Archive for November, 2006

Killerspiele und Aktionismus

Wednesday, November 29th, 2006

Manche Dinge sind doch (glücklicherweise?) beständig wie Ebbe und Flut. Und so war auch abzusehen, daß der Amoklauf in Emsdetten die übliche Argumentation nach sich ziehen würde: Killerspiele sind böse, weil sie die Gewaltschwelle herabsetzen und unsere Jugendlichen zu hirnlosen Tötungsmaschinen erziehen. Das Internet ist böse, weil es diesen Maschinen dann hilft, problemlos (illegale?) Waffen zu besorgen und Wissen über die Anfertigung von Bomben zu erwerben (welches strenggenommen auch im Chemie-Unterricht gewonnen werden könnte – den der Schüler vielleicht aber lieber schwänzt, um Killerspiele zu zocken). Differenzierte Betrachtungen etwa des Abschiedsbriefes des Täters bleibt lieber außen vor, weil Aussagen der Art

Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin”,

die zu bildende Meinung eher ungünstig beeinflussen könnten. Und dieser stumpf – populistisch – aktionistische Ansatz völlig undifferenzierter Berichterstattung und Diskussion zeigt, laut heise.de, Wirkung:


In einer Erhebung des Sozialforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Magazins Stern teilen 72 Prozent der 1007 Befragten diese Ansicht. 26 Prozent knüpfen keinen Zusammen zwischen Videospielen mit gewalttätigen Darstellungen und den Vorgängen an den Schulen. 59 Prozent befürworten demnach den Vorstoß Niedersachsens und Bayerns, “Killerspiele” zu verbieten, 39 Prozent lehnen ein Verkaufsverbot für diese Art Spiele ab.

Gut. Also können wir uns weiterhin damit auseinandersetzen, den Rauch zu bekämpfen, anstelle wirkliche Probleme zu lösen. Lieber verbieten wir in gutdeutscher Tradition Unbequemes in der Hoffnung, es damit aus dem Sichtfeld zu verbannen, als unsere Heranwachsenden im Umgang damit zu schulen – ungeachtet der völligen Sinnlosigkeit eines solches Unterfangens (anderenfalls sollte man sich die Frage stellen, wieso es auch in Deutschland Jugendliche gibt, die etwa süchtig nach Heroin – mithin einer “verbotenen” Droge – sind…). Lieber schmieden wir neue Gesetze, um Jugendlichen (und perspektivisch vielleicht auch Volljährigen – schließlich war der Amokläufer von Emsdetten ja schon 18 …) “virtuelle Unterhaltungs-Gewalt” zu verbieten, anstelle über sinnvolle Maßnahmen nachzudenken, um unsere Schüler vor realer, alltäglicher Schulhof-Gewalt zu schützen.

Und dann stellt sich natürlich noch die Frage, wann damit begonnen wird, Nachrichtensendungen zu zensieren, um Kinder und Jugendliche abzuhalten von der Vermutung, daß Gewalt zur Lösung von Problemen spätestens in der globalen Welt der “Erwachsenen” ein probates und gern verwendetes Werkzeug ist…

Nachtrag: Einen etwas weniger plakativen Text zum Thema findet der geneigte Leser bei freitag.de (danke an mayo für den Link).

Java, GPL und Novell…

Tuesday, November 21st, 2006

Ein überaus lesenswerter Eintrag im Weblog von Sun-Präsident Jonathan Schwartz, der dankenswerterweise auch dem deutschsprachigen Leser zugänglich ist, verrät Interessantes über die kürzlich Ankündigung des Software-Hauses, Java unter der GPLv2 freizugeben:


Ich möchte nämlich gestehen, dass einer der Hauptgründe für die Verwendung der GPL die letzte Woche erfolgte Ankündigung von Novell und Microsoft war, die suggerierte, dass freie Open-Source-Software nur sicher sei, wenn Lizenzgebühren bezahlt werden. Wie ein Vorstandsmitglied eines der beiden Unternehmen sagte: „Freiheit hat ihren Preis.“

Das ist Unsinn.

Das macht den ansonsten doch sehr, nun, prosaisch geschriebenen Artikel insgesamt lesenswert und zeigt, daß die tendenziell in der FOSS-Community eher verrissene Kooperation zwischen Microsoft und Novell offensichtlich auch gute Seiten hat.

Überwachungsstaat auf ein Neues

Wednesday, November 15th, 2006

Wer sich schön den Mittwoch verderben will, der lese einmal mehr heise: Der Überwachungsstaat nimmt langsam immer konkretere Gestalt an. Die Idee, für das Freischalten eines E-Mail – Accounts einen Personal-Ausweis vorweisen zu müssen, ist vielleicht gar nicht mal der schlimmste Punkt (in der “Offline-Welt” ist es, wenn ich Post empfangen will, auch erforderlich, daß ich irgendwo einen Briefkasten habe an einer Stelle, an der ich entweder wohne oder aber – Postfach – zumindest registriert bin). Bedenklicher stimmt mich das folgende:


Darüber hinaus öffnet der Entwuf eine Hintertür zur Protokollierungspflicht von erfolglosen oder unbeantwortet bleibenden Anrufen sowie die Möglichkeit der Abfrage von Verbindungs- und Standortdaten “in Echtzeit”.

Würde mich interessieren, in welche Richtung dies zu lesen ist – andernfalls wäre das ein “guter” Weg, unliebsame Zeitgenossen durch gekaufte Anrufe “suspekter” Menschen in Mißkredit zu bringen. Aber die deutsche Politik übt sich lieber im gebetsmühlenartigen Herunterleiern des “Mehr Überwachung ist mehr Sicherheit” – Paradigmas, anstelle Diskussion auf Basis von Argumenten zuzulassen. Ich für meinen Teil bin der Ansicht, wir in Deutschland haben genug historische Erfahrungen mit Überwachungs-Regimen, um vorsichtiger und vor allem mittlerweile klüger zu sein…

XP “Professional” und die Dateitypen…

Wednesday, November 15th, 2006

Als jemand, der im Alltagsbetrieb Windows-XP – Arbeitsstationen administriert, muß ich schon gestehen, daß das System erst einmal stabiler als alle seine Vorgänger aus dem Hause Microsoft ist. Das ist vermutlich nicht übermäßig schwierig, aber vermutlich muß man mit wenig zufrieden sein. Was ich jedoch wohl nie verstehen werde: Warum, um alles in der Welt, schafft es ein System mit dem Namenszusatz “Professional” auch im Jahre 2006 noch nicht, den Typ einer gespeicherten Datei zu bestimmen unabhängig von deren Namen, konkret deren Endung? Wie kann es sein, daß das System eifrig und erfolglos versucht, das durch $NUTZER von “report.zip” nach “report.pdf” umbenannte Dokument mit dem installierten Acrobat Reader zu öffnen, ohne dabei anhand weiterer Informationen jenseits des (äußerst vagen, da nun mal durch den Nutzer veränderbaren) Dateinamens die Plausibilität dieses Tuns zu prüfen? Ganz abgesehen davon, daß dies zu äußerst eigenartigen Schlüssen führt (etwa der Idee, Bilder von *.tif nach *.jpg einfach durch Ändern des Namens “konvertieren” zu wollen): Unix hat file, Mac OS lebt seit Jahren auch ohne Dateiendungen ganz gut. Warum um alles in der Welt schafft man es im Hause Microsoft nicht, hier geschicktere Methoden zu implementieren? Die gegenwärtige Lösung ist armselig und spottet jeglicher “Professionalität”.

… and business is good?

Wednesday, November 15th, 2006

I’ve never been too much a fan of online auction places like eBay because I always disliked the idea of “the internet” being reduced to just another vast shopping mall – as if there aren’t enough of those out there in the “real world”. However, by now I am a little more encouraged to stick with this attitude, reading that ebay in China, our most favorite growing economy right now, even goes a little further by allowing auctions of live animals, no matter whether used just as “pets” or as cheap suppliers of meat and/or fur:


This and other atrocities—such as skinning conscious dogs and cats for their fur, which is then exported to the West—is legal and accepted in China because it has no animal protection laws. In the U.S., however, dog and cat fur is prohibited by federal law, as is keeping dogs and cats in conditions such as those shown on the pages of some eBay sellers.

Feel free to send an online mail to eBay here, even though I think it won’t help too much… By now, I see people in Western europe merrily buying iPods manufactured in Chinese sweatshops, I see a company like Google obeying to censorship demands there, and I know that, no matter what we’re talking about, China probably is likely to dictate the way this world will look like, in the future – because they’re up to be the worlds biggest economies, and because “Western countries” won’t think twice selling all their self-made social, moral, ethical values to commercial success over there.

JDK 6 RC, licensing discussion in motion?

Monday, November 13th, 2006

Seems things are getting closer: Java SE 6, the basic Java development and runtime environment, by now is available as a ‘Release Candidate’, the stable version being expected by 12/2006. Still trying to figure out what is actually new, I had to learn that the ‘Features and Enhancements’ document does not yet work properly. Hopefully this is likely to change as the release itself is drawing closer. Note to myself: Check out the Scripting API to be introduced in JSE 6, seems to be a rather interesting feature just asking to play with it.

Talking about changes: The way things look by now, it is at least likely to see Sun Microsystems sooner or later release the JSE using the GPL license, thus not just making it “open source” but also “software libre”. Though this probably is of little interest from a pragmatic point of view, I really hope for that as it would ease JDK inclusion into GNU/Linux distributions, probably would help establishing Java even more as “the standard” for cross-platform applications. And… I wonder what Microsoft is supposed to do about this, looking at its .NET platform, and given that this move is likely to give Java more than just a little boost…

Edit: It’s not likely anymore, it is official by now that, by today, the first piece of the JDK (namely the “javac” compiler) will be released using GPLv2. By now, though, the OpenJDK just ends in a ‘404′. Let’s wait and see…

Der sendende Mensch…

Monday, November 13th, 2006

Ich bin noch unschlüssig, ob technisch interessant, bizarr oder etwas ganz anderes: Sony meldet ein Patent auf “Kopfhörer ohne Kabel” an, bei denen die Signale über die “Oberfläche des menschlichen Körpers” übertragen werden. Daß es funktionieren kann, steht sicherlich außer Frage, aber fernab der Elektrosmog-Diskussion (die vermutlich angesichts der zu erwartenden Signalpegel hier eher punktlos sein sollte): Es ist abzusehen, daß die Freunde von der DRM-Fraktion schon in Alarmbereitschaft sind angesichts der Möglichkeit, “Peer-to-Peer” – Musiktausch in wörtlichem Sinne von “Mensch zu Mensch” offline realisieren zu können, und das ganze vielleicht noch völlig unbemerkt. Nun ja…

Eclipse 3.2 vs. NetBeans 5.5

Thursday, November 9th, 2006

Very well I remember the days I used to do my very first experiments using the Java programming language, utilizing a plain installation vim text editor (which still rocks, but preferrably for purposes other than that) to write .java files and the JDK 1.1 command line tools to build and run the final classes. Somehow, this way one always got stuck between a browser window (for reading across the JDK API documentation) and possibly two different shells – one to build the sources, and another one to immediately fix errors reported by the compiler in the source code. It felt sort of archaic, but it worked.

Though it seems this was only yesterday, now things drastically have changed. There are almost wagonloads of Java development tools around, aiming at making application development using the Java languages more easy, more productive, more “fun”. Some of them are Open Source software, some of them “just” free of charge, some of them packaged software you’re charged more or less money for. Two of them somehow made it to my notebook and now are happily living side-by-side, consuming disk space and being used for different purposes. That’s why, after all, I decided to write a short comparison of Netbeans (in its most up-to-date relese 5.5) and Eclipse (likewise, an installation built atop 3.2/Callisto), looking at what I do with them and why I prefer doing certain things in NetBeans and other things in Eclipse. Read on – but be aware, however, that this is just a personal point of view based upon day-to-day experiences; I hardly could say I really “tested” both tools against each other. However, there are a few points worth noting…

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