“Spitzelbuben”

Bizarr, gefunden in einem Bericht der Süddeutschen zum Bundesparteitag der CDU:


Der Linkspartei widmete sich Merkel in ihrer Rede mit scharfen Attacken: Noch immer seien die Folgen nicht überwunden, die der Sozialismus über die Ostdeutschen gebracht habe. “Jetzt melden sich manche von denen wieder und wollen uns ihr verschrottetes Modell als neues Traumauto unterjubeln. Wir fallen nicht auf euch herein, ihr Spitzbuben, oder sollte ich besser sagen: ihr Spitzelbuben.”

Ungeachtet meiner Meinung zur Linkspartei und in Sonderheit deren ureigener Vergangenheitsbewältigung: “Spitzelbuben”? Ich bin gespannt, was in den Geschichtsbüchern unseres Landes dereinst stehen wird über das Zustandekommen von heimlichen Online-Durchsuchen von Privat-PCs, der vorbeugenden und verdachtsunabhängigen Speicherung von Kommunikations-Verbindungsdaten oder Nacktscannern zur Personenkontrolle – natürlich streng dem Ziel der Terrorismus-Abwehr folgend geschaffen von einer bürgerlichen Koalition gegen erklärten und umfangreichen Widerstand aus der Mitte der Gesellschaft. “Spitzelbuben”? Wie war das noch mit dem Glashaus?

Doofes Netz!

Hurra, endlich wieder ‘mal etwas für die Rubrik “Bizarres”: “Macht das Internet doof?” ist die Frage, die dieser Tage den Besucher einschlägiger Zeitungs-Kioske von der Titelseite einer prominenten deutschen Zeitschrift anspringt. Nun ja. “Vernetzt, verquatscht, verloren.” Wird wohl so sein. Macht uns eigentlich auch das private Fernsehen dumm, mit seinen alltäglichen Low-Level-Nachmittags-Talkshows? Oder die tägliche Yellow-Press, die interessanterweise auch zuhauf aus demselben Verlagshaus kommt? Oh well…

Gehörschutz

via golem.de: “Stopp bei 100 Dezibel: MP3-Player müssen leiser werden”. Hmmmmmmmmmmmmmm… Manchmal fragt man sich schon… Welches Bild mag man in Brüssel wohl von den Bürgern der EU haben? Unmündige Nullen, eines Aufpassers bedürftig, der ihnen sagt, daß es unklug ist, ein Audio-Abspielgerät dauerhauft zu laut zu betreiben? Vielleicht sollte man aufhören, die eigene Bevölkerung als ein Heer von Dummköpfen zu betrachten, eventuell würden dann verschiedene andere Dinge einfacher werden…

Strafanzeige gegen BSI

Eigentlich wär’s ja lustig, wenn’s nicht so traurig wäre: Das namhafte deutsche IT-Portal tecchannel.de hat Strafanzeige erstattet, ausgerechnet gegen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wegen der Verbreitung von (Sicherheits-)Software, die prinzipiell auch für kriminelle Zwecke genutzt werden kann. Stein des Anstoßes ist einmal mehr der als ‘Hackerparagraph’ bekannt gewordene §202c des Strafgesetzbuches. Dieser wurde im Mai 2007 vom deutschen Bundestag mehr oder weniger “durchgewunken”, wobei man auch hier ob der Tatsachen-Situation vermuten darf, daß einmal mehr Unwissenheit und Desinteresse für die Schaffung einer Rechtssituation gesorgt haben, die eigentlich keinem weiterhilft: Von Anfang an hatten Fach- und Branchenverbände massiv gegen den letztlich verabschiedeten §202c protestiert, weil damit letztlich auch Werkzeuge kriminalisiert werden, die der Systemadministrator in seiner täglichen Arbeit, dem Finden und Schließen von Sicherheitslücken im eigenen Netz massiv und unnötig behindert wird.

Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Aufgabe des BSI ist es, wenig überraschend, IT- Nutzern und -Administratoren bei der Sicherung ihrer eigenen Informations-Infrastruktur zu helfen. Die in der Strafanzeige monierte Software wird auf der Seite des BSI explizit deswegen angeboten, um Nutzern genau in dieser Aufgabenstellung ein Werkzeug zur Prüfung des eigenen Systems an die Hand zu geben. Bleibt zu diskutieren, ob das BSI in dieser Aufgabe in Anbetracht der gegenwärtigen Rechtslage überhaupt noch Sinn hat. Schließlich ist das Internet jetzt ja wieder per Gesetz wieder sicher gemacht worden (womit die Parlamentarier geschafft haben, was Technikern über die Jahre hinweg unmöglich war):

Wenn man sich dann, an anderer Stelle (bei der zum Glück immer noch stattfindenden Diskussion um die verdeckte Online-Durchsuchung), vor Augen führt, mit welchem Sachverstand inhaltlich argumentiert wird, dann wird ganz plötzlich ganz klar, wie solche Entscheidungen zustandekommen – man lese hierzu das Interview mit dem Unions-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag (gefunden bei rabenhorst) in Bezug auf IP-Telefonie:


Und dazu gehört nach Aussage aller Experten auch, dass wir Online-Durchsuchungen machen können. Viele Menschen fragen: Warum ist das notwendig? Immer mehr, übrigens auch Privatleute, nutzen die Möglichkeit, verschlüsselt zu telefonieren über das Internet. Und wir sind dann, die Sicherheitsbehörden sind dann nicht in der Lage, diese Verschlüsselung, während sie gesendet wird, sofort aufzulösen. Dann wird es abgelegt auf dem Server des betreffenden Terroristen, und dann muss es eben dort entschlüsselt werden.

Daten abgelegt? Bei Telefonie? Auf Servern? Warum muß man denn um alles in der Welt öffentlich Stellung nehmen zu Dingen, von denen man leicht nachvollziehbar nichts versteht? Wie gesagt, wenn’s nicht so traurig wäre, müßte man über die Schaffung bizarrer Rechtsgrundlagen aufgrund derartiger Entscheidungsfindungs-Grundlagen und fachlicher Vorbereitung eigentlich nur lachen. Wenn man sich überlegt, daß ein derart wichtiges Thema wie der Schutz vor (wie auch immer motivierten) terroristischen Gewalttätern auf einem derart labilen fachlichen Fundament steht, dann lacht man nicht mehr.

Technische Nachrichten-Grenzen

welt.de kann sicher von sich behaupten, eine der seriöseren deutschsprachigen Nachrichtenquellen im Internet zu sein, und das könnte sich in diesen Augenblicken rächen, angesichts der Tatsache, daß die Berichterstattung über die ersten Ergebnisse von Heiligendamm (die eigentlich genauso schwach ausgefallen sind, wie es in Anbetracht der Diskussionen der letzten Tage zu erwarten war…) offensichtlich nicht nur zwei, drei Leser interessiert:

welt-tomcat-hickup.jpg

Da hat der tomcat wohl in diesem Fall zumindest die Grenzen seiner Konfiguration erreicht…