Weniger Input.

Ich habe meinen Konsum von Nachrichtenquellen umgestellt, habe Google News aus meinem Horizont gebannt, ebenso alle Quellen, die Newsticker-Berichterstattung mit Information gleichsetzen, allen voran FOCUS Online. Die Zeiten sind unübersichtlich, man hat das Gefühl, daß Irrsinn dieser Tage eher die Regel denn die Ausnahme ist. Die auf Geschwindigkeit und Klicks optimierende Online-Medienlandschaft tut ihren Teil dazu, diesen Eindruck noch zu verstärken. Es scheint aussichtslos, über Politik zu lesen, aussichtslos, darüber zu schreiben. Es scheint aussichtslos, sich damit zu befassen und trotzdem halbwegs klar bleiben, und noch viel aussichtsloser, irgendetwas daran ändern zu wollen. Mithin: Ich beschränke mich auf eine Handvoll ausgewählter Quellen, denen ich zutraue, halbwegs objektiv und umfassend zu informieren. Versuche Nachrichten gebündelt, zu festen Zeiten in genau diesem Umfang zu lesen. Soziale Netzwerke oder Kommentarspalten in größeren Portalen zu konsumieren war ohnehin noch nie eine gute Idee – trotzdem ist manchmal erschreckend, was man dort liest. Momentan überlege ich, ob ich Perspective Daily Geld für ihren Journalismus zuwerfen möchte, schwanke aber immer noch, weil ich letztlich auch das irgendwann lesen müßte. Meine Podcast-Liste ist indes auch kürzer geworden. Irgendwann sammelt man mehr an, als man abhören kann, lädt man herunter, um einige Wochen später wieder zu löschen. Wenig ist nutzloser. Zudem brauche ich keine Stundensendungen mehr von hart arbeitenden Digital Natives mit ebenso sperrigen wie vagen Job-Titeln, die über Binge Watching von Netflix-Serien am “frühen Morgen” zwischen 9 und 11 berichten, zu Zeiten, zu denen ich lang im Büro bin, mich um den weniger kreativen Teil meiner Arbeit kümmere. Keine Kritik. Kein Neid. Es ist in Ordnung, so zu leben. Aber es ist nicht meine Realität.

Der Stadt beim Schlafen zuhören.

Kalter Stein unter seinem Rücken. Er liegt auf der obersten Terasse und starrt in den Himmel. Geisterhaft die Welt unter ihm, der wuchtige Bau dieses abgeschlossenen Mikrokosmos. Giebel, Türmchen, Innenhöfe. Stein, durchsetzt von Rasen, Büschen, Bäumen, umgeben von massiven Wällen, übermannshoch. Wenige Tore, schwer, ebenso massiv. Geschlossen, meistens.

Früher war dieser Ort wie ein Leuchtturm vor der Stadt. Hoch auf dem Land. Breite Dünen. Das Meer zu sehen, aber trotzdem hinreichend weit weg. Doch das ist lange her. Längst ist aus der Erhebung eine Insel geworden, umwogt, eingeschlossen, umbrandet von der Stadt, die mittlerweile noch viel weiter ins Hinterland vorgedrungen ist. Die Mauern halten, schaffen Abschluß und Zuflucht, halten draußen, was draußen sein muß, und bieten Raum für das, was drin sein soll. Die Mauern, tief unter ihm. Hier oben ist die Luft dünn, der  Himmel scheinbar nah wie eh und je. Aber es ist ein anderer Himmel. Dunstig. Sternlos, seit langem. Überdeckt von derselben vertrauten natriumdampflampenfarbenen Dunstglocke. Die Stadt ist da – hat vieles vertrieben, das war, ersetzt durch anderes. Nicht unbedingt weniger lebendig, nicht unbedingt feindselig oder abweisend, aber auf jeden Fall andersartig, unvertraut. Fremd. Unheimlich, in Teilen. Und unverständlich, vielleicht auf lange Zeit.

Folglich bleibt er, wie es ihm scheint, noch häufiger als früher hier drin, im Schatten der Mauern und Bäume, hinreichend weit weg von all dem Fremden, mit dem er nur schwer zurechtkommt, oder noch mehr: Mit dem Fremden, das mit ihm nur noch schwer zurechtkommt. Schöne neue Welt. Schöne, neue, sternenlose, homogene Welt, in der es noch weniger verschiedene Farben, noch weniger verschiedene Facetten von Grau gibt als tatsächliche, weiche, warme, nächtliche Dunkelheit. Aber es gibt Ausnahmen. In Nächten wie dieser liegt er gern hier oben. Atmet still, Augen geschlossen. Verloren in Geräuschen. Ebensowenig wie es jemals richtig dunkel wird, wird es jemals richtig still. Sprechen, Schreien, Rufen. Musik. Menschen, die in Hinterhofen lachen, Kinder, die auf Straßen spielen. Autos, Bahnen, Lautsprecher. Nachts scheint es nur leiser zu werden, weniger dicht. Lautstärke, sich reduzierend auf den Pegel an der Grenze des Hörbaren, sich in ein allgegenwärtiges, niederfrequentes Summen verformend. Ein Teppich von Ton, ebensowenig einzeln identifizierbar wie die einzelne Lampe in der gleißenden Skyline, wenn er in Richtung des Horizontes schaut. Jetzt ist die Stadt nicht mehr das brandende Meer, sondern eher ein großes, friedliches Wesen, das im Schlaf leise schnurrt.

Manchmal regnet es. Und er liebt diese Momente. Die vielstimmigen Gesänge des Wassers – das Rauschen des Regens, dicht und intensiv. Das Gurgeln und Glucksen der Schleusen in den Rinnsteinen. Das unterirdische Tosen der Wassermassen, auf dem Weg zum Fluß, zum Meer, zu den Wolken. Danach ist es noch stiller als zuvor. Danach hat der Regen vieles weggeschwemmt, die Straßen und die Luft gewaschen, selbst das nächtlich-städtische Licht wieder zum Glänzen gebracht. Dann wandert er manches Mal sogar durch die Straßen. In den Schatten. Verstohlen und still. Immer noch darauf bedacht, jenen, die er dort antreffen könnte, eher aus dem Weg zu gehen. Und wird er doch einmal gefragt, was er um alles in der Welt dort tun möge, nachts und bei diesem Wetter, antwortet er vorsichtig, fast verschüchtert.

Nichts weiter.

Ich höre nur der Stadt beim Schlafen zu.

Und manches Mal gelingt es ihm sogar einzugestehen, daß, bei aller Fremdheit, von diesem Geräusch eine gewisse Ruhe ausgeht…

Fragments and facades

Few years of absence and this whole place looks worn-down, abandoned, broken. Yet maybe that’s what makes it worthwhile. It’s not the shiny, glamourous, polished place which takes all the effort one can bring up to be kept in this state. It’s rather a sanctuary indeed. A place which is just there. A place where things don’t have to be perfect. A place where things don’t need meaning to justify their existence. A place in which a single broken window is not the beginning of everything falling apart but just evidence of things being in flux, constantly changing. It’s this kind of change that covered whatever used to be here in dirt and dust.

Pausing for a moment, he decides to leave things just like that. It just seems fine. The way it is.