Un-Sicherheit

Kryptographie-Ikone Bruce Schneier nimmt in einem äußerst lesenswerten Interview für ‘Technology Review’ die Sicherheitsmaßnahmen auseinander, die vorrangig an Flughäfen vorangetrieben werden und, in Reaktion auf London und New York, den Terroristen das Leben schwerer machen sollen. Bemerkens- und unterschreibenswert finde ich eigentlich den Schluß-Absatz:


Stellen Sie sich eine Sekunde lang vor, den britischen Verdächtigen wäre es gelungen, zehn Flugzeuge in die Luft zu sprengen. Danach gäbe es ein Chaos auf den Flughäfen, Verbote von Handgepäck und Politiker, die ein hartes Durchgreifen fordern. Das ist exakt das gleiche, was wir jetzt erleben. Je mehr wir uns von solchen Terrorszenarien terrorisieren lassen, desto mehr spielen wir Terroristen in die Hände.

Und wenn wir es dann auch noch zulassen, dass wir deshalb unsere Freiheiten und Grundrechte aufgeben müssen, gewinnen die Terroristen sogar, wenn sie vor dem Anschlag geschnappt werden. Im Umkehrschluss gilt: Lassen wir uns nicht terrorisieren, verlieren die Terroristen selbst dann, wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

In der Tat. Eigentlich Pflichtlektüre, die sich gewisse Vertreter von Gesetzgebungen, die weitreichende Überwachung im Namen der “Sicherheit” propagieren sollen, schon früh vor den Rasierspiegel hängen sollten.

Nachträge dazu: Auf tagesschau.de findet sich ein Interview mit padeluun vom FoeBud zum Thema, in gewohnt kompetentem Stil. Für Telepolis schreibt Florian Rötzer über “Terror und Panik”, und der Deutschlandfunk bietet dem Leser / Hörer ein Interview mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, der bei eher moderater Kritik nichtsdestotrotz vor der drohenden und, betrachtet man gegenwärtige Forderungen des Bundesinnenministers, leider zu erwartenden Totalüberwachung warnt.

Ein Kommentar

  1. Im Grunde geb ich den genannten Rednern recht, doch sie alle weichen (so kommt es mir vor) einem Argument immer wieder aus: Der “Bombenleger von Kölln”, der jugendliche der Unlängst eine Frau vor eine S- Bahn schubste usw…. sie alle hätten sich ohne Kamera der Justiz entziehen können. Ist es also der Weg, für unsere Freiheit “ein paar Halunken laufen zu lassen”? Und wo ziehen wir die Grenze bei diesem Kompromiss?
    Zur Fußball WM mußten viele “Krawallmacher” daheim bleiben, weil sie im Vorfeld von Videokameras im STadion bei fragwürdigen Aktionen beobachtet wurden. Gut, DIESE Aktionen wurden nicht verhindert, doch aber evtl. folgende. Alles schlecht?
    Schwieriges Thema… werde ich jemals wieder in der Straßenbahn zufrieden dort kratzen können, wo’s grad juckt? Im Moment is dem nich so…vlt. muß ich mich nur an die Kameras gewöhnen :-/

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