Archive for October, 2007

Freiheit und Mainstream

Wednesday, October 24th, 2007

ravenhorst schreibt über den “Tod der Freiheit im Internet”, insbesondere auch im Hinblick auf die Ereignisse in Italien. Paßt ganz gut, vor einigen Tagen erst hab ich wiedermal Barlow’s Declaration of Independence of Cyberspace (deutsch bei telepolis) gelesen und mit wohl einiger Ernüchterung festgestellt: Gescheitert, wenn man’s genau nimmt:


Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten.

Zivilisation des Geistes? Nun ja. Anno 2007 ist der “Zustand des Internet” vermutlich nicht ganz so rosig: Zwar gibt es (immer noch?) viele Enthusiasten, Weblog-Schreiber, Content-Erzeuger, …, die versuchen, diese Idee (von wegen “Zivilisation des Geistes” und so…) hochzuhalten. Und daneben? Wenn ich mich unter den Internet-Nutzern um mich herum umschaue, die ich eher dem “Mainstream” zuordnen würde, bleibt davon nicht viel. Dort ist die Welt begrenzt, sind Sites wie amazon, eBay oder (schlimmstenfalls) B*ld Online die Ziele, die man ansteuert, wenn man schon mal “im Netz” ist. Dort wird das Internet nahezu ausschließlich als das wahrgenommen, als was es von den Marketing-Abteilungen der großen ISPs und der kommerziellen Online-Dienstleister dargestellt wird – als riesiges, knallbuntes Warenhaus, in dem jeder mit hinreichend dicker Leitung noch sehr viel bequemer konsumieren kann als jemals zuvor. Dort schlagen dann ganz plötzlich auch die (fragwürdigen?) Sichtweisen der “realen Welt” zu, die in vielen Fällen Verbote und Zensur aktiver Aufklärung und der Vermittlung von Medienkompetenz vorziehen und lieber “unbequeme” Dinge ausblenden, anstelle die Menschen zu motivieren, sich damit auseinanderzusetzen, dazu eine Meinung zu bilden. Dort greifen die Ansichten all jener, die der Meinung sind, soziale Konflikte durch Zensur, durch Einschränkung und Überwachung von Kommunikation, im Zweifelsfall auch nur durch die Angst vor ebensolchen Eingriffen zu beherrschen, und denen schwer vermittelbar ist, daß sich bei Zensur eines Mediums die Kommunikation nur andere Wege suchen wird. Dort zeigt sich ganz plötzlich, daß der “Cyberspace” mitnichten unabhängig ist, sondern sich nunmehr auch die Mechanismen der “realen Welt” dorthin erstrecken, nicht zuletzt auch dorthin gebracht durch jene, die sich dort völlig ziel-, plan- und ahnungslos bewegen, ohne gegen dort existente Gefahren und Bedrohungen halbwegs gewappnet zu sein.

Die Zivilisation des Geistes würde Wissen, Neugier, Interesse und Offenheit voraussetzen. In einem kommerziellen Mainstream-Medium kann man vermutlich nichts davon erwarten, wenn der Drang nach maximalem Konsum (von beiden Seiten – Anbietern wie Verbrauchern) das einzige ist, was noch zu zählen scheint. Und Freiheit… bleibt die Frage, ob das Interesse der Masse an “Freiheit” wirklich nennenswert hinausgeht über Reisefreiheit und die Freiheit, zwischen McD****d’s und jener anderen Burger-Kette wählen zu können.

Schade eigentlich. Die Idee selbst war doch gar nicht so schlecht…

move #4: taggin’ the tag

Tuesday, October 23rd, 2007

Being into writing XML documents as well as XML schema definitions once in a while during my work days, so far I’ve enjoyed playing around with the Eclipse XML authoring tools, and by now after moving elsewhere I had to find my home in NetBeans 6.0 also in terms of XML authoring and support.

Which, to draw a conclusion first, is exceptionally pleasant talking about the things usually involved in my case. First off, creating XML Schema descriptions: NetBeans does offer three more or less different editing views on .xsd file types, each one of them possibly made to meet different needs.

Obviously, there is a source code editor…

xml-source.jpg

… letting you manually build your XSD file by hacking the right things to the right place and hoping for the best. On the other end of the scale, there is a fully-fledged visual XSD studio…

xml-design.jpg

… allowing for editing the same description in a way both visually rather appealing and rather handy as well – adding attributes and elements using keybindings here is same as easy as using that pointing device of your choice. My favorite editor, however, is somewhere in between:

xml-schema.jpg

The “Schema” view sort of reminds me of good old NeXTStep / GNUStep / Mac OS file manager, which is possibly a good thing, and so far fits best my personal likes in terms of XML schema creation as it seems most concise to me. This way, creating (and actually maintaining…) more complex XSD rules becomes rather easy.

Creating an XML document from an XSD description is same as easy, though I have to mention that, in direct comparison, NetBeans does lack a visual XML editor… a shortcoming, however, which is compensated by offering XSL transformation support out of the box, a feature I just found in Eclipse using an old (unsupported) plugin which works just more or less in newer releases. This as well as the checking / validation features makes the NetBeans XML support overally a very handy and usable tool fulfilling most if not all of my daily XML authoring needs. Now if I only could figure out how to create XSD and XML files in an arbitrary folder using the “Favorites” view… :)

More on that, however, to be found in the NetBeans 6.0 knowledge base.

Murmeltier-Politik

Tuesday, October 23rd, 2007

Irgendwie ist es mittlerweile fast jede Woche dasselbe, aktuell dieses hier: “BKA-Präsident bekräftigt Forderung nach Mautdatennutzung und Online-Durchsuchungen”. Die willigen Helfer in der Politik werden ebenso nicht müde, Forderungen nach rechtlicher Legitimation weitreichender technischer Überwachung zu äußern und zu bekräftigen. Auf die Frage, ob es im Hinblick auf die definierten, proklamierten, geforderten Maßnahmen

  1. eine halbwegs ernsthafte Technikfolgenabschätzung gibt, die begründet, daß die Einschnitte in Privatsphäre und persönliche Freiheiten, die durch diese Maßnahmen verursacht werden, durch deren Wirksamkeit gerechtfertigt werden, oder auch nur
  2. Untersuchungen oder Studien gibt, die belegen, daß diese überhaupt irgendeine Wirkung im Hinblick auf “bessere Sicherheit des Bürgers” vor schwerer Kriminalität mit sich bringen,

bekommt man schlicht keine Antwort – zumindest nicht von den “Volksvertretern”(?) der beiden großen Parteien, bei denen in der Diskussion um Freiheit vs. Überwachungsphantastereien mittlerweile offensichtlich gerade mal noch Parteipolitik geht. Bedenklich, frustrierend, desillusionierend…

Nachtrag: Same all over, wie’s aussieht, so auch in God’s Own Country: “US-Überwachungsgesetz soll deutlich ausgeweitet werden”. Ob die westliche, freiheitlich-demokratische Gesellschaft den Kampf gegen den Terror wohl gewinnen wird, wenn sie sich selbst auf dem Weg dahin bereitwillig auflöst und auslöscht?

Gedanken zum “White Band Day”

Wednesday, October 17th, 2007

Heute ist der 17. Oktober, Internationaler Tag der Armutsbekämpfung. Ein paar Gedanken und Zahlen dazu:

Und selbst angesichts dieser Zahlen diskutieren wir im Lande lieber, wie wir die Folgen dieser Schieflagen und Ungerechtigkeiten, Kriege und globale Gewalt, durch Restriktionen und Überwachung kompensieren können, anstelle diesen Bedrohungen gezielt die Ursachen zu entziehen…

Lobby-Arbeit und Transparenz

Tuesday, October 16th, 2007

LobbyControl und verschiedene andere europäische NGOs rufen dieser Tage wieder einmal zur Abgabe von Stimmen für die Verleihung des Worst EU Lobbying Award 2007 an Unternehmen, Lobby-Organisationen, Einzel-Personen, deren Arbeit im zurückliegenden Jahr einmal mehr für Sternstunden “unabhängiger Politik” in der Europäischen Union gesorgt haben. Abstimmen kann jeder, der über eine E-Mail – Adresse und halbwegs ausgeprägtes politisches Interesse verfügt…

Einen Steinwurf weiter zeigt sich bei telepolis, warum sämtliche Aktivitäten, die für mehr Transparenz in Europa arbeiten, eigentlich uneingeschränkt unterstützenswert sind – ‘EU will schwedische Verfassung brechen’:


Das Öffentlichkeitsprinzip machte es möglich, dass Greenpeace Einsicht in Informationen über gentechnisch veränderten Mais des Saatgutkonzerns Monsanto bekam. Die EU-Kommission sieht darin einen Verstoß gegen die EU-Richtlinie zu genveränderten Organismen.

In den Niederlanden war das Anliegen von Greenpeace zuvor abgelehnt worden. Auch die schwedische Regierung weigerte sich anfangs Akteneinsicht zu gewähren: Erst nachdem ein Gericht sie mit Hinweis auf das Öffentlichkeitsprinzip dazu verpflichtete, konnte Greenpeace die Informationen einsehen.

Nun ja. Herr Kantel bringt angesichts dessen wieder einmal den Terminus ‘Bananenrepublik EU’ ins Rennen, und man ist mehr als geneigt, dem zuzustimmen…

[german]‘zeitgeisty’: Community für freie Lizenzen?[/german][english]‘zeitgeisty’: free licenses community?[/english]

Monday, October 15th, 2007

[english]Creative Commons licenses have been around for quite a while now, and by now there also is quite a bunch of followers who believe in the idea of using free licenses for publishing self-made content. Unfortunately, the existence of “free licenses” by now still is next to unknown among “mainstream” computer users, same as most of the legal aspects of licenses itself, and this is considerably bad given that by now more and more people start uploading photos, videos, music, … using platforms like Flickripernity, deviantArt or youtube without second thought about rights and licenses, without second thought on what possibly happens to their works after they just uploaded it. There is a bunch of reasons for that, I guess, ranging from lack of knowledge to total ignorance in days of “plug-and-play” (‘just switch off your brain, everything’s just a click away…’). For those not knowing yet interested, zeitgeisty by now has started in order to get the idea of free licenses to the masses, by both providing comments, hints and explanations as well as by trying to get actions and events planned and done to spread the idea of “free licenses” among computer and internet users on- as well as offline. Seems to be a rather good thing to me, especially because I am also using a CreativeCommons license for content published here and in the pictorial… ;)[/english]
[german]CreativeCommons-Lizenzen gibt’s schon seit einer Weile, und ebenso gibt es eine mittlerweile recht große Bandbreite an Autoren von Inhalten, die an die Idee “freier Lizenzen” glauben, diese für die Veröffentlichung ihrer Inhalte nutzen. Dummerweise sind “freie Lizenzen”, oder auch nur die rechtlichen Aspekte von Lizenzen überhaupt, vermutlich der Masse jener Nutzer unbekannt, die dieser Tage Inhalte über Plattformen wie Flickripernity, deviantArt oder youtube veröffentlichen, ohne wirklich darüber nachzudenken, was dort mit den Inhalten passiert und wer welche Rechte an ebendiesen hat oder damit erwirbt. Vermutlich gibt es dafür eine ganze Reihe von Gründen zwischen purer Unwissenheit und absoluter Ignoranz (im “Spaß”-Zeitalter, in dem man ganz gut das Gehirn ausschalten und stumpf drauflosklicken kann). Um zumindest jenen zu helfen, die zwar interessiert, aber unwissend sind, gibt’s mit zeitgeisty nunmehr den Versuch einer Plattform, um Informationen über CC-Lizenzen an eine große Masse zu bringen. Zur Zeit geschieht dies wohl im Wesentlichen über ein Weblog, das Erklärungen, Links und sonstiges Nützliches bietet; perspektivisch sollen durch die zeitgeisty-Aktivisten auch weitergehende Veranstaltungen und Aktionen geplant werden, um Nutzer on- wie auch offline von Sinn und Nutzen der Creative-Commons – Lizenzen zu überzeugen. Schon da auch die Inhalte auf dieser Site und im pictorial unter CreativeCommons-Lizenzen stehen, halte ich dies natürlich für eine gute Sache… mal sehen, was es bringt.[/german]

Geschichtliche Einsichten

Monday, October 15th, 2007

einsichten.jpg

gefunden derzeit an Dresdner Litfaßsäulen als Werbung für eine neue Dauerausstellung des ‘Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig’:


„Die Dauerausstellung zeigt das SED-Regime zwischen Verführung und Gewalt, Zustimmung und Unterdrückung, und richtet sich damit gegen jede Tendenz der Verharmlosung. Ein besonderer Schwerpunkt gilt der Zivilcourage Ostdeutscher in der zweiten deutschen Diktatur“, betont Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte.

Sehens- und berücksichtigenswert, meine ich – sowohl im Hinblick auf das äußerst nervige (kommerzielle) Ostalgie-Gedödel von gewissen Fernsehsendern, aber auch im Hinblick auf gewisse politische Tendenzen insbesondere in der inneren Sicherheit, denen wir uns dieser Tage ausgesetzt sehen (interessant hierzu auch diese Gegenüberstellung auf dingens.org). Man sollte das Poster in Größenordnungen an gewisse Leute im Land verschicken…

Schutz des Denkens

Wednesday, October 10th, 2007

Zitiert von heise.de, nicht nur, weil ich Professor Pfitzmann für einen der fähigsten Köpfe halte, den die deutsche Informatik-Landschaft im Hinblick auf Datenschutz/-sicherheit derzeit zu bieten hat, sondern auch, weil die Argumentation schlicht schlüssig ist:


Für Pfitzmann ist eine Debatte, die die Online-Durchsuchung nur unter dem Artikel 13 des Grundgesetzes (Unverletzlichkeit der Wohnung) wertet, rückwärtsgewandt. Vielmehr müsse überlegt werden, wie sich die Zukunft der Computertechnik gestalten wird. Mensch und Computer würden in naher Zukunft immer engere symbiotische Verbindungen eingehen, wie es bei Menschen mit intelligenten Hörgeräten heute bereits ersichtlich werde: “Wir werden in diese Rechner zunehmend verloren gegangene Fähigkeiten auslagern, um sie so wiederzugewinnen. Wir werden an sie persönlichste Denk- und Merkfunktionen delegieren, um uns zu entlasten”, so Pfitzmann in seiner Argumentation.
[...]
Seine Ausführungen verband der Dresdener Informatiker mit einer Bemerkung zur Wahrnehmung der heutigen Lebensrealitität durch unterschiedliche Segmente der Bevölkerung. Für diejenigen, die sich nicht für die Digitalisierung interessieren oder über sie reden, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was sich verändert, sei die Online-Durchsuchung eine einfache Technik. Für die anderen sei sie hingegen der direkte, einschneidende Eingriff in das eigene Leben..

Schwierig nun: Wie vermittelt man so etwas Politikern, die (bestenfalls) genau zu ersterer zitierten Gruppe gehören, die Online-Durchsuchung als eine einfache, bequeme Technik betrachten, deren genaue inhaltliche, technische, rechtliche, … Wirkung ihnen aber gänzlich verborgen bleibt? Schade, daß man nicht mit Fachwissen vorbelastet sein muß, um Entscheidungen zu treffen…