Frankreich: Diktatur der Industrie

Ohne weitergehende Kommentare, da schon andernorts auf dieser Site dokumentiert, dafür aber jetzt nochmal auf Deutsch: heise.de, pro-linux.de und quintessenz.at berichten über die unsäglichen Bestrebungen in unserem Nachbarland, Freie Software und insgesamt OpenSource-Entwicklung zu illegalisieren aus der Furcht heraus, Nutzer könnten durch freie Wahl von Anwendungen oder vielleicht sogar Eigenentwicklungen in die Lage versetzt werden, DRM-Knebeltechnologien der großen Medienkonzerne zu umgehen. Die Kurzsichtigkeit, mit der dabei freie Software und selbst ein Kulturgut wie das Internet (das Gros von Protokollen wie HTTP und FTP würden dieser neuen Gesetzgebung ebenso widersprechen) weitreichend aufs Spiel gesetzt wird, ist genauso irritierend wie die Verflechtungen zwischen Politik und Groß-Industrie (forcierende Kraft hinter dieser Gesetzesgebung, ebenso wie der europaweiten IPRED(2)-Direktive ist eine gewisse Madame Janelly Fourtou, gleichermaßen Europa-Parlamentarierin und Gattin von Jean-Rene Fourtou, seines Zeichens Chef des Medien-Imperiums Vivendi Universal).

Fazit: Einmal mehr eine Sternstunde der “Bananenrepublik Europa”. Warum wundern sich eigentlich alle, daß die Franzosen gegen die europäische Verfassung gestimmt haben? Oder wollen wir solche Verhältnisse wirklich langfristig zementieren? Europa ist tot, ermordet von Politikern wie Mme. Fourtou unter schweigender Duldung der großen Mehrheit, die die Folgen derartig unverantwortlichen Handelns wohl erst spüren wird, wenn sie längst irreversibel sind.

Nachtrag: Mittlerweile gibt’s dazu mehr auch auf netzpolitik.org, golem.de und dirkmeister.de. Insgesamt kann man eigentlich nur versuchen, mit diesem ganzen Schwachsinn Menschen zu erreichen, Menschen dafür zu mobilisieren, sich nicht ihre Freiheiten wegnehmen zu lassen von eindeutig motivierten Geschäftemachern und ihren Handlangern in der Politik, die eigentlich ihre Wähler vertreten sollten.

Nachtrag 2: Mittlerweile (datiert heute) läßt eucd.info verlautbaren (google-übersetzt, da mein Französisch überschaubar ist):

Gestern Morgen hat die Konferenz der Präsidenten die Daten der Prüfung des Gesetzesentwurfs durch die nationale Versammlung vom 20. und 21. Dezember 2005 festgesetzt, wie in der Seite der gesetzgebenden Akte angegeben. Die Initiative EUCD. INFO ist in dabei, Vertreter und ihre Ansprechpartner an der Regierung zu kontaktieren, um ihnen die Tatsache mitzuteilen, daß es von nun an etwa 25.000 spezielle sind mehr als 220 Assoziationen und Kollektiva und etwa 70 Unternehmen darunter Gandi, Linagora Mandriva, Open Wide, Sun Microsystems… – die den Widerruf des Gesetzesentwurfs der parlamentarischen Tagesordnung verlangen und die Anträge der Initiative EUCD. INFO. unterstützen wir Sie ermutigen zu machen ebenso. Es ist ebenfalls von vorrangiger Bedeutung, daß die Petition weitersteigt, wie sie es seit 5 Tagen macht, damit der Druck auf die Regierung gleichermaßen wächst.

Apropos DRM: Parallel dazu zeigt sich, welche Folgen in großem Stil betriebenes Digital Rights Management für die Nutzer von Medien und Computern nach sich zieht: Schlampig entwickelte Software, triviale Fehler und die Kompromittierung persönlicher Daten von Tausenden von (gutgläubigen) Nutzern, denen das technische Verständnis fehlt, um derartige Mängel selbst zu erkennen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Eigentlich kann man die ganze Bande nur boykottieren…

2 Kommentare

  1. “Was tun?”, sprach Zeugs..

    Die Verhältnisse in Frankreich sind besorgniserregend. Aber schon das Verhalten unserer Politiker bei der Abstimmung zu den Softwarepatenten im Landwirtschaftsrat zeigt uns doch ein deutliches und klares Bild.

    Einzig, wir wollen es nicht wahr haben und verstecken uns davor. Orwells 1984 ist längst Realität geworden. Werden als nächstes die grossen Megakonzerne die Extraterritorialität beantragen, damit sich auch Neuromancer bewahrheitet?

    [In der Tat. Das Problem ist halt, daß sich viel zu wenig Menschen für Dinge dieser Art interessieren, und daß solche Geschehnisse – die SWPAT-Richtliniendiskussion spricht dort ja Bände – auch nahezu außerhalb aller Öffentlichkeit geschehen. Berichterstattung in Medien, die große Menschenmassen erreichen, braucht man dort nicht zu erwarten (wie übrigens erstaunlicherweise bei fast allem, was europäische Politik ist). Die Problematik der biometrieverseuchten neuen Reisepässe in (D) wurde ja auch erst dann in einer größeren Öffentlichkeit außerhalb der Datenschützer und interessierten Aktivisten wahrgenommen, als klar wurde, daß die Sache Geld kosten würde… -kawazu]

  2. Pingback: Mein Parteibuch

Kommentare sind geschlossen.