Archive for February, 2007

Informationen überdauern Technologie

Tuesday, February 20th, 2007

Daß man im Hause Sun (wo neben anderer interessanter Software auch OpenOffice wohnt) in der Diskussion um OpenDocument und Microsofts OpenXML eine sehr klare Meinung hat, bedarf vermutlich keiner weiteren Erklärung, und mit dem eigenen Werkzeug zur “Umstellung” von Microsoft Office auf ODF hat man hier auch recht schnell sichtbare Fakten geschaffen.

Warum sollte das interessant sein? Dazu hat’s einen sehr lesenswerten Post im Weblog von Sun-Kopf Jonathan Schwartz, auf Deutsch ‘Meine Familienfotos und ODF’:


Stellen Sie sich vor, Sie sind Gesetzgeber und verfassen ein Gesetz. Oder Sie sind Arzt und schreiben einen Patientenbericht. Oder Student und schreiben einen Roman. Und in fünf oder auch fünfzig Jahren möchten Sie wieder auf Ihre Dokumente zugreifen können. Nur leider gibt es den Hersteller, mit dessen Anwendung Sie die Dokumente erstellt haben, also die Firma, die das Textverarbeitungsprogramm entwickelt hat, nicht mehr, oder Sie sollen nun plötzlich 10.000 € für eine Version bezahlen, mit der Sie alte Dateiformate lesen können. Beide Beispiele machen klar: Informationen überdauern immer die Technologie.

Lesen, ausdrucken, verteilen.

flickr – yahoo = zooomr?

Friday, February 16th, 2007

Most people by now knew that flickr, an incredibly popular image-sharing service which I also make use of once in a while has been acquired by Yahoo! quite a while (almost exactly two years) ago. Most of this time, flickr was usable to both those who were “old-school” flickr members who just had flickr authentication credentials and those who tried logging in there using their Yahoo! account. This now has sort of changed: Starting February 15, 2007, you need to have a Yahoo! account to actually use flickr.

Technically, I can understand this as indeed maintaining two ways of access authentication might be painful (even though one should consider this a pain that easily might be addressed at a very low level given a good software architecture). However, there also has been extensive criticisms on flickr being part of Yahoo! because of the way Yahoo! more than once (ab)used pictures posted by flickr users. I am not sure about this. Likewise, I haven’t really been that much enthusiastic about all the “Camera Guide” / statistics around flickr recently simply because I think talking about imaging and photography should be about pictures and works rather than about tools and equipment. By now, I still enjoy hanging around at flickr simply because of the fact that so far this has been the only site explicitely providing me with a fine-grained choice of CreativeCommons-licenses for my pictures.

Anyhow, by today I also signed up for an account at zooomr, which so far seems to be rather promising – let’s see what will grow out of this. Probably services like this might attract quite a bunch more people now that flickr is ‘Yahoo!ed’ even a little more…

The Vision of Mozilla

Wednesday, February 14th, 2007

For all those who like to read papers that range somewhere in between technology and society: Check this draft of an emerging Mozilla Manifesto, focused on pushing forth “the internet” as an open, accessible environment to be used for both commercial and public interests. Looking at this sort of tools as “cultural technology” rather than just shiny new gadgets for a society of consumers in dire need of new entertainment surely makes sense, especially comparing to, say, the “entertainment overhead” in Windows Vista. It’s not just about entertaining people, making people consume content – it’s about creativity, communication, expression, as well. With software pursuing this vision right in place, all that is left to do is to establish free/inexpensive internet connectivity to support that idea…

Unsinn “Bundestrojaner”

Tuesday, February 13th, 2007

Die Debatte um den sogenannten “Bundestrojaner” respektive die heimliche Online-Durchsuchung von vernetzen PCs durch Polizei und Verfassungsschutz wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Persönlich hoffe ich inständig, daß das zurückliegende Urteil des BGH in dieser Sache nicht zu einer Gesetzesänderung führt, auf deren Basis derartiges Eindringen in die Privatsphäre von Nutzern doch noch ermöglicht wird, sondern Zeit schafft, um noch einmal konkret nachzudenken über das, was dort eigentlich getan werden soll. Persönlich habe ich aus verschiedenen Aspekten heraus ausgesprochene Vorbehalte gegen die Idee, PCs von potentiell beliebigen Personen heimlich und ohne deren Wissen zu durchsuchen mit einem Werkzeug, welches in Struktur und Verhalten gegenwärtiger Schadsoftware bedenklich nahekommt.

Der Datenschutz-Aspekt: Eine bewußte, aktive Kontrolle der Daten auf einem PC durch Sicherheitsbehörden wäre vermutlich auch schon im Hinblick auf Privatsphäre ein ausgesprochen drastischer Eingriff. Passiert dies unbemerkt im Hintergrund, erhält die Problematik eine ganz neue Qualität – im Grunde genommen kann der Nutzer dann, sobald er dieser Einflußnahme gewahr wird, die Integrität seines gesamten Datenbestandes in Frage stellen: Wer garantiert ihm, daß sich die Software auf das Ausspähen von Informationen beschränkt, nicht etwa Daten gelöscht, verändert oder gar hinzugefügt hat? Welche Aussagekraft hat, umgekehrt, das Auffinden von Daten auf einem persönlichen PC, wenn dieser zuvor unter Fremdkontrolle durch ohne Wissen des Nutzers aufgebrachte Software gewesen ist? Bei gegenwärtigen Festplatten-Kapazitäten wird ein Nutzer schwerlich die vollständige Liste aller Dateien auf seinem System im Kopf haben, um feststellen zu können, ob nach einer derartigen Online-Durchsuchung nicht etwa Dateien angelegt oder gelöscht wurden? Von den Inhalten komplexer Dokumente wollen wir erst einmal noch gar nicht reden. Was dort dann bleibt: Herausfinden, wie lang der eigene Rechner unter dem Einfluß der Software gewesen ist, danach Neu-Installation und Wiederherstellen des letzten vor der “Infektion” erzeugten Backups.

Der administrative Aspekt: Als Administrator eines Firmen-Netzwerkes werde ich dafür beschäftigt und bezahlt, die Integrität der Daten in diesem sowie die Verfügbarkeit der den Kunden gegenüber zugesicherten Dienste zu gewährleisten. Ein Teil der Maßnahmen, dies zu realisieren, besteht darin, daß ich als Administrator explizit bestimme, welche Software auf den Systemen, für die ich verantwortlich bin, installiert ist, welche Dienste dort betrieben werden und wer auf den Rechner zugreifen kann. Die Installation von über externe Netze erreichbaren Diensten (Trojaner, Spyware, …) ist ein erheblicher Eingriff in meine administrative Arbeit. Das Einbringen solcher Software, ganz gleich durch wen und mit welcher Motivation, erfüllt in meinem Verständnis den Tatbestand der Computersabotage und würde, praktisch erkannt, höchstwahrscheinlich zunächst in einer Strafanzeige gegen unbekannt enden. Für meine Begriffe wären die entsprechenden Paragraphen an eine eventuelle Gesetzgebung zur Legalisierung heimlicher PC-Onlinedurchsuchungen anzupassen, was andererseits recht klar aufzeigen würde, welcher Natur diese Maßnahme im Grunde genommen ist.

Der technische Aspekt: Es ist sinnlos, weil nicht praktikabel! Die Online-Durchsuchung, heimlich oder nicht, von PCs wird vermutlich nicht den geringsten Wert haben, sobald tatsächliche Kriminelle (daß auch solche Menschen Computer nutzen, steht außer Frage) auf diese Möglichkeit des Eingriffes durch Behörden aufmerksam werden und merken, daß die Umgehung dieser Art der Überwachung ausgesprochen trivial sein dürfte. Ein paar Ideen hierzu:

  • Angesichts der gegenwärtigen PC-Preise ist die Investition in einen Zweitcomputer, auf dem die tatsächlich belastenden Daten abgelegt sind, durchaus vertretbar. Im besten Fall ist dann der PC, der online ist, nur ein Kommunikations-Endpunkt, auf dem vielleicht ein paar E-Mails, ein paar Urlaubsfotos, ein bisschen temporärer Speicher des Web-Browsers, aber ansonsten keine wichtigen Daten liegen. Bringt der Kriminelle nun belastende Daten (etwa für den Versand per E-Mail) auf den mit dem Netz verbundenen Computer, existieren mehr als genug Möglichkeiten von leistungsfähiger computerbasierter Verschlüsselung über Steganografie bis hin zu simplen, nur Eingeweihten bekannten “Geheimsprachen” und Codes, um diese Daten für den Zeitraum der Übertragung so zu verschlüsseln, daß ein Entschlüsseln zumindest beträchtlichen Zeitaufwand mit sich bringt.
  • Die Online-Durchsuchung greift gnadenlos ins Leere, wenn der Nutzer nicht dauerhaft online ist. Wieviele Daten lassen sich durchsuchen, wenn die Maschine nur eine halbe Stunde pro Tag (vielleicht noch über ISDN oder Modem) mit dem Internet verbunden ist, um Mails zu senden und zu empfangen?
  • Gegenwärtig übliche PC-Festplatten haben Kapazitäten weit jenseits der 100GB-Grenze. Nehmen wir eine über mehrere Jahre ohne Neuinstallation betriebene Arbeitsumgebung vor, in der tatsächlich gearbeitet wurde: Für gewöhnlich fällt es (insbesondere auf Windows-Plattformen) schon dem durchschnittlichen Nutzer nach dieser Zeit noch schwer, seine über Ordner, Unterordner und Partitionen verteilten Daten wiederzufinden. Wenn man nicht weiß, wonach man sucht (nur in grenzenloser Naivität kann man wohl davon ausgehen, daß Kriminelle belastende Daten auf ihrer Festplatte mit entsprechenden, leicht auffindbaren Namen versehen speichern…), dürfte das Durchsuchen etwa einer gut gefüllten 300GB-Festplatte eine Aufgabe sein, die mehrere Beamte über mehrere Tage hinweg voll auslastet (und auch das dann nur unter der Maßgabe, daß der Rechner permanent mit dem Netz verbunden ist – siehe oben). Wenn wir eventuell sogar über ganze Netzwerk-Bereiche, USB-Festplatten oder NAS-Appliances reden, wird die Sache sehr schnell noch sehr viel extremer. Gleiches gilt für Ablage-Strukturen, die mitnichten standardisiert und weitestgehend abhängig von Geschmack und Gewohnheit des PC-Nutzers sind.
  • Auch auf einer PC-Festplatte lassen sich Daten verschlüsseln, und nahezu alle gängigen Betriebssysteme (Windows, Linux, MacOS X, …) bringen dafür Werkzeuge mit, die den Zugriff auf derart geschützte Daten entweder vollständig oder nur für “unerlaubte Programme” blockieren. Auch hier ist bestenfalls (mithin unter Verwendung von Algorithmen, die per Brute-Force oder bekannter Schwächen zu kompromittieren sind) Zeitaufwand zu erwarten, um dann vielleicht festzustellen, daß der PC-Nutzer lediglich ein paar “anstößige” Bilder den Blicken seiner Kinder entziehen wollte.
  • Stichwort Virtualisierung: Derzeit existiert eine wachsende Menge verschiedener Ansätze, um auf einem physikalischen PC mehrere logische (virtuelle) Maschinen zu betreiben (Xen, VMware, Solaris Zones, Linux-KVM, qemu, …). Was, wenn der Teil des Computers, der “mit dem Netz verbunden” ist, in einer solchen Maschine wohnt und das “umgebende” System gar nicht kennt? Was, wenn die belastenden Daten, die die Online-Durchsuchung bringen soll, in einer solchen virtuellen Maschine leben, die vom umgebenden System aus bestenfalls via Netzwerk einsehbar ist (so sie denn gerade läuft)? Wie umgehen mit der Vielzahl verschiedener Technologien, die genau dies teilweise kinderleicht realisieren?

Dazu könnten einem sicher noch mehr Ideen einfallen (fühlt Euch frei, die Kommentar-Funktion reichlich zu nutzen… ;) ); alles in allem bleibt die Online-Durchsuchung für mich ein Instrument, das rechtlich, freiheitlich wie auch technisch bestenfalls fragwürdig ist. Kann man eigentlich nur noch auf ein Minimum verbliebener Vernunft im “Überwachung-ist-Sicherheit” – Zeitalter hoffen und/oder die eigenen Abgeordneten auf dieses Thema anstoßen. Vielleicht hilft’s ja doch…

Gutmenschen?

Monday, February 12th, 2007

Ich bin vor ein paar Tagen auf einer Site (kein Link dorthin, weil ich Publicity dafür nicht für notwendig erachte) über den Begriff “Gutmensch” gestolpert, den ich zunächst nicht so recht einzuordnen vermochte. Mittlerweile habe ich aber einen relativ klaren Standpunkt dazu und finde, daß man in seriöser,sachlicher Kommunikation auf solche Begrifflichkeiten ganz gut verzichten kann, unabhängig davon, um welches Thema es konkret geht.

Nehmen wir Meinungsfreiheit als Beispiel: Meinungsfreiheit sollte nicht heißen, daß wir die Meinung anderer zwingend gutheißen oder teilen müssen. Aber wir sollten, wenn uns Meinungsfreiheit wichtig ist, in der Lage sein, von der unseren differierende Meinungen zu akzeptieren und sachlich behandeln zu können, ohne in Polemik oder Beleidigungen zu verfallen. Das ist scheinbar simpel, wenn die größtmögliche “Kluft” zwischen konträren Meinungen die Frage darstellt, ob es die besseren Burger bei McDonalds oder doch eher bei Burger King gibt. Aber genaugenommen richtig schwierig wird Meinungsfreiheit doch eigentlich erst in Situationen, in denen die Kluft deutlich größer ist, in denen die Meinung so diametral zur unseren ist, daß es uns Kraft kostet, diese zu akzeptieren, das Ideal der Meinungsfreiheit immer noch als gut und wichtig hochzuhalten.

Oder, anderes Beispiel, Religionsfreiheit: So etwas ist leicht in einem Land, in dem seit scheinbar endlosen Zeiten die “Kluft” zwischen Katholiken und Protestanten die größte Differenz ist, die diese Freiheit zu überbrücken hatte. Emotionalisiert betrachtet kann auch hier das Gewähren von Religionsfreiheit schwerfallen; wichtig hingegen scheint sie auch in diesem Kontext erst, wenn noch völlig andere, mit teilweise komplett anderen Ideen und Idealen ausgestattete Glaubensrichtung ins Spiel kommen, die zu akzeptieren uns kaum möglich scheint, insbesondere weil wir mutmaßen, daß sie uns “auch nicht” akzeptieren.

Was ist also richtig? Sollte man derartige Rechte, Freiheiten, … bedingungslos und konsequent verfolgen, unabhängig davon, wie groß die jeweilige “Kluft” ist? Oder sollte man dort Grenzen ziehen, innerhalb derer, die diese Werte gelten? Ist “Meinungsfreiheit” gegenüber jenen akzeptabel, die ihrerseits nicht viel davon halten? Prinzipiell kann und wird das jeder sehen, wie er/sie will, und (wiederum praktizierte Meinungsfreiheit) das scheint auch gut so.

Wo ist aber die Beziehung zum Begriff “Gutmensch”, auf dem ich eingangs herumgeritten bin? Soweit ich das bislang erleben durfte, kommt der Term “Gutmensch” in der großen Anzahl der Fälle von jenen, die letzerem Weg folgen – Freiheiten und Rechte nur innerhalb gewisser Grenzen, keinesfalls “absolut” oder “allgemeingültig” zu vertreten – was man, wie schon gesagt, akzeptieren kann, auch wenn man es nicht notwendigerweise teilt. Der Begriff “Gutmensch” zeigt hier die Grenzen dieser Rechte und Freiheiten auf: Der Punkt, an dem sachliche, inhaltliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen möglich ist, ist überschritten; ab hier setzt man lieber auf persönliche Angriffe, verläßt man das Gebiet der Ideale, die einem eigentlich selbst wichtig sind. Und statt objektiver, nüchterner Debatte definiert man sich einerseits selbst als höchsten moralischen / ethischen Maßstab, wirft genau dies aber jenen vor, die sich eben (aus welchen Gründen auch immer) entschieden haben, prinzipiell denselben Idealen zu folgen, diese aber eben vielleicht ein wenig weiter fassen, ein wenig absoluter auslegen.

Im Grunde genommen kann’s einem ja auch egal sein, kann man derartige Äußerungen wahlweise als Angriffe oder als Manipulationsversuche werten und locker ignorieren. Vielleicht könnte man jenen, der andere als “Gutmenschen” diffamiert, als Menschen bezeichnen, der Ideale nur so weit zu verfolgen gewillt ist, soweit dies leicht und bequem ist, und kein Verständnis für jene aufbringt, die dies auch noch dann versuchen, wenn es eben schwierig, anstrengend, belastend wird. Aber vielleicht ist das auch unbedeutend – schließlich muß man ja auch, wenn einem Meinungsfreiheit uneingeschränkt wichtig ist, nicht alle anderen Standpunkte teilen… Apropos andere Standpunkte: Hier nur zwei zum Thema bei alteeule und b.l.o.g. – die Menge der Kommentare in beiden Fällen spricht wohl für sich. Read for yourself…

Freie Netze, Freies Wissen.

Friday, February 9th, 2007

Für alle die, die noch das Glück eines stabilen Internetzuganges haben: “Freie Netze, Freies Wissen” ist ein umfangreiches, sowohl als PDF als auch als Totbaum-Variante erschienenes Buch, das sich auf reichlich 340 Seiten in Beiträgen von Autoren wie Richard Stallman, Lawrence Lessig, Anne Margulies vom OpenCourseWare-Projekt des MIT oder dem Science-Fiction – Autor Herbert W. Franke mit den verschiedenen Aspekten von Freiheiten im Zugang zu Netzen, zu Wissen, zu Kommunikation in unserem sogenannten “Informationszeitalter” beschäftigt. Lesenswerter Stoff, der meinen To-Read – Stapel erneut wachsen läßt. Entweder ich sollte mich in der Tat in einer Zeitschleife einquartieren oder weniger Feeds abonnieren, damit die Menge der Inspirationen etwas eingedämmt wird. However. Hingehen und angucken. :)

(via futurezone.orf.at)

1&1: Hilfe, Kunden!

Friday, February 9th, 2007

Mein Vater führt dieser Tage einen Kampf, für den er mein vollstes Bedauern hat. Das Szenario, das ich auch schon leidvoll erleben durfte, ist an sich relativ einfach und trotzdem maßlos frustrierend, wie ich erst vor ein paar Tagen feststellen konnte: 1&1 sind ein sehr guter Provider, wenn alles reibungslos funktioniert und für den Kunden keine Notwendigkeit besteht, in irgendeiner Form Service- oder Support-Ansprüche zu hegen. Sobald sich dieser Zustand jedoch ändert, beginnen die Dinge äußerst unangenehm zu werden.

Dann merkt man einmal mehr, wieso an der bösen Behauptung von der “Service-Wüste Deutschland” durchaus Wahrheit ist. Dann merkt man, daß auch die zwanzigste Quality-Management – Mail von 1&1 keinen professionellen oder um Kundenzufriedenheit bemühten Eindruck mehr hinterläßt, wenn man schon auf ihre neunzehn Vorgänger mit einer “1″ für die Freundlichkeit der Mitarbeiter und Note “6″ für alle anderen Optionen geantwortet hat, weil es der Support nicht auf die Reihe bekommt, konkrete Kundenprobleme jenseits aller Höflichkeitsfloskeln tatsächlich zu lösen. Konstatieren wir:

  • Daß der Telefon-Support (noch mehr im Hinblick auf die manchmal enervierend langen Warteschleifen, die vermuten lassen, das 1&1-Callcenter-Personal sei auf Firmen-Ferienreise gen Malle entschwunden) ausgesprochen preisintensiv ist, stört schon, ist aber wohl das notwendige Übel angesichts der moderaten Tarife für die DSL-Leitungen und die Tatsache, daß ja letztlich irgendjemand das alles bezahlen muß. (Querfinanzierung von zu niedrig kalkulierten DSL-Flatrates durch teure Hotline-Nummern? Ein Schelm, der Böses dabei denkt… .)
  • Daß man sich im Support durch endlos lange Menüs hangeln muß und dabei oft an der falschen Stelle endet (die für das bewußte Problem entweder grundsätzlich oder im aktuellen Bearbeitungsstand nicht zuständig ist), gehört wohl auch zum organisatorischen Engpaß und/oder dem Kalkül, ebenso die nicht vorhandenen oder (aus IT-Sicht) miserabel integrierten CRM-Systeme in den verschiedenen Abteilungen: Daß man innerhalb von einer halben Stunde zwei, drei Gespräche (mehr geht aufgrund der Warteschleifen nicht) mit verschiedenen Mitarbeitern verschiedener Abteilungen hat und jedes Mal wieder seine komplette Lebensgeschichte erzählen muß, ist für ein Dienstleistungsunternehmen in der IT-Branche ein Armutszeugnis sondergleichen.
  • Ebenso “qualifiziert” agiert der Support von 1&1 als Kommunikationsunternehmen im Hinblick auf tatsächliche Kunden-Kommunikation: Rückmeldungen und -rufe werden schnell zugesichert, aber in den absolut seltensten Fällen tatsächlich realisiert. Briefpost wird offensichtlich grundsätzlich ignoriert oder indiskutabel zeitverzögert bearbeitet, und bei E-Mail scheint es Glückssache zu sein, ob die Antwort nach einem Tag oder einer Woche eintrifft (was aber im Extremfall nicht wirklich viel Unterschied macht – das Lesen von Mails ist schwierig, wenn man providerbedingt offline ist).
  • Aber, und das ist das Schlimmste an der Sache: Die Support-Mitarbeiter von 1&1 sind über weite Strecken inkompetent. Nicht “inkompetent” im Sinne von “dumm” oder “schlecht ausgebildet”, aber “inkompetent” im Sinne von “nicht mit genügend Wissen oder Befugnissen ausgestattet, um Kundenprobleme schnell und nachhaltig zu lösen”. Wie schon angedeutet, ist die unsägliche Situation des Netz-Zuganges über T-Com ein Problem, an dem 1&1 und andere Provider nur bedingt schuldig sind – hier haben andere Stellen zu anderer Zeit einfach geschlampt und es damit sträflich versäumt, in einer Zukunftsbranche eine zukunftssichere Lösung auf den Weg zu bringen. Nur: Fühlt Euch eingeladen, im eigener Geschäftskommunikation einmal zu testen, wie lange der erboste Kunde am anderen Ende der Leitung mit Schuldzuweisungen an Dritte beruhigt werden kann, und wann ihm einfach der Kragen platzt und er darauf hinweist, daß ihn Eure Probleme eigentlich herzlich wenig interessieren. Dito hier – wenn ich einen Vertrag mit 1&1 habe, interessieren mich Schwierigkeiten, die 1&1 mit der T-Com beim Schalten von Anschlüssen hat, überhaupt nicht. Zudem steht die Frage, wie lang sich 1&1 mit Entschuldigungen der Art “Sorry, mein Chef hat keinen Lohn überwiesen” hinhalten lassen würden, wenn der Kunde seinen vertraglich festgelegten Zahlungspflichten nicht mehr nachkommt. Hier aber scheint überall noch eine gute alte Mentalität zu existieren, die den Kunden als Bittsteller und das Unternehmen als Gönner sieht, der sich eventuell dazu bewegen läßt, dem Kunden den einen oder anderen Service bereitzustellen. Im Zeitalter von Dienstleistungen-all-over wird es höchste Zeit, diesen alten Zopf abzuschneiden und zu verbrennen.

Im Falle von 1&1 ist klar, worauf das hinausläuft: Daß mit DSL-Flatrates zum Kampfpreis auf Dauer kein teurer und umfassender Support für alle Kunden zu bieten ist, ist wohl einzusehen. Trotz allem sollte man sich auch in Montabaur langsam, aber sicher Gedanken um den Ruf des eigenen Unternehmens machen – wenn ich dieser Tage eine relativ häufig genutzte Suchmaschine nach Erfahrungsberichten mit 1&1 befrage, dann ist die Menge an Statements von verärgerten Kunden, die miserablen Service und endlos lange Wartezeiten beklagen, erschreckend lang, sind die Muster immer diesselben. Derartige Erkenntnisse werden meine perspektivischen Entscheidungen auch als Geschäftskunde definitiv beeinflussen, und dazu gehört nicht nur die DSL-Sparte: 1&1 hatten über Jahre hinweg einen recht guten Ruf als Web-/Server-Provider, den sie sich nunmehr langsam, aber sicher als Kollateralschaden des DSL-Desasters selbst demontieren. Dort sollte man sich die Frage stellen, ob der Endkunden-DSL-Markt so viel abwirft, daß man dieses Geschäftsfeld auf Krampf beackern muß. Wenn nicht, dann sollte man’s lassen und sich auf die Dinge konzentrieren, die man kann. Wenn ja, dann sollte man auch dort Qualität liefern; Qualität, die sich in kompetentem und schnellem (meinetwegen dann auch teurem) Service zeigt. Aber von wahrnehmbarer Qualität sind 1&1 in dieser Sparte Lichtjahre entfernt.

Bundestrojaner und Entscheidungsträger

Thursday, February 8th, 2007

Auf taz.de findet sich ein lesenswertes Interview mit unserem verehrten Herrn Innenminister zum Thema “Online-Durchsuchung von PCs”, welches (abgesehen davon, daß es einmal mehr das Gefühl von Entscheidungsträgern vermittelt, die über Dinge diskutieren und entscheiden, hinsichtlich derer sie sich in völliger Unkenntnis bewegen) durchaus angetan ist, einem die Galle hochkommen zu lassen:


Auf der Computerfestplatte findet man auch sehr persönliche Details zu Liebe, Gesundheit und Steuererklärung. Wie wollen Sie den “Kernbereich privater Lebensführung”, dessen Schutz das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe besonders angemahnt hat, beachten?

Ich kenne und respektiere die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Schutz der Privatsphäre. Aber wir müssen auch sehen, dass dieser Schutz in der Alltagswirklichkeit praktikabel bleibt. Verbrecher und Terroristen sind klug genug, so etwas auszunutzen. Die tarnen ihre Informationen dann zum Beispiel als Tagebucheintrag. So leicht dürfen wir es denen nicht machen.

Okay. Nun frage ich mich ernsthaft, wie ein unbeteiligter Dritter definieren kann, ob es sich um einen privaten Tagebuch-Eintrag handelt oder um eine “getarnte terroristische Information” (was auch immer das sein könnte)? Mit dieser Argumentation öffnet man Tür und Tor für einen Überwachungsstaat, in dem jegliche Privatsphäre hinfällig ist. Subtext: “Solang es Freiheiten gibt, werden Terroristen diese mißbrauchen. Also sind wir nur sicher vor Terroristen, wenn wir sämtliche (mißbrauchbaren) Freiheiten abschaffen.” Die CDU auf dem Weg zur totalitären Partei – keine weiteren Worte…

Nachtrag: Lesenswerte Statements zum Thema (die sich allesamt auf das taz-Interview beziehen), haben unter anderem golem.de, heise, netzpolitik.org und der schockwellenreiter. Und es gibt eine Pressemitteilung der Humanistischen Union zur (ersten?) Verfassungsbeschwerde gegen die Online-Durchsuchung.

Während der Lektüre stellt sich mir immer noch brennend eine einzige Frage: Man geht offensichtlich davon aus, daß eine offene Haus-Durchsuchung die Gefahr mit sich bringt, daß ein Täter eventuell belastendes Material schnell / gut genug verbergen kann. Wieso ist man so endlos naiv anzunehmen, daß sich allein angesichts der eventuell bestehenden Möglichkeit einer Online-Durchsuchung im Verborgenen die Täter nicht die gleiche Mühe machen werden, ihre digital gespeicherten Daten mit entsprechenden Werkzeugen zu schützen? Dann nützt auch die Tatsache, daß der Rechner irgendwann mal “ans Internet muß”, nicht wirklich. Für alle, die keine Terroristen sind und trotzdem gern ihre Daten vor Zugriffen durch Dritte schützen will, hat die taz aktuell auch ein paar Überlebenshinweise.