Stoppt die Vorratsdatenspeicherung - www.vorratsdatenspeicherung.de

Begrenzte Freiheit dank Lobbyisten?

“Lustiger” Lesestoff via futurezone: “EU-Pläne bedrohen das freie Internet”:


Bürgerrechtler schlagen Alarm: In einer konzertierten Aktion wollen internationale Medienkonzerne und ihnen nahestehende Abgeordnete noch im Laufe dieses Sommers dafür sorgen, dass das Internet in der EU gefiltert werden kann. Der Hebel dazu wird im Telekompaket angesetzt, mit dem der Kommunikationsmarkt in der EU neu geregelt werden soll.

Insgesamt liest sich die Liste der Ansinnen wie eine Horror-Show, die vermutlich auch ein Ministerium für Staatssicherheit nicht besser hinbekommen hätte (dem zu solchen Schritten wohl nur die technischen Möglichkeiten fehlten): “legale” Rootkits (als Schadsoftware, die gegen “illegitime” Aktivitäten des Nutzers vorgehen soll), permanentes Internet-Monitoring gegen “unerlaubten” Traffic, Trennung von Nutzern, die gegen “Rechte” verstoßen, vom Netz, Verantwortlichkeit der Provider für die Inhalte, die über ihre Netze übertragen werden, … . Das Frustrierende an der Sache: Politiker, die vermutlich durchaus in ihrem früheren Leben für freiheitlich-demokratische Grundrechte eingetreten sein mögen, lassen sich (ob aus totalem Unverständnis für die Technologien und Werkzeuge der Gegenwart - siehe unseren internet-ausdruckenden Innenminister, oder nur aus völlig blindem Gehorsam gegenüber den Größen der Medien-Industrie, das sei dahingestellt) ohne nennenswerten Widerstand als willige Werkzeuge dazu gebrauchen, die technischen Möglichkeiten unserer Tage langsam, aber sicher in eine überwachte Welt par excellence umzuwandeln. Wohl dem nächstem Diktator, dem diese Strukturen dann vollständig und fertig zur Verfügung stehen, nur weil einige eingeschränkte Horizonte dies nicht im Vorfeld zu verhindern bereit gewesen sind…

Nachtrag: Einen interessanten Artikel hierzu gibt’s auch bei welt.de, mit einem treffenden Vergleich:


Nachdem Gutenberg den Buchdruck erfunden hatte änderte sich so einiges. Informationen waren plötzlich freier verfügbar und damit für mehr Menschen zugänglich. Zumindest die, die lesen konnten. Einige Staatsführer und die Kirche sahen das gar nicht gerne und versuchten den Informationsfluss zu kappen, in dem sie den Druck von einer Lizenz abhängig machten. Dem Internet steht offenbar etwas ähnliches bevor.

news, german, politics — kawazu on July 3, 2008 at 12:22

Ende der Demokratie?

Zum Wochenbeginn ein interessanter Beitrag, gefunden auf RP Online: “Deutschland ist keine echte Demokratie mehr”:


Der Parteienkritiker Hans Herbert von Arnim ist der Ansicht, die Bundesrepublik sei keine echte Demokratie mehr. Tatsächlich werde Deutschland von einer “politischen Klasse beherrscht”, sagte der Staatsrechtsprofessor und kritisierte vor allem das derzeitige System der Parteienfinanzierung.

Lesen gehen!

news, german, politics — kawazu on May 5, 2008 at 8:37

‘Soziales Netz’?

Herr Kantel ärgert sich (berechtigt, wie ich finde) über das Ansinnen von Deutsche-Bank-Chef Ackermann, die Regierungen mögen den derzeitigen ‘Turbulenzen’ der weltweiten Finanzmärkte durch geeignete Maßnahmen entgegenwirken. An anderer Stelle wünscht sich der Internationale Währungsfonds den Einsatz von Steuergeldern, um die aktuelle Krise des Geldmarktes zu kompensieren, …

…wenn die Möglichkeiten des Marktes ausgeschöpft seien.

Einerseits erfüllt es in der Tat mit Staunen, daß gerade die Befürworter möglichst uneingeschränkten Treibens auf freien Märkten in dieser konkreten Situation offensichtlich vom Glauben an die “Allmächtigkeit der Märkte” abrücken. Aber interessanter noch als das: Hätten die Banken, die sich jetzt Steuergelder “zur Hilfe” in der Krise wünschen, alternativ auf (auf der anderen Seite) die steuer-zahlende Öffentlichkeit an den Gewinnen beteiligt, wenn sich die Kreditinvestitionen nicht zur Krise, sondern zum hochprofitablen Geschäft entwickelt hätten?

german, politics, thoughts — kawazu on March 19, 2008 at 10:23

wxmaxima: Spaß mit Zahlen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2008 kurzerhand zum Jahr der Mathematik erklärt, ein Grund mehr, sich doch wieder einmal intensiver mit Zahlen und Formeln auseinanderzusetzen außerhalb des “regulären” Alltagsbetriebs. Eine schöne Spielwiese bietet hierfür das Algebra-System Maxima, das, in Verbindung mit dem grafischen Frontend wxmaxima, ein Software-Paket ergibt, welches dem Klassiker Mathematica zwar in verschiedener Hinsicht funktional noch nicht ebenbürtig ist, dafür auch, nun, zu preislich etwas freundlicheren Konditionen zu bekommen und darüber hinaus auch noch GPL-Freie Software ist. Das rechtfertigt eigentlich zumindest eine Testinstallation und ein paar Stunden unbekümmerten Herumprobierens mit Zahlen, Formeln und Funktionen. Zum Einstieg hat math-blog ein 10-Minuten-Tutorial, zwar in englischer Sprache verfaßt, aber die Beispiele sollten sich trotzdem leicht erschließen. Wer mehr braucht: ‘Mathematik für Informatiker’, Bd. I, von Frau und Herrn Teschl, für einen knappen Zehner bei terrashop. Happy number-crunching. ;)

german, tech — kawazu on March 17, 2008 at 22:50

Gehörschutz

via golem.de: “Stopp bei 100 Dezibel: MP3-Player müssen leiser werden”. Hmmmmmmmmmmmmmm… Manchmal fragt man sich schon… Welches Bild mag man in Brüssel wohl von den Bürgern der EU haben? Unmündige Nullen, eines Aufpassers bedürftig, der ihnen sagt, daß es unklug ist, ein Audio-Abspielgerät dauerhauft zu laut zu betreiben? Vielleicht sollte man aufhören, die eigene Bevölkerung als ein Heer von Dummköpfen zu betrachten, eventuell würden dann verschiedene andere Dinge einfacher werden…

news, german, bizarre — kawazu on March 17, 2008 at 14:24

In-transparenter Autofahrer

… via heise.de: Verfassungsgericht stemmt sich gegen den gläsernen Autofahrer - nach einem inhaltlich ähnlichen Urteil in Sachen ‘heimliche Online-Durchsuchung’ ein weiterer Sieg für all jene, die in Zeiten wachsender Möglichkeiten technicher Überwachung, in Zeiten massiver Begehrlichkeiten aller Art, Daten so umfassend wie nur irgend möglich zu erheben und zu speichern, auf die Grundrechte und -freiheiten drängen, die unsere Gesellschaft tragen sollten? Was mich indes beeindruckt, ist dieser Nachsatz:


Die Lizenzen zur Massenkontrolle schienen den Verfassungsrichtern schon bei der Verhandlung im Herbst handwerklich schlampig gearbeitet zu sein. Ein Phänomen, das die Karlsruher Richter bei vielen Landesgesetzen beobachten müssen. Zu unpräzise, zu weit gefasst, zu wenig grundrechtssensibel – dieses Verdikt traf kürzlich auch erst das nordrhein-westfälische Verfassungsschutzgesetz mit seiner für nichtig erklärten Erlaubnis heimlicher Online-Durchsuchungen sowie 2005 etwa die Regelung zur präventiven Telekommunikationsüberwachung in Niedersachsen. Selbst die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ist inzwischen empört: “Es ist ein absolutes Unding, dass die Politik schon wieder Gesetze verabschiedet hat, die offensichtlich nicht mit der Verfassung übereinstimmen und im Nachhinein vom Bundesverfassungsgericht korrigiert werden müssen.”

Konsequenz der Anstrengung, in der Gesetzgebung “Druck zu machen” und umstrittene Gesetzesvorhaben schnell umzusetzen? Stimmt einen insgesamt sehr nachdenklich…

german, politics — kawazu on March 11, 2008 at 13:32

Zwei-Klassen-Arbeitnehmer?

Zwei Meldungen, die ich in Relation zueinander für interessant halte: Die Online-Ausgabe des Focus berichtet, daß der Mittelstand in Deutschland immer mehr schrumpft, sich die Einkommensschere im Lande immer weiter öffnet. Bei der Konkurrenz gibt es aktuelle Ausführungen zum gegenwärtigen Streit im öffentlichen Dienst, der derzeit das Bus-, Bahn- und Flugnetz in Deutschland zumindest teilweise lahmlegt (und damit auch einen ganzen Haufen gimmick-verliebter Teenager daran hindert, in Hannover auf der CeBit Kugelschreiber mit Firmenlogos abzustauben?)

Die Gewerkschaft ver.di fordert derzeit acht Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. In einem anderen Tarif-Vertrag, der zwischen GDL und der Bahn erst kürzlich vereinbart wurde (nun aber wohl auch wieder in der Schwebe hängt), ist die Rede von 11 Prozentpunkten mehr Geld am Ende des Monats für die Beschäftigten. Und ich frage mich, ob wir langsam, aber sicher in eine Gesellschaft driften, in der selbst der “durchschnittliche Arbeitnehmer” in ein Klassensystem gezwängt ist, welches maßgeblich davon abhängt, wo er Beschäftigung findet?

Warum diese Frage? Prinzipiell sehe ich die Argumentation schon, daß, in Zeiten von wachsenden Unternehmensgewinnen, diejenigen, die diese Gewinne an der “Basis” des Unternehmens erwirtschaften, finanziell beteiligt werden sollten. An sich bin ich auch ein Freund der Mindestlohn-Idee genau aus diesem Grund heraus, und weil es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, daß jener, der gute Arbeit leistet, auch imstande ist, von dieser Arbeit ohne Hilfe des Staates halbwegs sicher leben zu können. Gewerkschaften und verschiedene andere Gruppierungen wollen eine solche Umgebung für die Arbeitnehmer schaffen, was per se erst einmal gut erscheint.

Nur: Wie realistisch ist das Bild vom Arbeitnehmer, das diesen Anstrengungen zugrundeliegt? Wie weit erreichen solche Ansätze tatsächlich das gewünschte Ziel für alle oder auch nur einen hinreichend großen Prozentsatz der Arbeitnehmer, ohne zugleich desaströse Nebenwirkungen mit sich zu bringen? Hier die Brücke zum Mittelstand und den berühmt-berüchtigten KMUs: Herr Mehdorn und seine Kollegen in den “großen Unternehmen” werden sich vermutlich (natürlich) sperren, den stehenden Lohnforderungen nachzugeben, und vermutlich werden auch (im Hinblick auf Mindestlöhne) viele Unternehmen viele gute Lücken finden, die bestehenden Regelungen etwa bei den Briefzustellern zu untergraben.

Dem Mittelständler oder Kleinunternehmer hingegen nützt das nichts. Anders gefragt: Welcher Ausweg bleibt dieser Klientel, wenn einerseits die Preise für die erbrachten Leistungen, die erzeugten Produkte eine Zahlung von Mindest- oder Tariflöhnen nicht erlauben, andererseits aber der Ausweg, den Großunternehmen wählen würden (”Ausdünnung der Personaldecke” und “Freisetzen von Arbeitskräften”…) nicht machbar ist, ohne den Geschäftsbetrieb insgesamt in Frage zu stellen? Eigentlich bleiben nur wenige gangbare Wege zu vermuten:

  1. Geschäftsaufgabe, weil weitere Arbeit wirtschaftlich nicht möglich ist. Auf diese Weise könnte man zynisch vermuten, die Gewerkschaften würden den Großunternehmen bei der “Marktbereinigung” helfen, indem sie mit Hilfe hoher Tarifabschlüsse und genereller Mindestlöhne Kleinunternehmen beizeiten den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegziehen. Dann stehen die Beschäftigten dort beizeiten vor den Türen der Arge.
  2. Es werden wieder Ausnahme-Regelungen geschaffen, die zum einen garantiert durch die “Falschen” Nutzung finden. Zum anderen rutschen dann die Beschäftigten von KMUs auf der Gehaltsschere immer weiter nach unten, wenn steigende Löhne dank hoher Tarifabschlüsse auch steigende Preise nach sich ziehen.

Ohne deren Engagement grundsätzlich und vollständig wegdiskutieren zu wollen, scheint mir die Frage berechtigt, inwieweit anno 2008 das oftmals augenscheinliche Modell des “Kampfes ums Geld” zwischen dem “großen, gutverdienenden, gierigen Unternehmer” und seinen vielen “gesichtslosen Angestellten”. die nur fordern, was eigentlich ohnehin ihr gutes Recht ist, noch zeitgemäß erscheint. In diesem Modell verlieren die Kleinunternehmer und kleine Mittelständler und ihre Angestellten gleichermaßen. Aber wahrscheinlich sind die vielen in KMUs verstreuten Beschäftigten für die Vetreter von Gewerkschaften schlicht nicht interessant genug…

german, politics, thoughts — kawazu on March 5, 2008 at 13:18

NetBeans: Papier zur Plattform

Es drängt sich der Eindruck auf, daß NetBeans auch im deutschsprachigen Raum an Fahrt und Popularität gewinnt - nicht nur als IDE, sondern auch als Plattform zur Entwicklung von Rich Client - Anwendungen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, daß man, während aktuelle Literatur sonst meist nur in englischer Sprache verfügbar ist, für die aktuelle Version 6.0 nur wenige Monate nach der Veröffentlichung schon gleich zwei sehr gute deutsche Veröffentlichungen in den Regalen der Bücherläden der Republik finden kann, die dem interessierten Entwickler bei der Arbeit an und mit NetBeans Hilfestellung bieten sollen: Neben dem umfangreichen ‘NetBeans Platform 6′ von Heiko Böck ist das ‘NetBeans RCP Entwicklerheft’ das zweite, jüngere(?), auf den ersten Blick dünnere der beiden Werke, und doch nach kurzem Vergleich mein knapper Favorit in Sachen NetBeans-Dokumentation.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum einen, in der Tat, ist der geringere Umfang der “Entwicklerhefte” ein deutlicher Pluspunkt, wenn man schnell mit einer Technologie zu arbeiten beginnen will. Sicher braucht man tiefer im Alltagsgeschäft irgendwann deutlich mehr Detailwissen, wird man von den vielen kleineren und größeren Tips und Tricks des Böck-Buches profitieren - für den Einstieg indes sind diese tendenziell ebensowenig hilfreich wie für das angenehme Gefühl, sich mit dem Buch, das neben der Tastatur liegt, schnell sowohl Verständnis zu erarbeiten als auch dies in tatsächlichen Ergebnissen umsetzen zu können. Vermutlich ist das Geschmackssache, aber mir erscheint das “NetBeans RCP Entwicklerheft” hier um einiges geradliniger und ‘zielführender’: Die zu entwerfende Beispiel-Anwendung wird zu Beginn des Buches vorgestellt, und danach arbeiten alle folgenden Kapitel geradewegs darauf hin, diese Stück für Stück mit Leben zu erfüllen. Das passiert im Böck’schen Buch im Prinzip auch, aber das Entwicklerheft wirkt hier (nicht zuletzt sicher wieder des gewollt begrenzten Rahmen wegens) einfach konzentrierter und effektiver.

Zum anderen, vermutlich wiederum persönlicher Eindruck: Das Entwicklerheft wirkt didaktisch geschickter, in der Struktur der einzelnen Kapitel, der “Cause-Effect”-Philosophie, kleine Schritte vorzuführen und im Nachgang deren Wirkung zu beschreiben und zu diskutieren. Strukturelle ‘Fehler’ (…) des Böck-Buches (die Position des Kapitels “Aktionen” am Anfang des Buches zwischen “Modul-System” und “Anwendungsaufbau” erschließt sich mir bis heute nicht richtig) verhindert das Entwicklerheft dabei erfolgreich, dafür gelingt es dem Autor, den Gedankenfluß von Aufgabenstellung über Anwendungsentwurf durch die schrittweise Implementation des ‘Task-Managers’ in den einzelnen Kapiteln hindurch zusammenhängend und logisch schlüssig zu erklären und immer genau soviel Wissen zu vermitteln, wie der Kontext zum Ausprobieren erforderlich macht. Sicher kann man auf andere Weise mehr Information transportieren, aber ob dies auch notwendigerweise effektiver ist, kann man wohl diskutieren.

Im Fazit: Wer nach Großtaten auf Basis von NetBeans RCP strebt (und das werden hoffentlich einige sein, um die Verbreitung der Plattform voranzutreiben, ein Gegengewicht zu Eclipse zu schaffen und vor allem noch das ein oder andere Modul zu erzeugen, das für NetBeans als IDE derzeit noch fehlt), wird vermutlich sowohl den “Böck” als auch den “Petri” lesen wollen. Aber für den Einstieg stellt das Entwicklerheft aus meiner Sicht die bessere Wahl dar. Nebenbei: Einen Teil, der mich besonders interessiert (das Generic Languages Framework aka ‘Projekt Schliemann’), fällt leider in beiden Büchern unter den Tisch. Aber man kann wohl nicht alles haben… ;)

german, tech, thoughts, netbeans — kawazu on February 13, 2008 at 23:03
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