Rambo im Tal der Wölfe
Saturday, February 25th, 2006Neues aus der Rubrik “Messen mit zweierlei Maß”: Der Kinofilm Tal der Wölfe, spätestens seit der Berlinale in aller Munde und teilweise heftig diskutiert, verschwindet aus den ersten Kinos, dem Vernehmen nach, weil der Vertrag mit dem Filmverleih ausgelaufen sei. Ungeachtet der Frage, ob das nun ein alltäglicher Vorgang ist oder nicht (schließlich und endlich laufen Filme nunmal nur eine begrenzte Zeit), bleibt doch ein fahler Nachgeschmack, wenn man betrachtet, daß gewisse Leute in Anbetracht des Streifens schon von vornherein nach Zensur geschrien hatten, schüre er doch Anti-Amerikanismus und Kulturkampf und transportiere Rassismus.
Ja. Genau. Im Falle etwa der Rambo-Streifen, die den “Helden” nach Vietnam (Teil 2) bzw. Afghanistan (Teil 3) verschlagen, wo er sich für die “Guten” gegen die “Bösen” kämpft (etwa als Vertreter von Gods Own Country gegen den Vietcong), scheinen wir kein Problem zu sehen, abgesehen vielleicht von allgemeinen Ressentiments gegen Gewalt in Unterhaltungsmedien. Wird nunmehr der Spieß ganz plötzlich umgedreht, ist ein türkischer Geheimagent der “Gute” und die US-Army das “Böse”, beginnen wir ganz plötzlich zu erkennen, daß derartige Schwarzweiß-Malerei vielleicht grundsätzlich keine allzu gute Idee sein könnte. Fragt sich nur, warum uns das nicht früher eingefallen ist… Und, angesichts der Tatsache, daß “Tal der Wölfe” eine wahre Begebenheit aufgreift, daß sich gerade die USA derzeit durchaus fragwürdiger Methoden bedient, die ernsthafte Fragen aufkommen lassen an der Aufrichtigkeit des “Kampfes gegen den Terror” und des Wunsches, Menschenrechte und Freiheit weltweit etablieren zu wollen, sollten wir in diesem Fall vielleicht eher weniger darüber nachdenken, wie wir unliebsame Filme aus den Kinos fernhalten können, und mehr darüber, wie wir dem vielzitierten “Kulturkampf” die Schärfe nehmen können, wie wir es schaffen, auch als Westen andere Kulturkreise in ihrer Freiheit und Würde erst einmal verstehen und akzeptieren lernen… Auf die Weise wäre allen wohl mehr geholfen.
(gefunden bei schockwellenreiter.de)
