Archive for December, 2005

Gestaltung für Anfänger

Monday, December 26th, 2005

Nach ein paar Jahren “online” und vor dem Rechner hat man sicher eine gewisse Fertigkeit erworben im Umgang mit (X)HTML, CSS und all den anderen Technologien, derer es so bedarf, um Web-Sites praktisch realisieren zu können. Ärgerlicherweise habe ich in letzter Zeit immer häufiger gemerkt, daß das Problem gar nicht in der Technik, sondern andernorts liegt, genauer in der optisch ansprechenden, schlüssigen und dem Inhalt entsprechenden Gestaltung dessen, was man eigentlich zu präsentieren gedenkt. Dort fehlt mir als grafisch fast völlig unbedarftem Zeitgenossen in vielerlei Hinsicht jegliches Wissensfundament, passiert das Gros dessen, was ich (etwa unter Verwendung des Gimp) tue, auf Basis von “trial-and-error” und unter dem Vorsatz, durch Probieren Resultate zu erzeugen, die einem selbst gefallen.

Nichtsdestotrotz hat es mich geärgert, auf diesem Gebiet eigentlich immer nur im Dunkeln zu tappen, und somit lag der Griff zu einem Buch nahe, um erst einmal einen groben Einstieg in das ganze Themengebiet grafischer Gestaltung zu erlangen. Mittlerweile liegt “Visuelles Gestalten mit dem Computer” auf meinem kleinen Schreibtisch, und nachdem mich nach anfänglichem Überfliegen irritiert hat, daß das Buch nicht wie andere (auf den ersten Blick ähnlich gelagerte) Veröffentlichungen auf jeder Seite drei, vier Bildschirmfotos prominenter Programme und im Back-Cover eine CD-ROM mit Vollversionen belangloser Tools mitbringt, bin ich mittlerweile doch von der Sinnhaltigkeit des Konzeptes überzeugt: Die beiden Autorinnen Pina Lewandowsky und Francis Zeischegg führen den Leser auf reichlich 250 Seiten in die Materie ein in einer Art und Weise, die sehr viel grundlegender ist, als der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Und so sieht man sich plötzlich konfrontiert mit Ausführungen zu Punkten, Linien, Flächen, Strukturen, bekommt Wissen vermittelt über Spannungen, die Wirkung von Farben, Bildorganisation, … . Aufgelockert durch den Kapiteln vorangestellte Werke von Künstlern zur “Motivation” und etlichen kleineren und größeren Übungen (die nicht mal alle die Nutzung eines Computers erfordern) sowie versehen mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis (für all jene, die Muße und Zeit haben, sich noch tiefer in die Materie hineinzulesen) ist dies insgesamt ein Buch, welches man schon vor Jahren hätte kaufen sollen, auch wenn der Weg bis zum Ende, der Weg der Erkenntnisse in die Praxis reichlich lang zu werden verspricht…

Doin’ the HOP

Friday, December 23rd, 2005

Über den schockwellenreiter bin ich gestern auf helma aufmerksam geworden, einen JavaScript – basiertes Web-Anwendungs – Framework, auf dessen Basis wohl auch die Weblog-Plattform twoday.net aufbaut (die ihre Erweiterungen übrigens mittlerweile auch unter einer OpenSource – Lizenz freigegeben haben). Naja, wie es nunmal so geht: Paket herunterladen, extrahieren, starten, und schon macht sich eine gewisse Begeisterung breit: Alles in allem scheint helma eine wunderschöne Plattform zu sein, um schnell erweiterbare, sauber strukturierte Web-Anwendungen in Gang zu bringen in einer Umgebung, die gut dokumentiert ist und sogar auf einem Notebook mit laufendem GNOME und Datenbank-Server noch betrieben werden kann. Jetzt bräuchte ich eigentlich nur noch ein Projekt, was sich damit umzusetzen lohnt… :)

Geistiges Eigentum und Diktatur, Teil (n+1)

Thursday, December 22nd, 2005

Die Diskussium um die Initiative von Branchenverbänden und Industrievertretern, in Frankreich OpenSource – Lizenzen per Gesetz verbieten zu lassen, ist noch in vollem Gange, da kommt schon der (zu erwartende) nächste Schritt in dieser Richtung, einmal mehr vorangetrieben von einem gewissen EU-Kommissar Charlie McGreevy, der schon durch sein Treiben im Rahmen der Debatte um Softwarepatente in Europa äußerst negativ aufgefallen ist: quintessenz zitiert den Kommissar sinngemäß


Die Zeit der Urheberrechsabgaben und der, von Künstlern selbst organisierten, Verwertungsgesellschaften ist vorbei. Das schuldet die EU der “Industrie”.

in einem Artikel, der die Ausdehnung der in Frankreich angestrebten Verhältnisse auf ganz Europa andeutet und somit weiß Gott nicht angetan ist, Begeisterungsstürme zu wecken.

In der Tat, das ist es also. Vorbei die Zeiten, in denen jene, die Inhalte generieren, rechtlich und technisch in der Lage sind, selbst darüber zu befinden, wie mit ihren Inhalten umgegangen wird. Wir brauchen eine starke Diktatur einer “Industrie”, wir brauchen Gesetze, um ganze Branchen am Leben zu erhalten, die (wie etwa die Musik-Industrie) kurz vor dem Dahinscheiden stehen, nachdem sie über Jahre hinweg die Entwicklungen der Zeit verschlafen haben. Und während Länder wie Indien die Vorzüge von Open-Source etwa im Bildungs-Bereich zu erkennen beginnen und selbst Forscher des renommierten MIT zu der Erkenntnis gelangen, daß OpenSource und damit verbundene Geschäftsmodelle Innovation und sogar die Gewinne von Unternehmen steigern können, betreiben wir doch lieber viel mehr wirtschaftlich motivierte Vorschlaghammer-Politik im “Kampf” gegen alles, was den kurzsichtigen Interessen der Medien- und Content-Industrie entgegensteht, gegen alles, was Kultur und Kunst im Zeitalter von Computern und Netzwerken hervorzubringen imstande ist, sei es nun OpenSource- / Freie Software, sei es Musik, seien es CreativeCommons-Inhalte oder was-auch-immer. Vielleicht wäre es doch langsam an der Zeit, gewisse Politiker, Leute wie McGreevy, einfach aus allen Ämtern zu vertreiben und, bevor sie noch mehr Schaden anrichten können, zu ersetzen durch Leute mit mehr Weitblick und weniger blinder Lobby-Hörigkeit.

Nur teilweise off-topic: In Frankreich scheint sich laut intern.de und netzpolitik.org eine kuriose Entwicklung anzubahnen:

Die Abgeordneten des französischen Parlaments sorgten gestern für eine Überraschung: Mit knapper Mehrheit wurden zwei inhaltlich identische Anträge auf Erweiterung der vorläufigen Fassung des neuen Urheberrechtsgesetzes angenommen. Diese Erweiterungen legalisieren den Austausch urheberrechtlich geschützter Daten in Peer-to-Peer Netzwerken.

Mehr dazu hat die netzeitung. Ein heise.de-Artikel zu den Protesten gegen die Verschärfung des Urheberrechts in Frankreich zählt seit nunmehr zwei Tagen zu den Top-Meldungen auf der News-Site…

Nachtrag: Mittlerweile berichten auch heise.de, golem.de und redmann von der Entwicklung in Sachen DADVSI / Copyright-in-Frankreich. Viel Text dazu hat auch der zeitgeistaustreiber.

Nachtrag II, 23. 12. 2005: fippu.ch hat aktuellere Erkenntnisse zu den Entwicklungen in Frankreich, ebenso heise.de. Demnach ist die endgültige Entscheidung vertagt auf Mitte Januar, wobei die französischen Parlamentarier mit einer gewissen Kreativität zu Werke gehen:

Generell wollen die französischen Abgeordneten den schwammigen Begriff der “technischen Schutzmaßnahmen” im Gesetz selbst näher definieren, konnten sich dabei aber noch nicht auf genaue Vorgaben einigen. Ausgeschlossen haben sie bereits, dass auch Protokolle, Dateiformate oder Methoden zur Verschlüsselung an sich bereits als Kopierschutz gelten. Eine Ausnahme gilt hier nur bei verschlüsselten Fernsehprogrammen. Viel Zeit beansprichte in der gestrigen Sitzung zudem eine Debatte über freie Software und die Monopolstellung von Microsoft. Der Sozialist Christian Paul bemühte sich vor der Endrunde zudem, den Horizont von Kultusminister Renaud Donnedieu de Vabres zu erweitern: Er schenkte ihm das Buch “Die Zukunft der Ideen” des Stanforder Rechtsprofessors Lawrence Lessig, der seit langem für eine Öffnung des Copyrights eintritt.

Das Beispiel sollte Schule machen; hoffen wir, daß sich Monsieur de Vabres von seinem vorweihnachtlichen Geschenk inspirieren läßt und wieder mehr die Interessen der Kultur, weniger die der Industrie, vertritt. Einen interessanten Bericht dazu gibt’s auch noch auf futurezone.orf.at; hier finde ich insbesondere den Schluß durchaus treffend:

Durch die Verschiebung des Votums hat die französische Regierung theoretisch mehr Zeit, die Parlamentarier für ihr umstrittenes Gesetz zu gewinnen. Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres erklärte umgehend, er sei “entschlossen”, die von den Abgeordneten vorgenommenen Änderungen noch zu kippen.

Der Chef der UMP-Fraktion, Bernard Accoyer, sagte aber, dies komme “nicht in Frage”. Die Nationalversammlung sei nicht bloß da, um Vorlagen bloß abzuzeichnen. …

Auch das sollten sich Parlamentarier europaweit in dieser Deutlichkeit durchaus einmal vor Augen führen.

Corporate Ethics?

Tuesday, December 20th, 2005

Interessant, interessant. Laut theRegister geht Margot Wallström, Vizepräsidentin der EU-Kommission, hart ins Gericht mit Konzernen wie Google, Microsoft oder Yahoo!, die den chinesischen Behörden nur allzu gern behilflich sind, geht es darum, Zensur und Filterung auf Ebene neuer Kommunikationstechnologien zu betreiben. Frau Wallström findet dabei durchaus zu deutlichen Worten:


Worte wie “Ethik” oder “soziale Verantwortlichkeit der Unternehmen” scheinen vom Verhaltenskodex dieser Unternehmen gestrichen zu sein – oder sie verfügen über flexible ethische Standards, die davon abhängen, wo sie gerade operieren.

Diese Erkenntnis allein ist aller Ehren wert. Ich bin gespannt, ob (und, falls ja, welche) Taten diesen Worten folgen werden. Der (englischsprachige) Eintrag im Weblog der Politikerin findet sich hier.

Free Software as a social movement

Tuesday, December 20th, 2005

zmag.org has an excellent, verbose interview with GNU mastermind and Free Software advocate Richard Stallman. Probably not bearing much news to those who are a little into the whole GNU movement, it may be a good explanation of Free Software for all those who by now just are thinking about “free” software as “cheap” or “free-as-in-free-beer” goodies you can download from all over the internet, so it’s a worthy read if you want to get an idea what is behind GNU and the freedoms 0 to 3 free software should provide. Besides that, it provides interesting insights into Stallmans view of the world regarding topics like capitalism, the political aspects of free software, software patents and a lot of other things. Perhaps this is something worth translating to German, it is a highly recommended read.

(found on netzpolitik.org)

The silent visions of Anathema

Tuesday, December 20th, 2005

Once again taking a crash-dive into my musical past… 1995 is the year written on the back cover of the “the silent enigma” cd recorded by former British doom / death metal heroes Anathema. Ten years ago… obviously, “t.s.e.” must have been quite an incredible piece of work (art), given that it still is fascinating me even after all this time. In the years to follow, Anathema recorded cds like “eternity”, “alternative 4″ or “a fine day to exit” including a vast amount of great songs, great moods, great ‘musical pictures’, illustrating the development of the band out of the doom/death metal genre into creating music more calm, more introspective, perhaps also more “rock-like”, more accessible to a wider audience. They’re still great, after all… but to me, none of their latter releases is able to reach the intensity, the power and the musical depth of “the silent enigma”, balancing between dense, melancholic, emotional parts and the slow-motion power this sort of doom metal stands for. This way, tracks like “restless oblivion”, “sunset of age”, “cerulean twilight” or “black orchid” still shine, and probably always will. One of the best metal records done so far, I guess…

web:
photopit.com (besides featuring tons of other shots) also features a vast amount of Anathema live pictures

“spam, spam, lovely spam”…

Monday, December 19th, 2005

Heute ist’s wieder ganz schlimm: 21 Kommentare innerhalb von einer Stunde, und alles Müll – da wird die Moderation schon zur reichlich lästigen Pflichtübung. Ich wünschte, all die Irren da draußen würden erkennen: Ich entsorge die bunten Postwurfsendungen im (Blech-)Briefkasten ungesehen, vernichte Junk-Mail in meinen elektronischen Postfächern und sehe auch, was das Weblog betrifft, keinen wirklichen Bedarf für Informationen über fragwürdige Download-Sites oder diskutable sexuelle Praktiken. Schade nur, daß so viele Ressourcen für diesen Unsinn verbrannt werden, sei es Papier, Druckerfarbe oder Bandbreite…

Offen – im Verborgenen

Monday, December 19th, 2005

zdnet.de hat einen äußerst lesenswerten Artikel, der einen irgendwie in die Schlußfolgerung treibt, daß der insgesamte Kreis der Nutzer von Freier und OpenSource – Software weit größer sein könnte, als dies offen sichtbar ist. Essenz des Berichts: Firmen wie Microsoft und Verbände wie die BSA setzen verschiedene Hebel zwischen Anreizen und Drohungen in Bewegung, um Kunden, die den Wechsel von proprietären zu offenen Software-Systemen publik machen, “zurück auf Linie” zu bringen:

… Allerdings kursieren Berichte, wonach Unternehmen unter Druck gesetzt wurden, ihre Open-Source-Pläne nicht öffentlich bekannt zu machen. “Ich kenne Unternehmen, die Firefox oder Thunderbird einsetzen. Sie sprechen aber nicht darüber, weil sie Angst haben, sie müssten sonst mehr für ihre Microsoft Office-Lizenzen bezahlen”, berichtete Tristan Nitot, President von Mozilla Europe, auf der diesjährigen Open-Source-Softwarekonferenz FOSDEM. “Die Leute halten sich ziemlich bedeckt – denken Sie an das Linux-Projekt von München”, fuhr er fort. “Sie fangen an, darüber zu reden, und plötzlich kommt Ballmer und legt ihnen die Daumenschrauben an.”…

Dies nur als einen kleinen Ausschnitt aus einem insgesamt sehr lesenswerten Artikel, welcher Wasser auf die Mühlen all jener sein dürfte, denen das Geschäftsgebaren des Konzerns aus Redmond schon immer suspekt war.

(gefunden auf netzpolitik.org)