet. Die Luft schmeckt nach Benzin und billigem Deo, das kahle Geäst knochiger Bäume wirft kaum Schatten auf eine morbide Szenerie, in der die wandelnden Lebenden weniger sind als nur ersetzbare Zahnräder… Er wendet sich ab, kämpft gegen das aufsteigende Grausen an. Gerade an diesem Ort gestrandet zu sein. Ein leiser Fluch auf seinen Lippen. Wohin nur?

Unregelmäßig, wie in großer Eile zusammengefügt, erstreckt sich die steinerne Mauer entlang der Straße, und, voranschreitend unter der glühenden Sonne, die Sinne geblendet vom Dunst heißen Teers und dem stickigen Atem der Stadt, beschäftigt ihn die Frage, was wohl dahinter sein könnte… Das schwere Eisentor, weit ab von den belebten, hektischen Plätzen, hat die Zeit mit einer dicken, krustigen Patina überzogen, und doch gleiten die Scharniere wie am ersten Tag. Dahinter… Stille. Schwarz, gewaltig, unheimlich zeichnet sich das Gebäude gegen den dunstigen Himmel ab, dringen gedämpfte Stimmen, leise Schreie, Weinen, ein fernes Lachen an sein Ohr. Vor den abgewetzten Treppen zum Portal sitzt Kali in einem weiten, flachen Becken, dicke Kerzen auf den Schädeln in ihren Händen. Für einen Moment… die Illusion eines dunklen, rötlichen Schimmers im Wasser, das sich aus ihrem Mund, ihren Augen, ihrer Nase über ihre in Zeit und Witterung rauh, hart, schwarz gewordene Gestalt ergießt, um schließlich nach unten zu stürzen, in tausend kleinen Tropfen einzutauchen, eins zu werden…

Die Tür öffnet sich, unendlich langsam, wie von Geisterhand, als er die letzten Stufen hinter sich läßt. Er hält seine Tasche fester… und hört die Schwelle unter seinen Füßen knirschen, Schritt für Schritt in das Dunkel hinter der alten, hohen Fassade, in der die Wasserspeier schaurige Geschichten aus dunklen Tagen erzählen…

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