Ballast der Republik

Als Freund moderner Architektur und zudem Verfechter der Idee, daß ein jedes Bauwerk in seinem gegenwärtigen Zustand eine zeitliche Epoche, ein Stück Geschichte, ein Stück Kultur repräsentiert, bin ich immer irritiert zu sehen, wie mit bestimmten Gebäuden in unserer Zeit umgegangen wird. Auf der einen Seite wird Zeit und Geld investiert, um Bauwerke (etwa das hochbarocke Altstadt-Ensemble in Dresden) als Zeitzeugen zu erhalten, zu restaurieren und noch vielen Generationen zugänglich zu machen…

Auf der anderen Seite gibt es Orte wie den Palast der Republik in Berlin, trotz seiner politischen Vergangenheit ein Gebäude, welches als Teil der Geschichte, als Denk- und Mahnmal, aber auch in seiner Einmaligkeit als ein Stück Architekturgeschichte per se auch erst einmal erhaltens- und schützenswert scheint. An diesem Punkt scheint aber ganz offensichtlich der Schutz von Baudenkmälern, die Konservierung von kulturellen Gütern ihr Ende zu finden: Der Palast soll, spätestens beginnend Ende 2005, abgerissen werden, um das zu Ende des zweiten Weltkrieges zerbombte und danach zu DDR-Zeiten gesprengte Berliner Stadtschloß wieder aufzubauen.

Daß Geschichte fast immer durch eine von der gegenwärtigen Politik gefärbte Brille betrachtet wird, ist wohl schwer vermeidbar. Daß aber hier ein fragwürdiger Akt (die Sprengung des Stadtschlosses) durch einen weiteren, nicht minder fragwürdigen Akt (den Abriß des Palastes der Republik) “geheilt”, die an diesem Ort zerstörte Vergangenheit künstlich wiederaufgebaut werden soll, entbehrt sowohl wirtschaftlich (in Zeiten allgemein klammer Kassen) als auch historisch (schließlich und endlich ist auch der Palast und ‘seine’ Geschichte Teil der deutschen, der europäischen Geschichte) jeglicher Sinnhaltigkeit. Politischer ‘Revisionismus’? Geschichtsnachbesserumg im Stile des Ministeriums für Wahrheit? Oder wirklich einfach nur kulturelle Kurzsichtigkeit, die man in ein, zwei Jahrzehnten bereuen dürfte? Auf jeden Fall hoffe ich immer noch, daß der Palast der Republik zumindest als Baudenkmal, vielleicht auch als potentielles Zentrum für neue, moderne Kunst und Kultur noch zu retten ist. Ich bin kein Freund der teilweise im Ost-Teil des Landes aufkeimenden “früher-war-alles-besser” – Mentalität und halte auch nichts von Ostalgie. Aber die Welt, dieses Land braucht lebendige, zeitgenössische Kultur dringender als Schlösser aus der Retorte. Zudem halte ich es für wichtig, architektonische Kulturgüter aus jeder Zeit zu schützen und zu erhalten, ungeachtet der politischen Sichtweise auf die Zeit, die sie repräsentieren. Für alle, die’s genauso oder ähnlich sehen: PalastBündnis

(gefunden auf und angeregt durch schockwellenreiter.de und den Verweis auf dieses Interview)

Nachtrag: Interessant dazu auch http://www.palastretter.de/manifest.htm.

2 Kommentare

  1. Hallo, in Dresden wurde kein Geld investiert, um ein “hochbarocke(s) Altstadt-Ensemble in Dresden als Zeitzeugen zu erhalten”, sondern es wird mit viel Geld ein modernes, aus Stahlbeton bestehendes Ensemble gebaut, dem eine barocke Fassade vorgeklebt wird.

  2. Die Bemerkung zielt vermutlich auf Schloß und Quartier Frauenkirche ab, oder? Da kann man dem eigentlich nur zustimmen, obwohl man zugute halten muß, daß Zwinger, Hofkirche et al ja noch existent sind und halbwegs instandgehalten werden…

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