SYN-Flooding für den Geist…

Immer noch und immer wieder habe ich die Hoffnung, daß Technologie Möglichkeiten schafft. Besser Kreativität ausleben können. Viel mehr Tools auf kleinem Raum, die den eigenen Horizont eröffnen und selbst Durchschnittsnutzern Dinge erlauben, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit für Profis auf ihren Gebieten schwer bis nicht umsetzbar waren – Kommunikation eingeschlossen, Veröffentlichungen im größtmöglichen denkbaren Rahmen des Wortes auch. An manchen Stellen funktioniert das sogar… bis man verlorengeht inmitten der Flut an Dingen, die in der Datengesellschaft auf einen einströmen. Nur ein Bruchteil davon ist wesentlich, brauchbar, sinnvoll. Der Rest bindet nur Kraft und Energie im Bestätigen und Ausfiltern all der verschiedenen Quellen, die förmlich danach schreien, daß ich mich mit ihnen synchronisiere. Dabei ist es nicht einmal mehr Kommunikation, weil es nicht mehr in zwei Richtungen funktioniert. Write-Only-Web: Eine Infrastruktur, in die Menschen Inhalt einkippen, sich direkt danach aber schon gar nicht mehr wirklich dafür interessieren, Rückmeldungen, Fragen und Kommentare eingeschlossen. Das ist eigentlich nicht schlimm. Nurmehr schade, mindestens, weil es Kraft und Ressourcen kostet, mindestens beim Empfangen, und eben auch anders ginge. So bleibt immer wieder nur die Möglichkeit, periodisch hart die eigenen Eingangswege zu filtern, mit lockerer Hand aufzuräumen – und wieder mehr Zeit dafür zu haben, sich mit weniger Dingen in größerer Tiefe auseinanderzusetzen. Bis sich RSS-Leseliste, Twitter-Account und Co. langsam wieder füllen – und man wieder irgendwann merkt, daß die neuen Quellen auch alle wieder nur read-only sind…

October.

October already, again. Year’s moving on fast. Looking through my history, there are few years that have seen as little activity on this blog as this one. Maybe it’s a a mix of being active in some prominent social networks as well (which ends up being a dump for a load of day-to-day snippets, links random thoughts) all along with lacking really a load of things to write about.

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Souls at zero

Tage am Meer… Auf dem Weg zum Strand im schweren, staubigen Kombi. Kofferraum vollgepackt mit Zeugs, kreuz und quer durcheinander. Eine Kiste Bier, einige Flaschen besseren Weins. Dinge, die man so braucht. Packenweise Schokolade, ein paar Stangen Zigaretten, Bücher, Papier. Decken. Windlichter. Musik, so viel Musik. Das Auto geparkt irgendwo im Gras, unter den Bäumen gleich hinter den Dünen, und dann los. Decken in den Sand, Musik an, Welt verschwindet hinter dem Wind, der Dämmerung. Wir trinken, lesen, rauchen, lieben. Schokolade und Wein im Abendrot. Wir sind angeheitert, wild, trunken von Lebenslust, Sonne, Sand. Wir tanzen, schreien, zeichnen, schreiben, im ausgehenden Licht des Tages, Worte wie der Nachthimmel: Tiefschwarz, tausendfach glitzernd, groß, schwer und ohne Ende. Werfen unsere Worte in Flaschen weit ins Meer, bedeutungsschwangere Botschaften für irgendjemanden, irgendwann, nur nicht für uns… bevor wir selbst folgen, nackt und lachend unter dem weiten Sternenhimmel, nicht einmal abgeschreckt durch die Kälte der See, die rauhe Berührung der Wellen. Liegen im Sand, danach, genießend den Rest der Wärme des Tages, des ganzen Sommers, dahinträumend im Rauschen der Brandung….

Dann hat sich mit dem Namen der Nacht
langsam die Stille besternt.
Da waren wir wie aus allen erwacht
und weit voneinander entfernt:
haben die Sehnsucht, die traurig macht,
wie ein Lied gelernt…
(Rainer Maria Rilke)

Am Morgen danach hat der Wind die letzten Kerzen gelöscht, Papier und Haare zerzaust, uns und alles von uns mit einer feinen Sandschicht überzogen. Wir verbergen uns hinter den Dünen im Schutz von Büschen und Hecken. Unisex-Outdoorkleidung in Erdtönen, Frösteln im frühen Wetter. Mentaler Nullpunkt.

Wir frühstücken karg, kauen an vegan belegten Vollkornbroten und nippen an stillem Mineralwasser. Selbstvorwürfe. Schuldgefühle. Angst. Schokolade? Alkohol? Ungesund und lebensverkürzend all das, keine Frage. Von Zigaretten ganz zu schweigen. Die Bücher der Nacht sind irgendwo verschollen. Besser so – launische Ideen von sprunghaften Biographien, die es nie geschafft haben, sich irgendwie in der Welt zu finden, oder die nie ‘grown-up’ genug waren, um das Ergebnis dieser Findung zu akzeptieren und zu leben, ohne permanent aufzubrechen, zu hinterfragen, zu irritieren. Unbeherrschte, enthemmte Charaktere ohne jegliche Selbstkontrolle. Wir sind dort weiter. Irgendwie. Zum Glück. Unsere Smartphones laden am Zigarettenanzünder, piepsen dann und wann, bringen uns eine merkwürdige Sicht auf eine Welt im Chaos, eine Welt aus den Fugen überklebt mit dringenden Mails, Terminen für morgen, und Wagenladungen an Belanglosigkeiten. Shallowness meets despair. Futter für unsere Angst. Gleichsam Heilmittel gegen die absolute Hilflosigkeit inmitten all dieses unbegreiflichen Treibens.

Können wir überhaupt irgendwie anders? Wollen wir anders? Gestern vielleicht noch. Heute … Heute packen wir die Reste der Nacht obenauf auf die vollen Container mit dem Abfall und Treibgut, das die Touristen des Sommers am Strand zurückgelassen haben, und hoffen darauf, unser Fahrzeug wieder in Gang zu bekommen, das Parken abseits befestigter Fläche nicht gar so sehr zu bereuen. Und irgendwann sind wir auf der Autobahn nach Süden. Fahren stur geradeaus. 120 km/h, der Himmel ist grau, die Straße leer. Das Meer liegt hinter uns, irgendwo, weit weit weg.

All unsere Flaschen-Nachrichten sind im Wind des Morgens zurückgekommen, am Ufer zerbrochen. Das Papier ist aufgeweicht, die Worte und Zeichnungen sind ausgewaschen und unlesbar…

Streams

11:24pm. 27°C. System offline, all communication endpoints detached. Not a recipient anymore for tonight.
Eyes closed, looking inward, trying to filter out and ignore the noise of the city.

Rain would be really nice right now. Rain to wash away the dust and the heat of a glowing day. Rain to cool down the system a bit. Somewhere in there, circuits are running idle now, temperature just slowly going down. Side effects of processing a vast flood, a massive and constant influx of data. Challenge #1 being filtering – as early as possible sorting out that load of pointless, irrelevant data, noise keeping the signal polluted. Challenge #2 being processing what’s left then – extracting actual information from a by far smaller volume of data, mostly unstructured, filled with inconsistencies, contradictions, omissions.

Noise is the most impertinent of all forms of interruption. It is not only an interruption, but is also a disruption of thought.
– Arthur Schopenhauer

Systems repeatedly stuck in near-infinite loops while trying to resolve conflicts and making sense of this unreliable input, only sure thing being that this data doesn’t really provide sufficient information to overcome uncertainties. Other systems trying to compensate for the fact that uncertainty actually becomes bigger the more data is being processed. Self-regulation failed. Control structures gradually losing control of itself, generating nonsense instead of viable output. A needle of a compass lost in a magnetic field continuously changing its direction.

Eyes closed, still looking inward. What do complex systems see when in deep dreams? What’s a computer system running in idle state – meditating, simply leaving input come, be around for a while, float by?

Possibly not. At times it’s not too bad to retreat from being a recipient, just for a while. Let input calm down. See thoughs calming down, too. Will the noise fade away, too, with day slowly turning to night? Maybe. Eyes opened. It’s dark. Few lights out there. Few sounds.
And a scent of rain.