Web-Standards und “Accessibility”

Im Vergleich zwischen den westlichen Industrienationen und den sogenannten “Entwicklungsländern” wird gern von der “digitalen Kluft” gesprochen, um darauf hinzuweisen, daß die Ärmsten der Armen etwa in Afrika oder in Südamerika den Anschluß an die in Europa, Nordamerika und Japan wachsende (wuchernde?) Informationsgesellschaft zu verpassen. Daß es die “digitale Kluft”, die digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft auch in diesen Hochburgen der Technologie gibt, berichtete gestern Markus Beckedahl auf netzpolitik.org und bereits Ende November das englischsprachige Online-Magazin the Register. Essenz: Die Websites von europäischen Regierungseinrichtungen und Behörden sind etwa für Menschen mit Sehbehinderung oder gar jene, für die die Nutzung dieser Medien nur etwa über Braille-Terminals oder Screen-Reader möglich ist, größtenteils unbrauchbar. Schlecht angelegte Navigation, unsauber erzeugtes HTML und insgesamt laxer Umgang mit Standards und Konventionen des Internet sorgen dafür, daß laut der von netzpolitik.org zitierten Studie gleich 97(!!!) Prozent der Websites öffentlicher Behörden für Menschen mit Behinderungen nicht nutzbar sind. Gleichermaßen, wie ich meine, ein Armutszeugnis für das “technisierte” Europa und ein weiteres Beispiel für die Nachlässigkeit, mit der im Zeitalter von “Made-for-MSIE-at-1024x768x24bit-color” – Web-Design viele Entwickler von Websites mit dem Medium umgehen. Über den exzessiven Einsatz von Flash für komplette Websites, Image-Maps und ähnliche Perversionen sprechen wir da noch gar nicht…