Goodbye Web 2.0

Das Web 2.0 ist tot. Getötet, wie so manche interessante Technologie davor und vielleicht auch danach, von skrupellosen Geschäftemachern und deren visionslosen Handlangern in Politik und Amt. Im Zeitalter von interaktiven Web-Anwendungen und “social software” wären das in Frage zu stellende Patent auf “Rich Media”-Anwendungen, respektive Flash-, Applet- oder AJAX-Applikationen im Web-Umfeld, ein guter Kandidat für die Wahl zum Softwarepatent des Monats, mit dem die von einer Reihe mittelständiger Unternehmen ins Leben gerufene Kampagne zur Vergabe des “nosoftwarepatents”-Awards auf die drohende Blockade von Forschung und Entwicklung, die leichtfertige Gefährdung tausender Arbeitsplätze in der mittelständig geprägten europäischen IT-Branche und, durch die Bedrohung von Freier und Open-Source – Software, eine drastische Verschlechterung des Softwaremarktes für die Kunden durch Software-Patente in Europa hinweisen möchte. Wenn man sich bereits erteilte Patente wie etwa das auf das mittlerweile wohl allseits bekannte Kontext-Menü anschaut, beginnt man zu verstehen, warum dem so sein könnte…

Interessant in diesem Kontext eine erneute Stellungnahme aus dem deutschen Justizministerium zur Thematik des EU-Gemeinschaftspatents:

“Die Vertreter der innovativen Wirtschaft und der Forschungseinrichtungen haben heute dargelegt, dass sie zur Stärkung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit rasch Fortschritte bei der Verbesserung des europäischen Patentschutzsystems brauchen”, erklärte sie in diesem Zusammenhang. Sie werde sich daher “mit Nachdruck” dafür einsetzen, die beiden Vorhaben zur “Verbesserung des bestehenden europäischen Patentsystems voranzutreiben”.

Gut pariert, Lobby-Hündchen… Also endlich noch mehr Patente, noch mehr amerikanische Verhältnisse, noch mehr Chaos und noch weniger Innovation, da die Innovativen und Kreativen fürderhin noch mehr Zeit für das Sondieren eines rechtlichen Minenfeldes verbrennen und noch weniger Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben haben. Vielleicht sollte man sich schon mal überlegen, mit welcher Trivialität des täglichen Lebens man sich demnächst die Wartezeit auf den Fluren und in der Schlange des Patentamtes einzureihen gedenkt…

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