Archive for March, 2006

new kid on the block…

Friday, March 24th, 2006

Tatsächlich ist es noch geschehen… nachdem mein geschätzter Studienkollege und Webmaster von discussit.de dank der auch Monate über den genannten Termin hinaus noch zu findenden Vertröstung auf Online-Schaltung im Januar 2006 (…) in letzter Zeit schon gelegentlich Zielscheibe frecher Spötter wurde, ist es nun doch vollbracht, lebt auf der Site ein weiteres wordpress-powered – Weblog mit, wie zu erwarten (oder erhoffen?) war, diskutablem Inhalt und bietet zudem auch einen durchaus gelungenen Einstand in die Welt von XHTML, CSS und Co. Welcome aboard. :)

Diktatur des Eigentums, revisited

Wednesday, March 22nd, 2006

Ohne viele Worte, da man das Thema ohnehin auf den einschlägigen Sites ausführlich nachverfolgen kann: Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wurden am heutigen Mittwoch neue Gesetzgebungen verabschiedet, um Regelungen zum Schutz von Urheberrechten auf etwas zu bringen, von dem man vermutet, daß es ein für das 21. Jahrhundert und die gegebenen technischen Realitäten ein “angemessener Stand” sein könnte.

Es hat keinen Wert, darüber zu diskutieren, vermute ich. Ich glaube nicht, daß sich mittelfristig überhaupt jemals so etwas wie ein “fair use” realisieren lassen würde – zu groß die Lobby der Medienindustrie, die (wie in Frankreich im Falle des Auftretens des Vivendi-Konzerns) massiv in Richtung weitreichender Beschneidung der Kundenrechte drängt, zu groß auch die Masse derer, die (als Nutzer) weit jenseits von “fair use” das Internet als einen Selbstbedienungsladen betrachtet und sich entsprechend, jenseits aller “privaten” oder “fairen” Nutzung, nimmt, was sie kriegen kann. Euch beiden haben wir Reglementierungen zu verdanken, die inmitten der Fronten zwischen mächtigen Konzernen und entrechteten, zu bloßen Konsumenten zusammengestutzten Kunden abstruse Rechtslagen konstruiert, die angetan sind, per se faszinierende und sinnvolle Möglichkeiten neuer Technologien künstlich zu beschränken und zu zerstören. Ignoranz und Dummheit ist schon eine feine Sache. Noch ein Argument mehr, massiv alternative Rechts- und Lizenzmodelle in der digitalen Welt zu unterstützen… oder aber Musik direkt vom Künstler kaufen – gibt’s hier eigentlich schon ein ”Öko-Siegel”, so nach dem Motto “aus freiem Anbau, garantiert ohne industrielle Zusätze”?

Medienrevolution on-line

Wednesday, March 15th, 2006

Und noch mehr lesenswerter Stoff: “Die heimliche Medienrevolution” von Erik Möller, bislang als ‘Totbaum’-Version zu beziehen, findet sich nun auch unter freier Lizenz als PDF und OO-Datei online. Eigentlich Pflichtlektüre für jeden, der sich schon jemals Gedanken darüber gemacht hat, wie Internet, Computer, Flatrates, Wikis  und Blogs auf die “klassische” Medienwelt, geprägt von Radio, TV und Presse, wirken, welche Möglichkeiten sich damit bieten, welche Bedrohungen diese Entwicklung zu überwinden hat. Speichern, lesen… kaufen – das Buch ist durchaus auch Geld wert. :)

(gefunden bei netzpolitik.org)

Patenter Unsinn

Wednesday, March 15th, 2006

Lesenswerter Stoff zur europäischen Patent-Politik und der Art und Weise, wie diese die Legislative dieses Kontinents beeinflußt, während andernorts mehr und mehr Diskussion darüber entsteht, ob das exzessive Patentsystem sein ursprünglich erklärtes Ziel (die Entlohnung von Erfindern für weitreichende Ideen) noch erreicht. Ist es Innovation, Geschenke aus Online-Shops (an andere als die eigene Adresse und in entsprechender Verpackung) zu ermöglichen? Ein System, in dem derartige Trivialitäten patentierungswürdig scheinen, kann schwerlich noch als “innovations- und entwicklungsfördernd” bezeichnet werden – vielmehr bauen hier abstruse Rechtslagen und Schutzrechte auf Nichtigkeiten juristische Minenfelder auf, die Entwicklung in jeglicher Form mittelfristig gravierend blockieren werden. Ob das der Weg sein sollte?

Bildungswüste Deutschland

Tuesday, March 14th, 2006

Wiedermal Telepolis: Der Westen verliert auf dem Weg in die Wissensgesellschaft langsam, aber sicher den Anschluß. Wundert uns das? Wir investieren Geld in alles, nur nicht in Bildung. Die Mainstream-Medien vermitteln nach wie vor, daß Schule und Lernen langweiliger Freizeitverderb ist (und uns davon abhält, in der Wissensgesellschaft, die wir lieber Informationsgesellschaft nennen) Wissen genau wie alles andere nurmehr in großen Mengen zu konsumieren. Visionslosigkeit? Dummheit? Logische Folge einer Gesellschaft, in der “Wirtschaftspolitik” (im Klartext Lobbyismus im Interesse der Großindustrie) und “Zukunftspolitik” nur allzu gern gleichgesetzt werden? Stimmt nachdenklich, lesen und ausdrucken!

(Diktatur des Eigentums)++

Saturday, March 11th, 2006

Wo ist denn die gewohnte Neutralität geblieben? Im Thema Urheberrecht schickt sich jetzt (nachdem in Frankreich nach wie vor rege und bisweilen chaotische Diskussionen zum Thema stattfinden) auch die Schweizer Legislative an, im Rahmen einer Novellierung des Urheberrechts das Umgehen von Knebeltechnologie, ganz gleich aus welchen Gründen, gesetzlich zu unterbinden. Schade, schade, schade… Nicht, daß es mich sonderlich tangieren würde, ob ich nun CDs kopieren kann oder nicht. Aber wenn ich den Kopierschutz umgehen _muß_, um etwa eine CD auf meinem GNU/Linux-System abzuspielen, da der Kopierschutz dafür sorgt, daß das Medium nicht in einem CD-Audio – fähigen CD-ROM – Laufwerk abspielbar ist und die mitgelieferte Software (natürlich) günstigstenfalls noch auf dem Mac, im Allgemeinen aber nur auf Windows läuft… Kann die Musikindustrie mir als Kunden(!) vorschreiben, welche Systemplattform ich verwenden muß, um ihre Produkte zu konsumieren (sprich: zu kaufen und damit meinen Teil dazu beizutragen, ihre Existenz zu sichern)? Ein eigenartiges Verständnis von Marktwirtschaft, weswegen ich Tonträger, die nicht CDA-Standard sind, seit deren Einführung mit Konsequenz boykottiere – auch wenn das nicht immer leicht fällt….

(siehe auch netzpolitik)

Blätterwald der (Des)Informationsgesellschaft

Saturday, March 11th, 2006

Wenn man in der (*hüstel*) IT-Branche arbeitet oder, wie es Volkes Mund wohl formulieren würde, “in Computern macht”, dann bleibt es nicht aus, daß man neben elektronischen Informationsquellen mitunter auch einen Blick in jene monatlichen EDV-Postillen wirft, für deren Lektüre nicht nur ein Web-Browser ausreichend ist, für die man den Gang zum Zeitungskiosk seines Vertrauens antreten muß. Und genau diese Handlung, der physische Erwerb von Zeitungen innerhalb dieses Themenbereichs, gestaltet sich von Monat zu Monat mehr zu einer nervigen Übung, bei der man sich jedes Mal wieder über diesselben Dinge aufregt. Daß sich spätestens mit dem Auftauchen der ComputerBild auch diese Sorte von Zeitungen hin von seriöser Information zu plakativem Schlagwort-Journalismus auf Boulevard-Niveau entwickeln würde, hätte man ja eigentlich absehen können. Entsprechend darf man sich heute, zehn Jahre später, bei der Suche nach Lesenswertem am Kiosk durch einen überwältigenden Schwung an Schmutz kämpfen, durch knallbunt aufgemachte, schon von der optischen Wahrnehmung her jeder Ästhetik konsequente widersprechende Postillen, die sich im Wesentlichen über klare Konzepte zu definieren scheinen:

* Markige Schlagworte auf den Startseiten der Magazine sind immer noch der letzte Schrei. Ganz gleich, ob uns “Unglaubliches” “enthüllt” wird oder uns die Redaktion mit konspirativer Ader in “streng geheime Features” und “nie gesehene Funktionalität” entführt – eigentlich ist es egal, Hauptsache dumm und laut. Daß die “Unglaublichkeit” des Unglaublichen im Allgemeinen nicht länger als ein paar Augenblicke einer kritischen Investigation standhält und die “streng geheimen Features”, mit denen den Käufern MS-Windows-Taschenspielertricks verkauft werden sollen, bei jeder Software mit zumindest halbwegs vorhandenem Anspruch auf Professionalität in der Dokumentation bzw. dem Handbuch zu erwarten sein sollten (dafür gibt es so etwas schließlich), interessiert da augenscheinlich nur noch am Rande.

* Gern gesehen auch in Zeiten omnipräsenter Breitband-Internetzugänge sind DVDs oder CDs mit Software. Auch die kann man den Menschen richtig schön verkaufen – man generiere ein Problem (“Neue Angriffe der Internet-Mafia”) und liefere die Lösungen dazu gleich mit. Natürlich “out-of-the-box” – Produkte, so leicht zu bedienen wie ein Tetrapack mit H-Milch. Daß selbst das beste Schloß nichts nützt, wenn der Nutzer keine Ahnung davon hat, daß er es, um optimalen Nutzen daraus zu erlangen, beim Verlassen seiner Wohnung besser abschließen sollte, tangiert uns doch nicht. Wozu sollten wir Wissen wollen – wir wollen Produkte, möglichst von namhaften Herstellern und möglichst kostenlos! Wir wollen ins Internet, auch wenn es auf unserem Videorecorder schon seit Jahren “12:00″ Uhr ist und wir immer noch nicht wissen, wie wir auf unserem CD-Player die Songs unseres Lieblingsalbums in einer genau von uns definierten Reihenfolge abspielen lassen können…

* Und, finally: Wir wollen Spaß. Uns interessiert eigentlich gar nicht, was man mit Computern und artverwandter Technik alles an sinnvollen Dingen anstellen kann. Kreativität geht uns ab, ebenso das Interesse für aktive Kommunikation über Flirt-Chats hinaus, und das Internet interessiert uns eigentlich auch nur wegen eBay, weswegen das Vermitteln von (ähem…) “ebay – Grundlagenkenntnissen” fester Bestandteil einer jeden “ernstzunehmenden” Computerzeitung sein muß. Apropos Grundlagenkenntnisse und Spaß: Wenn wir grad dabei sind, dann wollen wir natürlich auch wissen, wo man am schnellsten und bequemsten illegal Filme, Musik, Software, Bücher “ziehen” kann. Wiederum bevorzugen wir hierbei die an sich teuren, namhaften “Produkte” – lassen wir den Blick von diesem Paradigma, könnten wir ja feststellen, daß sich im Internet auch tonnenweise lohnenswerter Content findet, der völlig legal frei verwendet werden darf. Aber schließlich schwören wir ja auf Qualität, die ist bekanntlich teuer. Und außerdem: Wir wollen doch nichts stehlen. Wir wollen ja nur wissen, wo wir könnten, wenn wir denn wöllten. Und um uns vor den rechtlichen Konsequenzen solcherlei Wollens zu schützen, brauchen wir natürlich auch wieder die bunte Postille vom Kiosk. Die liefert uns so etwas wie den “ultimativen Download-Browser ‘Dark Fox 1.0′”, die Software für das “Böse”, natürlich auch mundgerecht vorgefertigt und auf eine CD für den Massenmarkt gepreßt. Und die “entschlüsselt” uns auch selbst die “fiesesten Hacker-Tricks” und hinterläßt uns in dem wohligen Gefühl, wahrlich wissend zu sein, nachdem wir in den Tiefen unseres Windows an jener kryptischen Kommandozeile dieses tückische, sagenumwobene Tool entdeckt haben – wie hieß es doch noch? teflon? telnet? Irgendwas in der Richtung jedenfalls…

Im Endeffekt bleibt: Die Ecke meines Lieblings-Zeitungsladens, in der sich EDV-Magazine tummeln, unterscheidet sich optisch von Ferne nur noch marginal von anderen Regalen, in denen etwa bunte Blätter seitenweise Nichtigkeiten über das Sternchen und Pseudo-Prominente verbreiten. Daß neben diesen Blättern auch die Magazine des heise-Verlages sowie zahlreiche Entwickler- und “richtigen” Fachmagazine mit etwas mehr inhaltlichem Tiefgang existieren, tröstet da nur bedingt: Es ist verdammt schade, daß man auch in der Computerwelt nicht darauf verzichten kann, einen Massenmarkt mit 08/15-Massenware künstlich und konsequent zu verdummen. Zweifelsohne bringt die neue Technik jede Menge neue Fragen und Probleme mit sich, mit denen man sich als Einsteiger irgendwie auseinandersetzen muß. Vielleicht wird irgendwann auch einmal ein Computer so weit sein, daß er durch Menschen bedienbar wird über eine Benutzerschnittstelle, die eher ergonomisch und physiologisch denn technisch und marketingstrategisch geprägt ist. Vielleicht gräbt das dann endlich all jenen Presse-Scharlatanen das Wasser ab, welches sie einem großen Publikum als Wein verkaufen wollen. Und vielleicht gefriert die Hölle – naja, lassen wir das.