tool/suspend()

Schweres Knirschen, als sich die Tür endlich, Millimeter für Millimeter, aufstemmen läßt, weit genug für ihn, sich durch den schmalen Spalt in das Dunkel zu zwängen, das Dunkel hinter jenen massiven Holzplanken, die den Durchgang seit dunklen Tagen wohl versperrt haben. Langsam nur finden seine Augen Halt in der Finsternis, die noch solider, dichter, undurchdringlicher wirkt als die schweren Steinmauern, die sie umgeben.

Subtile Geräusche, schwer zu fassen, irgendwo in der Tiefe des… Raumes?

Lichter. Gedämpft, kaum wahrzunehmen, und doch präsent? Irrlichter, Trugbilder der Augen im verzweifelten Versuch, der Dunkelheit Bilder zu entringen? Rot, grün, Blinken. Mehr als eine Halluzination. Sich nähernd, als er sich langsam vorwärtstastet, immer wieder über ungesehen Unrat stolpernd, Kratzer und Schnitte spürend wie von Klauen, mit der Verborgenes nach ihm greift. Die Lichter – fast in Reichweite… Schließlich fahren seine Finger durch weichen Staub auf hartem Kunststoff, gleitet seine Hand über abgegriffene Tasten, dekoriert mit eigenartigen, nach Gebrauch und Zeit fast unkenntlich gewordenen Symbolen. Ein kurzes Spannen von Muskeln, der Klick einer Taste, ein kurzes elektrisches Surren, Leben, als unzählige Bildschirme verschiedener Größe, in scheinbar zufälliger Weise aneinander aufgetürmt, den Raum in vielfarbiges, aber gleichmäßig kaltes Licht zu tauchen beginnen. Noch mehr Symbole, Bilder. Unheimlich darin, gleichermaßen eigenartig vertraut und eigenartig fremd zu sein. Er zerschlägt einige Minuten damit, Knöpfe zu drücken, zu beobachten, wie sich Symbole, Muster, Farben auf den Bildschirmen neu anordnen, miteinander verschmelzen, verschwinden, nur um wieder zu erscheinen. Lebens-Automat, Conway, nur auf höherer Komplexität?

Der Stuhl vor den Monitoren ist alt, abgenutzt, abgewetzt wie die Tastatur selbst… wie er selbst? Schwach nur die Reflexion seiner Züge in einem der dunkleren Displays, über das in monotonem Rhythmus Zahlenkolonnen in dunkle Tiefen fallen. Das Bild, sein Bild – vertraut seit Kindertagen, und doch anders. Falten, Furchen hat die Zeit in seine Haut gedrückt, mit spitzem Pinsel und stoischer Beharrlichkeit graue Linien in seine Haare gemalt, begonnen, die Spuren der Jugend langsam, aber sicher zu verwaschen. Does it matter? Does it change anything?

//..//
Like pieces of myself
Cut off in desperation
As offerings to thee
I keep them on a shelf
They’re good for conversation
Over a cup of tea…
//..//

Und durch sein inneres Auge blickt er auf sich selbst, in jenem Stuhl sitzend, weit weg in der Zeit, die Hände über die Tasten fliegend, formend an einem Universum aus Mustern, Metainformationen, Semantik, Code… Allmachtsfantasiererei angesichts der eigenen Rolle in diesem unwirklichen Schöpfungsakt? Der Stuhl ist jetzt leer, die Symbole fremd, das Universum wächst weiter… Gibt es Werkzeuge, Ausdrucksformen, Kommunikationen, die nur ganz kurz wichtig sind, für einen scheinbar endlos langen und doch kaum greifbar begrenzten Zeitraum einem unerkannten Zweck dienen, um danach ebenso wenig greifbar in der dunklen Bedeutunglosigkeit vergessener Erinnerungen zu versinken? In seinen Gedanken durchstreift er Vergangenes, Plätze, Städte, Universen, stets begleitet von jener fremdartigen Vertrautheit, die ihn so sehr gefangenhält, seitdem er diese Tür mit aller Kraft aufgeschoben hat. Zu welchen Resultaten wohl jenes Werkzeug führt, wieder gefunden, in die Hand genommen, neu verstanden nach langer Zeit, neu eingesetzt mit all den Erkenntnissen, die im Staub der vergangenen Zeit zurückgeblieben sind? Ist das universale Erschaffen jemals abgeschlossen?

Die Menge der Fragen war schon immer größer als die Menge der Antworten, und wenige Wege tatsächlich erfahrbar. Der Monitor reflektiert ein mattes Lächeln auf seinem Gesicht, als er, zögernd und doch entschlossen, auf dem Stuhl Platz nimmt. Zeit verstreicht, und das Universum wartet nicht…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *