Faule Passivität…

… sorgt offensichtlich nach wie vor, daß große Teile der deutschen Bevölkerung Berieselung durch das (gefühlt?) immer schlechter werdende Fernsehprogramm dem Internet (oder auch einem guten Buch) vorziehen:


Unter den Menschen im Alter ab 55 Jahren sind 83 Prozent “Netz-Muffel” und “PC-Verweigerer”, teilt die Stiftung weiter mit. Ihr wissenschaftlicher Leiter Professor Horst W. Opaschowski erläutert: “Privat liegen die meisten Bundesbürger lieber vor dem Fernseher auf der faulen Haut. Alles braucht seine Zeit – die Zukunft der Informationsgesellschaft auch: Die euphorische Prognose der Medienbranche ‘Web frisst Fernsehen’ kann weiterhin auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.”

Den vollen Text gibt’s bei heise.de. Ist ja eigentlich, hinsichtlich der Freizeitgestaltung, nicht wirklich tragisch. Traurig nur: Solange das bewußte “Web-frißt-Fernsehen” noch auf sich warten läßt, wird es vermutlich auch so bleiben, daß Internet-Nutzer nicht wirklich eine gesellschaftlich interessante Zielgruppe sind, und daß vor allem auch die “klassische Dominanz” passiver Medien in der Meinungsbildung im Lande nicht in Frage gestellt werden wird…

Onlinedurchsuchung de-facto “abgenickt”…

Man lese heise.de:


Der Innenausschuss des Bundestags hat den umkämpften Entwurf für die Novelle des Gesetzes für das Bundeskriminalamt (BKA) am heutigen Montag mit den Stimmen der großen Koalition abgesegnet. Gegen das Votum der Opposition befürworteten Union und SPD dabei die Änderungen, auf die sich die Verhandlungsführer aus den eigenen Reihen vergangene Woche geeinigt hatten. Die in das Vorhaben integrierte Lizenz für das BKA zu heimlichen Online-Durchsuchungen wird so zunächst bis 2020 für einen langen Probelauf festgeschrieben.

Im Deutschlandfunk gab’s am gestrigen Abend einen relativ umfassenden Beitrag zum Thema, in dem die üblichen Pro- und Opponenten (u.a. die Herren Schäuble, Bosbach, Wiefelspütz sowie Peter Schaar) zu Wort kamen, die übliche Argumentation vortrugen, ihre Standpunkte erneut klar machten. Daß es verschiedene Meinungen gibt, sei dahingestellt, und daß das Bestreben einer Regierung, “Sicherheit” für die Bevölkerung gewährleisten zu wollen, legitim und im Interesse der Menschen ist, kann man wohl auch nicht ernsthaft in Frage stellen. Was mich eigentlich immer wieder irritiert: Im politischen Kontext diskutieren hier vorrangig Juristen und artverwandte Fachexperten über Themengebiete, die eben nicht nur eine juristische Komponente haben. Was ist mit dem allgemeinen Verlust des Vertrauens in technische Medien, wenn diese per se durch einen Staat überwachbar sind, ungeachtet der Frage, ob dies im Einzelfall tatsächlich getan wird? Wie verhält es sich mit berechtigter Angst der Menschen vor solchen Werkzeugen, die sich eben nicht mit juristisch-rechtlichen Beruhigungsversuchen beruhigen läßt (und der eben auch nicht durch politische Rhetorik in völligem Unverständnis ebendieser Angst beizukommen ist)? Wer von den betroffenen Fachbereichen (außer den Juristen und den Vertretern der Strafverfolgungsbehörden) hat tatsächlich hier Technikfolgenabschätzung betrieben und festgestellt, daß/ob dieser Eingriff im Ergebnis gerechtfertigt, effektiv, für eine freiheitliche Gesellschaft so hinnehmbar ist? Ich hoffe inständig, daß in diesem Falle die Verfassungsklage des wohl einzigen deutschen Politikers, der noch nicht rest- und kritiklos der Überwachungsrhetorik verfallen ist, Erfolg hat und das Dokument in seinem derzeitigen Stadium dorthin zurückschickt, wo es hingehört: In Parlament und Öffentlichkeit zu einer kontroversen Diskussion und zur Findung eines tatsächlichen Kompromisses zwischen allen Betroffenen und nicht nur eines fragwürdigen Konsens innerhalb der großen Koalition. Es wäre zu wünschen, daß die Entscheidungsfindung in der “politischen Parallelgesellschaft” hier wieder etwas näher an die Menschen herangerückt wird…

Kommissar for Präsident!

Etwas eigenartig mutete es schon an, was nach Gerüchten nunmehr zur Nachricht wurde: die Linke wird Peter Sodann als Kandidaten für die nächste Wahl zum Amt des Bundespräsidenten im März 2009 ins Rennen schicken. Nun kann man trefflich darüber diskutieren, ob und wie ein ehemaliger Schauspieler / TV-Kommissar für dieses höchste Staats-Amt eignet – Chancen wird er vermutlich eingedenk der Mehrheitenverteilung in der Bundesversammlung vermutlich ohnehin keine haben. Nichtsdestotrotz fallen zwei Dinge auf:

Zum einen: Daß Argument politischer Unerfahrenheit mag sicher nicht von der Hand zu weisen sein, muß aber auch nicht notwendigerweise ein Nachteil sein, da sich der Bundespräsident de facto ohnehin nicht allzu sehr in die “Tagespolitik” einmischen soll. Darüber hinaus ist zu vermuten, daß Sodann, der auch zu DDR-Zeiten in Folge ‘staatsfeindlicher Hetze’ aus politischen Gründen inhaftiert war, nicht notwendigerweise zu der Art politischer Verklärtheit gegenüber dem DDR-Regime neigt, die der Linkspartei im Allgemeinen und ihren Wählern im Osten des Landes im Speziellen gern vorgeworfen wird (siehe Portrait auf sueddeutsche.de):


Er lernte Werkzeugmacher, studierte Theater, und als er sich mit seinem Studentenkabarett über den Mauerbau mokierte, landete er für neun Monate im Gefängnis. Später stellte sich heraus, dass 80 Stasi-Spitzel ihn belauerten. Das hielt ihn nicht davon ab, einem von ihnen die Totenrede zu halten.

Zum anderen zeigt sich Sodann im Interview mit dem Deutschlandfunk als Mensch mit differenzierenderen Gedanken und Ideen, die man sich im politischen Alltag doch gelegentlich wünschen würde:

[…]
Schütte: Das heißt, sind Sie Sozialist oder Demokrat?

Sodann: Ich bin ein demokratischer Sozialist, und da hätten wir es wieder. Wieso ist ein Sozialist überhaupt kein Demokrat? Das ist doch eine Fangfrage. Ein Sozialist ist auch schon ein Demokrat. Das muss ich sagen. Und warum ist daran eigentlich was Schlechtes? Das ist eine Idee. Eine Idee kann man verfolgen. Die kann man verfolgen, indem man sie ächtet, oder man kann sie verfolgen, indem man sie liebt. Eine solche Idee liebe ich, dass alle Menschen gleich sind. Ich bin nicht weit weg von der Bibel. Sie wissen, dass ich mich zu DDR-Zeiten noch “betender Kommunist” genannt habe, weil ich mich von den anderen unterscheiden wollte, und da habe ich eben gebetet mit meinem Freund zusammen, Alfred Matusche, der ein großer Dichter war. Und dabei soll es bleiben!
[…]

An sich kann man darauf warten, daß Statements wie diese im üblichen partei-orientierten Gezänke des politischen Betriebes in Deutschland zerlegt werden und das Differenzierende irgendwo zwischen “Schwarz” und “Weiß” herunterfällt, genau so wie man natürlich immer sowohl im Hinblick auf die konkrete Partei als auch auf die diskutierten Inhalte geteilter Meinung sein kann. Aber vielleicht schafft “Präsidentenkandidat Ehrlicher” auf die Weise zumindest in der Tat ein kleines Stück politische Leistung – den einen oder anderen zum Nachdenken zu bringen über Meinungen, Ideen, Gedanken und politische Konzepte. Zu hoffen wär’s…

gimp 2.6: re-armed and reloaded

Congratulations, folks: On October 01, 2008, gimp.org has announced the availability of release 2.6 of the “GNU Image Manipulation Program” aka Gimp”, coming with an interesting list of features including a couple of UI changes (eventually addressing certain complaints about Gimp usability being next to poor – which personally I never really understood so far… :>). Ubuntu 8.04 packages are available at meetthegimp.org, binaries for “that other platform” might be obtained at gimp-win.sourceforge.net. Time to get some tests done, I guess… :)

Diktatur des Eigentums, revisited.

Wie war das nochmal? Weswegen wird es (auf europäischem Boden) wohl die nächste größere Diktatur geben? Weswegen werden Reglements allenorts verschärft, hin zu mehr Überwachung, zu rigiderer Kontrolle, zu weniger Rechten für den Bürger? Weswegen werden Verhandlungen in solchen Themen von ‘”gleichgesinnten” Staaten’ hinter verschlossenen Türen vorangetrieben und nicht dort, wo sie eigentlich stattfinden sollten – unter den wachen Augen der Öffentlichkeit? Weswegen lassen sich auch die Regierungen der europäischen Staaten nicht zweimal bitten, eindeutig Stellung zu beziehen für eine Position, die die Mehrheit ihrer Bürger, umfassend erklärt, mit Sicherheit nicht teilen würde? Richtig: Wegen der Durchsetzung der Rechte an “geistigem Eigentum” (Einzelner). Irritierend.