.Grounded.

Back down there again. These days, summer is a bright, burning experience, and even though he never ever tried to make much out of avoiding sun at all costs, this is far from being enjoyable. These days, even more, he tends to enjoy the cool, quiet environment of these ancient walls, caverns, dungeons far below. Few candles amidst this place, a light comfortable in some way. Calmer. Less intense. The scent of the books surrounding him down here.

Notes. Photos. Fragments of diaries. A load of things he left down here before this world upstairs came to life. Old things:

2006-08-07: The world seems cold way below the departure floors in these early mornings while only a few travelers dare to cross the border between night and day, stumbling through the neon-lit scenery like restless shadows almost invisible to the eye.

It’s still way too early for me. I just spilt coffee all across my newspaper, now astoundingly watching the paper change its color while slowly absorbing the brown, hot fluid. There might be better places than this, and better times of day to be there than right now, but, after all, my plane is scheduled to depart at 5:45 a.m. , so it’s just about dealing with an uncomfortable situation as good as somehow possible. Having an early breakfast is rather good, given the time and place, even though it mainly consists of coffee…  and so I decide to make the best of it, ordering another cup while trying to get rid of my now unusable newspaper.

Maybe, again at the right time and place, the girl behind the airport cafe bar might have been a sight for sore eyes, a fairy from another world… but not now, somehow. Right now, she’s into preparing my very next coffee (the one which, lacking any more newspapers, I might spill across the table afterwards), and I watch her as she fills milk into one of the arcane devices used to create what she sells to early customers like me. Though she’s a thin person looking almost anorectic, her movements appear in a strange way clumsy, cumbersome… Some more people gather around the bar, chatting, laughing, fortunately being louder than the music in the cafe which is really not meant to make an early morning brighter.

Quietly, she provides me with my second cup of coffee, allowing me to catch a glimpse at her face, little longer than just a few seconds… Even by todays superficial standards, she could be considered beautiful, and yet there’s something more predominant. In contrast with her dark clothings, it’s not just the make-up and the neon light to make her fragile face look pale and sad – the kind of sadness to be left when another great dream fell apart, another illusion ended and things just didn’t turn out the way they should. That’s when you start selling coffee to strangers in early morning, forced to permanently stay on the ground where all people just are busily passing by, following their path through the world.

In a strange way, I feel touched. Somewhere between reality and illusion, I can’t keep myself reading a silent cry for help from her kind eyes, feeling tempted to do all to be done in order to wipe this sadness off her face. But then again, who’s to tell imagination from truth, to tell a temporary lapse of emotions from something more substantial…

The monotonous airport voice, announcing my flight, is getting me back from my thoughts. I still got to pay for two coffees and a newspaper before I make my way out of the cafe, heading for the terminal. Her eyes following me as I leave, the sad look on her face seeing another chance disappear – just a fragment of illusion, a strange effect of the early morning blues? The escalator takes me upstairs, leaving the cafe below, the music slowly fading away. My plane is ready for departure. Don’t look back….”

Confused, dropping the paper, kneeling on cold stones for a moment, as if feeling weak suddenly, struggling to deal with the images and thoughts arising again, all of a sudden, overwhelming him for a very few, very short moments. Stories unfinished. Stories of places that don’t seem to exist anymore. Stories of people that don’t seem to be there anymore. Paths that would have led elsewhere, way out of reach now, narrative paths at the very least. Did he really hear the sound of an airplane passing by at high altitude, way above his roofs? What might have been her path, after that very day.

Some things we just won’t know.

tool/suspend()

Schweres Knirschen, als sich die Tür endlich, Millimeter für Millimeter, aufstemmen läßt, weit genug für ihn, sich durch den schmalen Spalt in das Dunkel zu zwängen, das Dunkel hinter jenen massiven Holzplanken, die den Durchgang seit dunklen Tagen wohl versperrt haben. Langsam nur finden seine Augen Halt in der Finsternis, die noch solider, dichter, undurchdringlicher wirkt als die schweren Steinmauern, die sie umgeben.

Subtile Geräusche, schwer zu fassen, irgendwo in der Tiefe des… Raumes?

Lichter. Gedämpft, kaum wahrzunehmen, und doch präsent? Irrlichter, Trugbilder der Augen im verzweifelten Versuch, der Dunkelheit Bilder zu entringen? Rot, grün, Blinken. Mehr als eine Halluzination. Sich nähernd, als er sich langsam vorwärtstastet, immer wieder über ungesehen Unrat stolpernd, Kratzer und Schnitte spürend wie von Klauen, mit der Verborgenes nach ihm greift. Die Lichter – fast in Reichweite… Schließlich fahren seine Finger durch weichen Staub auf hartem Kunststoff, gleitet seine Hand über abgegriffene Tasten, dekoriert mit eigenartigen, nach Gebrauch und Zeit fast unkenntlich gewordenen Symbolen. Ein kurzes Spannen von Muskeln, der Klick einer Taste, ein kurzes elektrisches Surren, Leben, als unzählige Bildschirme verschiedener Größe, in scheinbar zufälliger Weise aneinander aufgetürmt, den Raum in vielfarbiges, aber gleichmäßig kaltes Licht zu tauchen beginnen. Noch mehr Symbole, Bilder. Unheimlich darin, gleichermaßen eigenartig vertraut und eigenartig fremd zu sein. Er zerschlägt einige Minuten damit, Knöpfe zu drücken, zu beobachten, wie sich Symbole, Muster, Farben auf den Bildschirmen neu anordnen, miteinander verschmelzen, verschwinden, nur um wieder zu erscheinen. Lebens-Automat, Conway, nur auf höherer Komplexität?

Der Stuhl vor den Monitoren ist alt, abgenutzt, abgewetzt wie die Tastatur selbst… wie er selbst? Schwach nur die Reflexion seiner Züge in einem der dunkleren Displays, über das in monotonem Rhythmus Zahlenkolonnen in dunkle Tiefen fallen. Das Bild, sein Bild – vertraut seit Kindertagen, und doch anders. Falten, Furchen hat die Zeit in seine Haut gedrückt, mit spitzem Pinsel und stoischer Beharrlichkeit graue Linien in seine Haare gemalt, begonnen, die Spuren der Jugend langsam, aber sicher zu verwaschen. Does it matter? Does it change anything?

//..//
Like pieces of myself
Cut off in desperation
As offerings to thee
I keep them on a shelf
They’re good for conversation
Over a cup of tea…
//..//

Und durch sein inneres Auge blickt er auf sich selbst, in jenem Stuhl sitzend, weit weg in der Zeit, die Hände über die Tasten fliegend, formend an einem Universum aus Mustern, Metainformationen, Semantik, Code… Allmachtsfantasiererei angesichts der eigenen Rolle in diesem unwirklichen Schöpfungsakt? Der Stuhl ist jetzt leer, die Symbole fremd, das Universum wächst weiter… Gibt es Werkzeuge, Ausdrucksformen, Kommunikationen, die nur ganz kurz wichtig sind, für einen scheinbar endlos langen und doch kaum greifbar begrenzten Zeitraum einem unerkannten Zweck dienen, um danach ebenso wenig greifbar in der dunklen Bedeutunglosigkeit vergessener Erinnerungen zu versinken? In seinen Gedanken durchstreift er Vergangenes, Plätze, Städte, Universen, stets begleitet von jener fremdartigen Vertrautheit, die ihn so sehr gefangenhält, seitdem er diese Tür mit aller Kraft aufgeschoben hat. Zu welchen Resultaten wohl jenes Werkzeug führt, wieder gefunden, in die Hand genommen, neu verstanden nach langer Zeit, neu eingesetzt mit all den Erkenntnissen, die im Staub der vergangenen Zeit zurückgeblieben sind? Ist das universale Erschaffen jemals abgeschlossen?

Die Menge der Fragen war schon immer größer als die Menge der Antworten, und wenige Wege tatsächlich erfahrbar. Der Monitor reflektiert ein mattes Lächeln auf seinem Gesicht, als er, zögernd und doch entschlossen, auf dem Stuhl Platz nimmt. Zeit verstreicht, und das Universum wartet nicht…

childhoods end

Noch einmal Kind sein…

Er blinzelt in den Sonnenaufgang, die warme Luft des Morgens atmend, treibend in den Geräuschen des heranziehenden neuen Tages. Noch einmal Kind sein… Noch einmal durch das Leben gehen, unbeschwert, unbelastet, offen, neugierig… Noch einmal hinnehmen können, daß das Gras grün, der Himmel blau, die Reflektion der Wolken im welligen Wasser weiß sind, ohne zu hinterfragen, zu deuten, zu zweifeln… Noch einmal Engel im Schnee zeichnen, den Duft des Winters atmen, Figuren in den Eisblumen auf den Fensterscheiben suchen, den kühlen Wind im Gesicht spüren… Noch einmal singend durch die Wiesen tanzen in milden Sommerabenden, mit beiden Beinem im Jetzt stehend und wissend, daß selbst die Nacht noch unendlich weit weg ist… Noch einmal naiv und unbefleckt sein, spielen und träumen können, ohne zu wissen, daß so nah nebenan Bomben Löcher in den Planeten reißen, Kugeln Menschen durchbohren, die Armen verhungern und irgendwoanders auf der Welt Menschen Reichtümer aus all dem Leid anhäufen. Noch einmal ohne Verantwortung sein, weg von alldem, nicht schuldig der Duldung all dieses Elends durch stille, passive Zustimmung… Noch einmal von Waschbären träumen, mit Peter Pan fliegen, an Feen und die berühmten drei Wünsche glauben…

Rauch zieht auf in der Ferne… Er atmet tief durch und schließt das Fenster.

open wide

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

(Rainer Maria Rilke)

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