Gestaltung für Anfänger

Nach ein paar Jahren “online” und vor dem Rechner hat man sicher eine gewisse Fertigkeit erworben im Umgang mit (X)HTML, CSS und all den anderen Technologien, derer es so bedarf, um Web-Sites praktisch realisieren zu können. Ärgerlicherweise habe ich in letzter Zeit immer häufiger gemerkt, daß das Problem gar nicht in der Technik, sondern andernorts liegt, genauer in der optisch ansprechenden, schlüssigen und dem Inhalt entsprechenden Gestaltung dessen, was man eigentlich zu präsentieren gedenkt. Dort fehlt mir als grafisch fast völlig unbedarftem Zeitgenossen in vielerlei Hinsicht jegliches Wissensfundament, passiert das Gros dessen, was ich (etwa unter Verwendung des Gimp) tue, auf Basis von “trial-and-error” und unter dem Vorsatz, durch Probieren Resultate zu erzeugen, die einem selbst gefallen.

Nichtsdestotrotz hat es mich geärgert, auf diesem Gebiet eigentlich immer nur im Dunkeln zu tappen, und somit lag der Griff zu einem Buch nahe, um erst einmal einen groben Einstieg in das ganze Themengebiet grafischer Gestaltung zu erlangen. Mittlerweile liegt “Visuelles Gestalten mit dem Computer” auf meinem kleinen Schreibtisch, und nachdem mich nach anfänglichem Überfliegen irritiert hat, daß das Buch nicht wie andere (auf den ersten Blick ähnlich gelagerte) Veröffentlichungen auf jeder Seite drei, vier Bildschirmfotos prominenter Programme und im Back-Cover eine CD-ROM mit Vollversionen belangloser Tools mitbringt, bin ich mittlerweile doch von der Sinnhaltigkeit des Konzeptes überzeugt: Die beiden Autorinnen Pina Lewandowsky und Francis Zeischegg führen den Leser auf reichlich 250 Seiten in die Materie ein in einer Art und Weise, die sehr viel grundlegender ist, als der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Und so sieht man sich plötzlich konfrontiert mit Ausführungen zu Punkten, Linien, Flächen, Strukturen, bekommt Wissen vermittelt über Spannungen, die Wirkung von Farben, Bildorganisation, … . Aufgelockert durch den Kapiteln vorangestellte Werke von Künstlern zur “Motivation” und etlichen kleineren und größeren Übungen (die nicht mal alle die Nutzung eines Computers erfordern) sowie versehen mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis (für all jene, die Muße und Zeit haben, sich noch tiefer in die Materie hineinzulesen) ist dies insgesamt ein Buch, welches man schon vor Jahren hätte kaufen sollen, auch wenn der Weg bis zum Ende, der Weg der Erkenntnisse in die Praxis reichlich lang zu werden verspricht…

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