Archive for March, 2006

Mit dem Wasser steigt die Dummheit…

Friday, March 31st, 2006

Nicht nur beim Blick auf die Elbe während des morgendlichen Arbeitsweges fühlt man sich erinnert an die verheerenden Überflutungen im Herbst 2002, auch angesichts der Berichterstattungen (in den öffentlich-rechtlichen Medien) kommt der bittere Nachgeschmack von sensationshungrigem Katastrophen-Journalismus wieder hoch. Ob es erforderlich ist, daß das ZDF-Morgenmagazin seine ohnehin in vielerlei Hinsicht absolut indiskutable männliche “Wetterfee” Ben Wettervogel vor dem Dresdner Terassenufer bis zur Hüfte in die braune Brühe jagt, um zu beweisen, daß dort in der Tat Hochwasser herrscht, darüber kann man ja vielleicht diskutieren, ebenso darüber, daß zweifelhate Redakteure (Redaktions-Praktikanten?) die Fahrt durch katastrophale Bilder mit prosaisch-blumigen Texten unterlegen müssen. Wenn uns aber der “Beginn der Evakuierungen in Bad Schandau” einen reichlichen Tag später immer noch als “brandaktuell” mit dem Vorsatz “Jetzt müssen die ersten Menschen ihre Häuser verlassen…” verkauft wird, dann stellt man sich schon Fragen. Old news? Sensations-Journalismus auf Kosten der Menschen in den betroffenen Gebieten? Berichterstattung um jeden Preis? Auf jeden Fall disqualifizieren sich die öffentlich-rechtlichen Medien einmal mehr, und einmal mehr befällt mich Zorn, wenn ich sehe, daß ich auch als Gebührenzahler nahezu ohne Einfluß auf dieses unqualifizierte Treiben bin…

Open-Source – Java…

Thursday, March 30th, 2006

…wiedermal. Diesmal in Form eines offenen Briefes von Peter Yared, der an seinen ehemaligen Vorgesetzten, den SUN-Chef Jonathan Schwartz, adressiert ist und einmal mehr darauf abzielt, endlich eine Öffnung des Java-Source-Codes herbeizuführen, mit der Zielrichtung weitreichenderer Integration von Java-Technologie in andere Open-Source – Pakete und beispielsweise die Verwendung der JVM als Basis für Skript-Sprachen wie PHP, Perl oder Python, um damit im LAMP-Umfeld punkten und zudem mit dem Konzept “ein Framework, viele Sprachen” auch Microsofts .NET – Umgebung besser Konkurrenz machen zu können. Gute Argumentation in einer an sich nicht neuen Diskussion: Vieles an Innovation im Java-Umfeld stammt derzeit eher aus Open-Source – Projekten denn dem von SUN initiierten Java Community Process; Technologien dieser Art könnten in einer Open-Source – Java – Umgebung schneller sinnvoll in die Umgebung integriert werden. Dem Hauptargument gegen eine Öffnung der Java-Quellen (der potentiellen Gefahr des Entstehens paralleler, zueinander inkompatibler Versionen der Sprache / des Frameworks) wird schlüssig begegnet mit der Tatsache, daß dies bislang bei keinem der anderen großen SUN – Open-Source – Produkte (OpenOffice.org respektive OpenSolaris) geschehen ist. Und in der Tat dürfte die Gefahr paralleler, subtil inkompatibler Versionen von Java im gegenwärtigen Zustand deutlich größer sein – mittlerweile existieren bereits mehrere Reimplementationen sowohl der JVM als auch des Java-Compilers unter Open-Source – Lizenzen, die bislang weitestehend, aber noch nicht vollständig die Funktionalität des JDK 1.4.x implementieren, aber insbesondere in vielen Linux-Distributionen etwa unter der Eclipse-IDE, besagtem OpenOffice oder verschiedenen Application Servers ihren Dienst tun.

Kurz und gut: Den Wunsch nach einem Open-Source – Java kann man eigentlich nur unterschreiben…

(gefunden bei golem.de)

House Of Blue Lights

Thursday, March 30th, 2006

Wer wiedermal durch das Web tappst auf der Suche nach Sehenswertem: Die Website meines Schwesterchens ist neuerdings nicht mehr grün, sondern blau. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, insgesamt hat sie sich schon mit CSS, XHTML und PHP recht viel Mühe gegeben, was einen Besuch auf der mystisch wirkenden Site mit gelungener Foto-Galerie durchaus rechtfertigen sollte. :)

Web 2.0 and the end of distrust?

Tuesday, March 28th, 2006

Today I’ve been confronted with two different yet somewhat similar sites: ajaxWrite aims at being a fully usable replacement for “desktop-based” word processing applications like (oh well…) MS Word or OpenOffice.org’s writer module. As the name implies, ajaxWrite makes strong use of AJAX technology, thus being browser-based, allowing its users to access, write, handle their documents all over the world and from every place where there is just a computer and a web browser. box.net, on the other side, provides you with 1 GB of data storage for free so you can store your data on-line, again available from everywhere regardless of which machine you’re sitting in front of, or which system you are running – just launch your favorite browser, and you’re done. There’s a vast bunch of services like that growing all over the “virtual place” at least after Google introduced their GoogleMail service providing both vast amounts of server-side storage capacity (so you never ever have to delete your mail again or even download it to your local computer) and an intriguing user interface allowing for easy, intuitive handling of e-mail conversation even within a web browser and even while most webmail systems up to then used to be clumsy and everything but usable.

Sometimes I wonder where all this is heading for. Basically, I really enjoy most of the applications that make up what marketing people sometimes tend to call the “Web 2.0 environment”. I like them because they’re usable and accessible even by people who are less into technology and computers, because they’re adjusting our focus a little again, away from computers and “the internet” being just an expensive toy or another opportunity for spending money while doing (virtual) shopping, towards a network of technologies and systems enabling us to get some work done, systems to be used as tools for some specific task rather than just being there for the sake of being there. But, there’s some major drawback about it, especially while talking about the Google* services or even something like box.net. The question is: Who do you trust? You know that, for example, Google is using censorship technologies in China to make its search engine ready for the special political demands in that country. Maybe, in the days of “war on terror” and global surveillance, there are better ideas than giving all your data away to some online storage or service company who pretent to take care of them for you. Do you really want to store 1 gigabyte of your most intimate data on some server where you don’t really know who’s operating it and who’s the small company providing you a free account on its machines? Do you want to keep all your e-mail conversation, automatically “sorted” by senders / recipients / threads, within a server-side environment of a company known for its censorship activities? Do you really want to use some free yet proprietary tool for encrypting data transfer to your friends while you know nothing about the servers and the environment used for that encryption and transmission?

I certainly don’t. There always has been too much blind trust and faith into benefits that come with modern technologies (of course besides those who usually are about to criticise everything no matter whether or not they actually have a clue of what it is about), and probably, with Web 2.0 and those technologies being even more accessible, it might attract even more people free of any distrust, merrily giving all their data to Google et al, slowly making privacy a thing of the past. That’s when we all welcome Google’Zon and EPIC. What a brave new world…

Ungewollte Demokratie

Monday, March 27th, 2006

Nun liegt er endlich hinter uns, der erste Wahlsonntag 2006, an dem gleich drei Bundesländer gefragt waren, ihre Volksvertreter zu benennen. Im Nachgang darf man resümieren: Business as usual. Wieder haben alle gewonnen, wieder haben die jeweils anderen verloren (und sei es deswegen, weil sie mehr Stimmen verloren haben als man selbst), wieder zufriedene Gesichter angesichts der Tatsache, daß die Politik der Großen Koalition nicht völlig in Grund und Boden gestimmt wurde. Das politische Leben ist schön, die Welt wieder in Ordnung. Wer läßt sich da schon stören dadurch, daß die Demokratie trotzdem langsam, aber sicher den Weg alles Irdischen zu gehen scheint: Sind Regierungen überhaupt noch legitim, wenn überhaupt kaum jemand für sie stimmt? Offensichtlich schon. Zumindest scheint diese Frage in den politischen Gremien und außerhalb der ewig nörgeligen Analysten-Meute kein wirklich brisantes Thema zu sein. Wenn das so weitergeht, kann man sich leicht ausrechnen, wann die erste Partei im wahrsten Sinne des Wortes “einstimmig” gewählt wird – spätestens dann, wenn die Kommunikation zwischen Bürgern und Politik vollends gescheitert ist, wenn sich das Desinteresse an politischen und gesellschaftlichen Themen in der Bevölkerung selbst des letzten noch denkenden Menschen bemächtigt hat. Glücklicherweise wird es auch dann wohl nur Gewinner geben. Politik ist schön…

Nachtrag dazu: Mittlerweile (31.03.) hat auch telepolis einen interessanten Artikel zum Thema mit der Erkenntnis, daß insbesondere die jüngere Generation den Wahlurnen weitestgehend ferngeblieben ist. An vielen Punkten kann man inhaltlich sicher darüber diskutieren, aber in der Essenz dürfte schon erkennbar sein, daß im gegenwärtigen politischen System einige Dinge im Argen sind – fehlende Interaktivität, fehlendes Feedback bei Kontaktversuchen politischer Amtsträger hat man auch als politisch nicht inaktiver Mensch mehr als nur einmal erlebt…

Fair-Sharing zum Anfassen

Saturday, March 25th, 2006

Leider fehlt mir momentan die Zeit, der Veranstaltung beizuwohnen, aber vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen: Am 31. März 2006 veranstaltet das fairsharing – Netzwerk in Berlin eine öffentliche Veranstaltung zum Thema “Alternativen zum Verbot der Internet-Tauschbörsen – Erfahrungen aus Frankreich und USA”. Das Problem kennen wir eigentlich alle:

Nicht nur hierzulande werden Film- und Fernsehkonsumenten mit Spots der Marke “Raubkopierer sind Verbrecher” genervt und NutzerInnen von Internet-Tauschbörsen mit Kriminellen gleichgesetzt. Auch in Frankreich und den USA wird die Verschärfung des Urheberrechts ständig vorangetrieben und dadurch die Freiheit der Bürger eingeschränkt.

Im Hinblick darauf und auf die aktuellen Entwicklungen zum Urheberrecht in Deutschland, Frankreich, Europa soll die mit Vertretern von freeculture.org, Fairsharing und der Association Des Audionautes besetzte Veranstaltung Diskussion in Gang setzen über Urheberrecht, Kulturflatrate und die Entlohnung von Schaffenden im digitalen Zeitalter. Wer Zeit und Muße hat und zur geeigneten Zeit in Berlin ist, sollte sich den Termin in den Kalender schreiben.

“Eigentum ist Diebstahl”?

Friday, March 24th, 2006

Gleichermaßen skurril wie auch in gewisser Weise schlüssig: Auf Technology Review schreibt Peter Glaser unter dem schon per se provokanten Titel “Das Zentralkommitee der KPDRM” über die jüngste Entwicklung der Urheberrechtsdebatte in Deutschland. Skurril ist der Artikel ob des Fazits: Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, treiben die Vertreter der “Content-Industrie” mehr und mehr in die Richtung, daß Musik, Filme, Software und dergleichen dem Nutzer nicht mehr wirklich “verkauft” (sprich: dessen Eigentum) werden, sondern dieser nurmehr eine Lizenz, ein Nutzungsrecht erhält, man eben nicht mehr für etwas bezahlt, das einem dann irgendwie gehört. Ergo:

Bei der Neubewertung des Urheberrechts scheint es im Kern darum zu gehen, das Privateigentum abzuschaffen. Eigentlich paradox, der Kommunismus ist an diesem Versuch gescheitert.

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Globaler Schreibtisch

Friday, March 24th, 2006

Wollen wir noch einmal über die politische Bedeutung von Freier Software und Desktop-Linux reden? Offensichtlich schon. Wie pro-linux.de zu vermelden weiß, hat das United Nations University International Institute for Software Technology mit dem Global Desktop ein Projekt ins Leben gerufen, welches Verbesserung und Verbreitung von Open-Source – Desktop-Umgebungen vorantreiben, die weltweite Entwicklergemeinde vergrößern und dabei insbesondere Entwicklungsländern aktiven Zugang zu Software-Technologien verschaffen soll, die mittel- und langfristig helfen können, Abhängigkeiten von Konzernen der westlichen Welt zu kompensieren, ohne im “digitalen Zeitalter” den Anschluß zu verpassen.

Die Diskussion kann man letztlich ähnlich derjenigen führen, die sich seit ehedem um die Billig-Notebooks für Entwicklungsländer rankt – inwieweit ist es sinnvoll, High-Tech in Regionen zu stopfen, in denen es für die Menschen vorrangig wichtiger ist, Nahrung, Wasser und gesundheitliche Versorgung zu haben? Dort wird auch Freie Software keine essentiellen Probleme lösen. Aber sie kann dabei helfen, in den jeweiligen Ländern wirtschaftliche Strukturen aufzubauen, die in einer zukunftsträchtigen Branche passieren und somit für die Länder nicht von Nachteil sein sollte. Und sie kann helfen, die Menschen mit den Ressourcen (Wissen, Fähigkeiten) auszustatten, die im Informationszeitalter von Belang sein werden. Das sollte es letztlich sein, was “nachhaltige Entwicklungshilfe” ausmacht…