DRM to face its end?

Surprising: Apple’s Steve Jobs has written a lengthy essay titled “Thoughts On Music”, pondering the options and caveats provided by severely criticized DRM technologies in the Apple iTunes shop and elsewhere where people sell and buy music online. Bottom line: Jobs blames the music industry for forcing shops like iTunes into selling DRM-polluted protected music, and he comes to a bunch of different conclusions to get out of the mess of proprietary DRM technologies that don’t work well together, that don’t work with every player and/or for every customer. Most interesting conclusion is to abolish DRM altogether:


Why would the big four music companies agree to let Apple and others distribute their music without using DRM systems to protect it? The simplest answer is because DRMs haven’t worked, and may never work, to halt music piracy. Though the big four music companies require that all their music sold online be protected with DRMs, these same music companies continue to sell billions of CDs a year which contain completely unprotected music. That’s right! No DRM system was ever developed for the CD, so all the music distributed on CDs can be easily uploaded to the Internet, then (illegally) downloaded and played on any computer or player.

Even though I don’t agree with all he wrote, I guess there indeed is some truth about that. And, then again, I whole-heartedly second his opinion of asking people to work against DRM:


Much of the concern over DRM systems has arisen in European countries. Perhaps those unhappy with the current situation should redirect their energies towards persuading the music companies to sell their music DRM-free.

Yes. So get started. Defective By Design might be a good starting place. How do they usually say? “For whatever it’s worth…”. I am not yet sure how much to grow out of all this, but one thing is for sure: Looking at todays online press at least in Germany, it seems that the article written by Mr Jobs as gained way more echo than any DRM/copyright-related statement so far, and there seems to be a pretty good reason for that: Thanks to the “stylish” iPod, the iPhone and friends, people seem to love Apple. Especially the iPod is amazingly widespread even amongst a “non-geek” audience, amongst those who usually don’t like to deal that much with technical things rather than just using them. Thus, perhaps this is the real value of this paper: Mr Jobs might have brought an essential yet (in mainstream press) drastically underestimated issue to the eyes, thoughts and minds of the same audience he managed to sell his iPod to. Will that do as a “critical mass”?

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Prinzipiell ist die heutige Entscheidung des BGH, nach der sich die seit einiger Zeit durch die Presse geisternde, viel diskutierte und zu Recht viel kritisierte heimliche Online-Durchsuchung von Nutzer-PCs mittels einer ohne Wissen des Anwenders installierten und wirkenden Schadsoftware per gegenwärtigem Recht unzulässig ist, ja ein Grund zur Freude. Indes, der Knackpunkt ist hier “gegenwärtiges Recht”:


Schäuble hatte bereits angekündigt, dass, sollte der BGH die Zulässigkeit von Online-Durchsuchungen aufgrund der gegenwärtigen Rechtslage verneinen, entsprechende Anpassungen an den Gesetzen vorgenommen würden.

Fein. Also weiter in der im letzten Jahrhundert munter herangewachsenen deutschen Tradition, das eigene Volk präventiv zu bespitzeln. Und wenn dabei geltendes Recht mit Füßen getreten wird – dann ändern wir es eben. Schön zu sehen, wie hier die vielzitierten “Terroristen” und die westlichen Politiker Schulter an Schulter gegen sämtliche Werte kämpfen, die unserer Gesellschaftsordnung eigentlich zugrundeliegen sollten. Man lese dazu auch die Stellungnahme des CCC, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.

(siehe auch golem.de, heise.de, zeit online, netzpolitik.org)

Nachtrag: Was zu erwarten war, findet sich in einer aktuellen Pressemitteilung des BMI:


„Aus ermittlungstaktischen Gründen ist es unerlässlich, dass die Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit haben, eine Online-Durchsuchung nach entsprechender richterlicher Anordnung verdeckt durchführen können. Hierdurch können regelmäßig wichtige weitere Ermittlungsansätze gewonnen werden. Durch eine zeitnahe Anpassung der Strafprozessordnung muss eine Rechtsgrundlage für solche Ermittlungsmöglichkeiten geschaffen werden“, sagte Schäuble.

Und ein weiterer schöner Text auf zeit online: “Der Staat als Hacker”, mit der Essenz:

Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus sei diese Möglichkeit für sie unverzichtbar, heißt es. Im Bundesinnenministerium wird schon an der Entwicklung einer Spy-Software gearbeitet. Mithilfe eines Bundestrojaners will das BKA tun, was bislang Hackern und Computer-Kriminellen vorbehalten war.

Erschreckender Klartext, im Grunde genommen: Das BGH-Urteil und sämtliche Entscheidungen, die noch folgen könnten, sind von vornherein Makulatur, weil hier bereits Fakten geschaffen wurden und die Entscheidungsträger bereit scheinen, diese auch gern nachträglich durch Anpassung der Rechtslage zu legitimieren. Das damit einhergehende Verständnis von Gesetzgebung in einer demokratischen Gesellschaftsordnung ist erschreckend.

IT-Gipfel: Wir müssen draußen bleiben!

Nur der Verbreitung wegen: Am 18. Dezember 2006 findet der eher umstrittene nationale IT-Gipfel unter Vorsitz unserer verehrten Frau Bundeskanzlerin statt, der, einmal mehr, ein Konglomerat aus Politik und Wirtschaft zu werden verspricht, bei dem die Zivilgesellschaft und ihre Repräsentanten ausgesperrt unerwünscht übergangen worden sind. Ob dies “absichtlich” oder aus purer Unkenntnis geschehen ist, kann man sicher diskutieren – am gegenwärtigen Zustand ändert dies indes nicht viel.

Wem dieser nicht egal ist, der mag (a) den offenen Brief zum Thema einsehen und signieren und/oder (b) kurz darüber berichten, um die Information an mehr Menschen zu tragen. Bislang hat der Brief knapp über 60 Unterzeichner, was insgesamt etwas dürftig ist, und bis zum 18. Dezember ist es nicht mehr allzu lange hin…

Kohle für Kunst

Via golem bin ich auf Cash For Art aufmerksam geworden, eine Initiative, die mir irgendwie zu denken gibt… Einerseits, und grundlegend: Die Zielrichtung des Manifests halte ich für durchaus lesenswert – im Kern geht es darum, geltendes Urheberrecht und daraus resultierende Systeme der Entlohnung bzw. Beteiligung von Kunstschaffenden an den Umsätzen aus neuen Übertragungs- und Kommunikationsmedien zu beteiligen. So gesehen ist die Forderung nach einer “technologieunabhängigen Vergütungsregelung” durchaus legitim und gerechtfertigt.

Dumm nur: Insgesamt wirkt die Site arg – nun, fragwürdig. Terminologisch bewegt man sich irgendwo in wüster Vermengung von Urheber-, Verwertungsrechten und der Polemik von “geistigem Eigentum als Wirtschaftsmotor”, vermengt verschiedene Dinge zu einem pseudo-homogenen Ganzen – Zitate wie

Ein starkes und zukunftsfähiges Urheberrecht, das die Interessen der geistigen Eigentümer auch in Zukunft optimal schützt, ist deshalb auch eine tragende Säule für die Wirtschaftskraft dieses Landes.

sind zumindest arg diskutabel, die aus den FAQs entnommene Aussage

In den vergangenen Jahren hat sich analog zur Open-Source-Bewegung bei Computerprogrammen eine kleine Schar von Aktivisten gebildet, die eine komplette Abschaffung des Urheberrechts fordert. Kreative Werke wie Musik und Filme, so ihre Forderung, sind ein kulturelles Allgemeingut und müssen für Jedermann frei zur Verfügung stehen.

– also “Open-Source als zwingend kostenlose Software” ist schlichtweg falsch und am Inhalt vorbei. Was hat Urheberrecht mit dem Preis, was hat “free-as-in-free-speech” mit “kommerzieller Verwertung” zu tun? Irgendjemand scheint hier nicht wirklich verstanden zu haben, worum es geht. Wenn der Rest der Site ähnlich kompetent erarbeitet ist… Insgesamt, blickt man sich durch die Liste der Gründer und der Beteiligten der Initiative und liest man im Golem-Artikel über die Agentur hinter der Site, so geistert einem irgendwie das Wort ‘Astroturfing’ durch den Kopf. Hingehen, angucken, nachdenken – alles in allem wäre es bedauerlich, wenn Kreative und Künstler einmal mehr vor den Karren selbsternannter “Interessenvertreter” gespannt würden.

Die Wiederentdeckung der Demokratie

Langsam, aber sicher erwacht auch die deutsche Version des von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ins Leben gerufenen Projektes Campaigns.Wikia zu einem gewissen Leben, und damit eines der aus meiner Sicht interessantesten Vorhaben zwischen Technologie und Politik, das in den letzten Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Die Idee ist relativ einfach und, wie das Leitbild in Gestalt eines offenen Briefs des Gründes an die “politische Blogosphäre” zeigt, in ein paar deutliche Worte zu fassen:

Es ist Zeit, dass Politik intelligenter wird, und dass Demokratie wieder wirklich die Menschen einbezieht. Die Massenmedien sagen Dir, was Du denken sollst, und hindern Dich eher daran, aktiv an Politik teilzunehmen. Es ist Zeit, sich auf Deine Bedürfnisse zu konzentrieren, auf die Dinge, die Dich betreffen, und die Botschaft, die Du vermitteln willst.

Im Zeitalter von Internet, Wikis und Weblogs, in dem nicht zuletzt Projekte wie Wikipedia Bekanntheit jenseits eines einschlägig bekannten Kreises von “interessierten Irren” finden konnten und heute weithin zu dem gehören, von dem zumindest fast jeder Internet-Nutzer irgendwann schon einmal gehört hat, ist der Ansatz damit wohl genauso einfach wie naheliegend: Aktive, partizipatorische Politik in einem System, in dem sich die Menschen mit Themen auseinandersetzen, in denen sich das politische Engagement des Einzelnen nicht mehr darauf beschränken muß, alle vier Jahre einmal ein Kreuzchen zu machen und damit eine weitreichende Entscheidung potentiell mit derselben Vorbereitung und Überlegung zu treffen, mit der er die Jahre dazwischen im Supermarkt Corn-Flakes kauft – nach Verpackung und Werbung. Das Problem des jetzigen Systems zwischen Polemik, Konzeptlosigkeit und griffigen Slogans auf B*LD-Zeitungs-Niveau ist offensichtlich: Parteien betreiben Politik “von oben nach unten”, und die Massenmedien “helfen” den Menschen, zu erkennen, was richtig ist und worauf es ankommt:

Die Rundfunkmedien brachten uns Rundfunkpolitik. Und, lasst uns einfach und unverblümt ehrlich diesbezüglich sein: Rechts oder links, konservativ oder liberal, Rundfunk-Politk ist dumm, dumm, dumm.

Kampagnen sind mittlerweile mehr darauf fixiert, die Fernseh-Aussage passend zu gestalten, das Bild, den Klang, das Auftreten, anstelle sich für die Menschen einzusetzen, dass diese verstehen, welche politischen Themen ihr Leben in welcher Weise beeinflussen, und dass diese sich dafür interessieren.

Es wird Zeit, die Möglichkeiten, die die neuen Technologien bieten, dazu zu nutzen, die Beschränkungen der alten und deren fatale Wirkungen endlich zu beseitigen. Ergo: Mitmachen!