Politiker, Internet und Kühe

Noch einmal Internet und Politik, weil es aus meiner Sicht den gern zitierten Nagel auf den Kopf trifft: heise.de verweist auf einen Kommentar auf abgeordnetenwatch.de, in dem der spätestens seit voriger Woche deutschlandweit bekannte ehemalige SPD-Parlamentarier Jörg Tauss das Verhältnis von Parlamentariern und “neuer Technologie” wie folgt zusammenfaßt:


Kein (SPD-) MdB kaeme z.B. auf die Idee, zum Gespraech auf einen Bauernhof zu fahren, ohne sich vorher etwas ueber die Milchquote oder dergl. anzulesen oder wenigstens aufschreiben zu lassen. Unter “Internet” koennen sich aber eben viele immer noch weniger vorstellen als unter einer Kuh.

Ein Kollege hat mir jetzt tatsaechlich geschrieben, er verstehe mich ueberhaupt nicht, wegen “dem bisschen Freiheit” im Internet die SPD verlassen zu koennen. Dieses Zitat belegt, wie weit die handelnde gesetzgeberische Generation tatsaechlich vom Problem weg ist und keinerlei Sensibilitaet dafuer entwickelt hat, was der systematische technische Aufbau von Zensurinfrastruktur fuer einen freien Staat tatsaechlich bedeuten kann oder bedeutet.

Uneingeschränkt lesenswert. Und ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, der Piratenpartei einen Aufnahmeantrag zu schicken: Zwar ist davon auszugehen, daß ebendiese, als “Spezialpartei” mit (sehr engem?) Fokus auf einem konkreten Themenbereich, unter Umständen zu anderen akuten Problemen und Themen keine plausiblen Ansätze zu bieten vermag, aber andererseits: Wie kann es angehen, daß im “Land der Ideen”, welches sich immer wieder gern als “innovationsfreundlich” und “technisch fortschrittlich” präsentiert und gibt, politische Entscheidungen derart (fachlich) unvorbereitet getroffen werden? Wie mag das in anderen Bereichen aussehen, die inhaltlich nicht minder speziell sind (etwa Gen- oder Nanotechnologie, …)? Vielleicht ist der Weg der “fachlich sattelfesten Spezialpartei” doch nicht so falsch.

Abendlektüre: “Bedingungsloses Grundeinkommen”

Per Newsletter gesehen: Auf unternimm-die-zukunft.de gibt es eine knappe Einführung in die Idee des ‘bedingungslosen Grundeinkommens’ (PDF) in Zusammenfassung des Buches zu ebendiesem Thema von Prof. Götz Werner. Halte ich insgesamt, da kurz und präzise, für lesens-, kennens- und verbreitenswert. Und, abgesehen von meiner (in verschiedenen Motiven begründeten) Begeisterung für die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens: Wenn ich mir Initiativen wie ‘Zukunftsmusiker’, ‘Sei ein Futurist’ oder auch nur die Philosophie hinter Werners Unternehmenskette ‘dm Markt’ ansehe, dann drängt sich die Erkenntnis auf: Es geht anders. Wirtschaftlicher Erfolg auf der einen und Nachhaltigkeit, soziales Engagement und die Investition in bzw. das Vorantreiben von neuen gesellschaftlichen Ideen und Konzepten jenseits purer Zementierung des Status Quo ist möglich. Und das halte ich für uneingeschränkt unterstützenswert.

“Wir zahlen doch nicht Eure Krise!”

Eine “alternative” Sichtweise auf die gegenwärtige wirtschaftliche Krise:


Wir wollen, dass die Verursacher der Krise zur Kasse gebeten werden. Das globale private Geldvermögen hat im Jahr 2007 die Summe von 105 Billionen Dollar erreicht und ist in acht Jahren um 50 % angestiegen. Das ist das Ergebnis einer massiven Umverteilung von Unten nach Oben, von Süd nach Nord, von den BezieherInnen von Lohn- (Ersatz-)einkommen zu den Kapital- und Vermögensbesitzern. Den Banken und Fonds war kaum ein Risiko zu groß im Kampf um die höchsten Renditen. Etwa ein Tausendstel der Weltbevölkerung hat davon besonders profitiert. Die Milliarden, die jetzt zur Sanierung des Finanzsektors ausgegeben werden, dürfen nicht auf Kosten der großen Mehrheit gehen. Wir werden nicht hinnehmen, dass Beschäftigte, Erwerbslose, RentnerInnen, SchülerInnen oder Studierende die Zeche zahlen! Genauso wenig darf die Krise auf die Länder des Südens oder die Umwelt abgewälzt werden.

… gefunden bei www.28maerz.de, einer Initiative von attac, verschiedenen Gewerkschaften und einer beeindruckend langen Liste sonstiger (Nichtregierungs-)Organisationen. Vermutlich nicht nur für all jene interessant, die sich, angesichts immer beeindruckenderer Rettungspakete, angesichts immer größerer tatsächlicher oder diskutierter staatlicher Bürgschaften für Großunternehmen (wer hilft eigentlich dem KMU von nebenan in wirtschaftlichen Schieflagen?), angesichts der augenscheinlich überall naheliegenden Ansätze, in Größenordnungen (Steuer-)Gelder von Morgen und Übermorgen in marode Banken zu investieren, ohne daß sich das System wirklich ändert, zunehmend die Frage stellen, wieso, nach Jahren der Gewinne in der Privatwirtschaft, nunmehr die Verluste des gesamten Systems “sozialisiert”, auf alle verteilt werden sollen… Es wäre schön, ein alternatives Patentrezept zur Hand zu haben, um die Krise nach Möglichkeit mit minimalen Verlusten seitens der Masse der Bevölkerung zu kompensieren; der gegenwärtige Weg indes scheint mehr als diskutabel.

Windows Vista vs. Ubuntu GNU/Linux 8.10: a surprising winner?

Something worth reading on crn.com, a news site mainly focused on providing system and tech resellers with product and company newsflashes: On a three-page article there’s a fairly verbose comparison of Windows Vista to Ubuntu GNU/Linux 8.10, focusing on various aspects including system security, software and vendor support, application availability or (unavoidable, it seems…) installation, and in the end the paper comes to a “bottom line” which seems surprising in some ways:

[…]
Ubuntu 8.10 Desktop Edition easily ranks higher than any other Linux desktop OS we’ve looked at in the Test Center. Head to head, Ubuntu simply beats Vista on so many important points that Windows is no longer the simple, reflexive default. We’re calling this one for Ubuntu, plain and simple, because it’s a beautifully done operating system, it functions as advertised, it’s easier on the client side to get up and running and it costs less. Application support is still a big deal working against it.
[…]
One point to remember is that the Test Center doesn’t dislike Windows Vista. It works fine (with enough CPU strength and 4 GB of memory installed). It just works less fine than Ubuntu 8.10.
[…]

Windows no longer being the simple, reflexive default? No matter whether 2009 will be the year of widespread GNU/Linux desktop adoption (or even domination), it seems this is a pretty good starting point after all…

c’t-“Digitale Fotografie”: Lesestoff für Gimp-Freunde

Für all jene, die noch nicht wissen, mit welcher Lektüre sie das Wochenende zubringen mögen: Das dieser Tage veröffentlichte c’t special 01/2009: Digitale Fotografie begrüßt den Leser mit der mutigen Schlagzeile “GIMP statt Photoshop”, und ein Blick in das Heft bzw. auf die DVD beweist: Die These ist Programm. Neben einigen anderen (für mich) mehr oder weniger interessanten Themen (den Artikel über Kunst mit Handy-Fotos finde ich nach wie vor allerdings genial) widmet sich das Magazin in erfreulich großem Umfang verschiedenen Aspekten der Bildbe- und -verarbeitung mit dem GIMP, wobei die Artikel (fast?) durchweg aus der Feder von Bettina K. Lechner stammen, die es auch schon zu mehreren herausragenden Buch- und Videoveröffentlichung zu dieser Software gebracht hat. Und für all jene, die die Artikel eher ungern lesen wollen, bietet die DVD, die dem Heft beiliegt, noch zwei mehrstündige Video-Tutorials für “Einsteiger” bzw. “Fortgeschrittene”. Für Gimp-Einsteiger und -nutzer eine durchaus lohnende Investition…