Zynismus per Vorkasse

Entwicklungshilfe war gestern: FlexGo nennt sich das neueste Kind der Microsoft-Produktfamilie, eine weitere von vielen Ideen, gleichermaßen Computer in jenen Teilen der Welt zu etablieren, die wir gern als “Entwicklungsländer” bezeichnen, und zudem noch ein wenig mehr Geld in die Konzernkassen zu spülen, direkt aus den Taschen jener, die ohnehin noch weniger davon haben als der durchschnittliche westliche “Werktätige”.

Wie hieß es doch so schön: “Gibst du einem Mann einen Fisch, nährt er sich einmal. Lehrst du ihn das Fischen, nährt er sich sein ganzes Leben.” Andererseits: Warum jemandem das Fischen beibringen, wenn es eher in unserem Interesse ist, ihm auf Lebzeit die Fische, die er selbst angeln könnte, teuer zu verkaufen, ist er erst einmal auf den Geschmack gekommen. Hier ist die Situation noch besser, hier ist es nicht einmal erforderlich, irgendwelche Fische zu verschenken – dank der Prepaid-Technologie züchten wir willige Konsumenten, abhängig vom Treiben und der Gnade westlicher Konzerne, denen wir vielleicht über geeignete Nutzungsbedingungen des Dienstes diktieren können, was sie mit der Technologie tun und was sie besser lassen sollten. Und ich dachte, angesichts von Hunger, Bürgerkriegen, Kindersterblichkeit und AIDS wäre schon der 100-Dollar-Laptop der Gipfel des Zynismus…

5 thoughts on “Zynismus per Vorkasse”

  1. Warum um alles in der Welt soll ein 100 Dollar-Laptop zynisch sein? Und eine Art Kreditvergabe in Form von Senkung des Anschaffungspreises und dem anschließenden Abstottern des Restes bis hin zum Übergehen ins Eigentum ist doch keine schlechte Sache.

    Ich meine, was erwartest du? Das Konzerne ihre Produkte verschenken?

    Wenn dir sowas nicht gefällt, kannst du ja einen Spendenfonds einrichten und damit anschließend Laptops beschaffen. Bin dann mal gespannt wie du versuchen würdest, das gerecht zu verteilen.

    Mal ehrlich, in einem 100 Euro Laptop steckt doch schon kein Gewinn mehr drin. Was also soll daran zynisch sein?

    Manchmal versteh ich dich echt nicht.

  2. Im 100-Euro – Laptop sicher nicht – zynisch ist hier aus meiner Sicht eigentlich eher die Tatsache, daß in den “Ziel-Ländern” für dieses Projekt unter Umständen andere Dinge Priorität haben sollten, wenn wir über Entwicklungshilfe reden – Medizin? Ernährung? solide Schulbildung?

    Was FlexGo betrifft: Es ist nicht davon auszugehen, daß dieses Projekt ohne Gewinnabsicht vorangetrieben wird (was im Grunde ja auch legitim ist). Was läuft dann aber auf den Kisten? XP? Vielleicht sogar Vista? Dann brauch’ ich mir auch keine Gedanken darüber zu machen, warum man davon ausgeht, daß die Anschaffung von Computer-Hardware in den bewußten Ländern so teuer ist. Vielleicht wäre ein Hardware-Spendenfonds ansonsten gar keine so schlechte Idee – was hierzulande an noch funktionierender PC-Technik entsorgt wird, ist beeindruckend, und mit Ubuntu / Debian / whatever bestückt könnte man damit ganze Landstriche mit EDV quasi zum Nulltarif versorgen (oder aber vermutlich deutlich kostengünstiger als FlexGo). Für Schulen etc. gibt’s dann Multi-Seat – Systeme – voila. 😉

  3. Multi-Seat – Systeme: 🙂 Feine Sache. Und was die Hardware und XP respektive Vista angeht, hast du Recht. Nur irgendwie macht’s keiner (das mit der Hardwaresammlung und -spende meine ich).

    Vielleicht sollte man ja wirklich mal eine Initiative starten… Und das meine ich mal ausnahmsweise nicht im Spaß.

    *grübel*

  4. Warum sollte in Hardware funktionieren, was mit viel weicheren Produkten schon nicht klappt. Wer mal paar Euros ins Kino tragen möchte, für’n Verdammt mulmiges Bauchgefühl, dem sei http://www.we-feed-the-world.at/ empfohlen. Wir IMPORTIEREN Lebensmittel aus Ländern in denen Leute VERHUNGERN, und schmeißen selbige Lebensmittel hier dann weg, in Größenordnungen die nicht feierlich sind… Da wäre ein FoodFond deutlich angebrachter als ein Hardware Fond…aber selbst daran scheiterts. (Von der Versorgung mit Medikamenten reden wir ein anderes mal).

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